05.02.13

Ski-WM-Auftakt

Lindsey Vonn stürzt bei Ski-WM-Auftakt schwer

Schreck-Sekunden in Schladming: Nach einem unglücklichen Sturz im Super-G blieb Lindsey Vonn regungslos liegen. Tina Maze holt Gold.

Von Jens Hungermann
Foto: dpa

Lindsey Vonn stürzte beim Super-G in Schladming, dem ersten Rennen der alpinen Ski-WM, schwer.

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Wenn der Fernsehwettermann zum Dauergesprächspartner wird, dann ist für gewöhnlich nicht bloß die Witterung trüb, sondern auch die Stimmung. So wie in Schladming am Dienstag, dem Auftakttag der alpinen Ski-Weltmeisterschaften.

Oben am Hang waberte zäh der Nebel, unten mühte sich ORF-Meteorologe Marcus Wadsack um Heiterkeit. Viertel- bis halbstündlich wurde der Super-G der Frauen zwischen 11 und 14.30 Uhr immer wieder verschoben, was den Fachmann zwischenzeitlich zur Analyse veranlasste: "Jetzt hat man die Chance, die man nicht hatte, auch nicht nutzen können."

Am frühen Nachmittag drohte sich auf den Rängen im pompösen Stadion mit seinen fast 30.000 Zuschauerplätzen schon gähnende Leere breitzumachen. Auf 1331 Meter ü.n.N. gewöhnten sich die Rennläuferinnen im Startbereich an den Gedanken einer Absage. Und an der Piste stehend wachte im Nebel Rennleiter Atle Skaardal wie ein Feldherr und hielt es mit dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke. Der sagte mal: "Im Nebel der Ungewissheit aber muss wenigstens eines klar sein: der eigene Entschluss."

Strapazierte Nerven

Und den fassten Skaardal und seine Jury dann. Nach 13 (!) Verschiebungen wurde verkündet: Rennstart gegen 14.30 Uhr. Die Organisatoren schienen entschlossen, den Wettbewerb durchzudrücken. Eine Verschiebung gleich zum WM-Auftakt? Bloß nicht! Und so nahm ein Wettbewerb seinen Lauf, der gleich mehrere Geschichten erzählen sollte.

Schöne, wie die der Siegerin Tina Maze aus Slowenien. Ärgerliche wie die der abgehängten deutschen Mitfavoritin Viktoria Rebensburg (Platz acht mit 0,94 Sekunden Rückstand) oder der früh ausgeschiedenen Maria Höfl-Riesch. Aber auch hässliche wie die der böse gestürzten Amerikanerin Lindsey Vonn, die einen Kreuzbandriss im rechten Knie davontrug.

Acht Starterinnen hatten die Super-G-Piste just bewältigt, da stürzte ein Streckenmitarbeiter. Und zwar derart ungünstig, dass das Rennen unterbrochen werden musste. Die Bergung nahm eine Weile in Anspruch, letztlich kam der Rettungshelikopter. Die Unterbrechung zerrte neuerlich an den Nerven der am Start mit den Skischuhen scharrenden Frauen. Als es endlich weiterging, veränderten sich die Sichtverhältnisse rasch.

Rebensburg beispielsweise, die ursprünglich mit einer Medaille liebäugeln durfte, kam nach einer kniffligen Fahrt als Dritte ein, wurde aber später noch durchgereicht. Hatte der Nebel sie gebremst? "Optimal war's nicht", sagte Rebensburg. Sie habe sich zwischendrin, hoppla, schon gedacht: "Was ist das jetzt?" Ob es ein faires Rennen war? Rebensburg erwiderte: "Ich weiß nicht."

Vonn wurde von einem Rettungshubschrauber abgeholt

Immerhin aber blieb der Bayerin das Schicksal einer anderen Favoritin erspart: Lindsey Vonn landete während ihrer Fahrt zu Tal nach einem weiten Sprung so unglücklich, dass ihr das rechte Bein einknickte, sie sich in ein Tor überschlug und sie unkontrolliert weiterrutschte, bis sie reglos liegen blieb. Auch die Amerikanerin holte ein Rettungshubschrauber ab. Die Weltmeisterschaften dürften für sie gelaufen sein.

50 Minuten war das Rennen zu dieser Zeit alt, aber erst 19 Frauen konnten starten. Maria Höfl-Riesch hatte das Pech, mit Startnummer 20 direkt nach Vonn an der Reihe zu sein. Wie sehr sie die Verzögerung irritiert haben muss, wurde nach gerade mal gut 20 Sekunden Fahrt klar: Höfl-Riesch verpasste ein Tor und schied aus, ebenso wie ihre Landsfrau Veronique Hronek und die Österreicherin Anna Fenninger.

"Es war eigentlich ein Leichtsinnsfehler", haderte Höfl-Riesch: "Das Problem für mich war, die Konzentration so lange zu halten. Natürlich bin ich enttäuscht. Aber ich war nicht Favoritin. Ich bin erst mal glücklich, dass ich so einen verrückten Tag heil überstanden habe."

Vorzeitiger Abbruch

So endete dieser chaotische WM-Auftakt mit dem Gold für die Gesamtweltcupführende Tina Maze vor Lara Gut aus der Schweiz (+0,38) und Julia Mancuso (USA/+0,52). Dass das Rennen um 16.00 Uhr wegen Nebels dann vorzeitig abgebrochen wurde, passt ins Bild. Die Männer werden sich vor ihrem Super-G Mittwoch (11.00 Uhr, ARD/Eurosport live) ihren Reim darauf machen.

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