05.02.13

Fußball

Wettskandal erhöht auch Druck auf Blatter

Als Folge des jüngsten Fußball-Wettskandals diskutiert die Politik Konsequenzen. Auch FIFA-Präsident Blatter gerät wieder in die Schusslinie.

Der größte Fußball-Wettskandal hat eine politische Debatte um die richtigen Mittel im Kampf gegen Manipulationen entfacht und den Druck auf FIFA-Chef Joseph S. Blatter erhöht.

Während Bayerns Justizministerin Beate Merk bereits an ein Gesetz zum Schutz des Sports denkt, machen die Grünen den Weltverbands-Präsidenten für den Skandal mitverantwortlich und fordern indirekt seinen Rücktritt. Gleichzeitig fürchten Sportwettenanbieter eine weitere Verschärfung des Problems und nehmen die Politik ins Visier.

Grüne fordern Rückzug Blatters

Am deutlichsten wurden die Grünen im Bundestag. Nach Ansicht ihrer sportpolitischen Sprecherin Viola von Cramon "scheint es nicht ungewöhnlich, dass unter der Führung von Sepp Blatter das kriminelle Netz seit dem Wettskandal um Robert Hoyzer eher zu- als abgenommen hat."

Für von Cramon kommt es darauf an, "den Sport immun gegenüber Angriffen von außen zu machen. Doch dafür muss erst die Führungsriege der FIFA um Sepp Blatter von Korruption bereinigt werden."

Laut von Cramon ist Blatter selbst ein Teil des Problems. "Zwar spricht Sepp Blatter davon, im Kampf gegen Matchmanipulation helfen zu wollen, doch lässt er seinen Worten keine Taten folgen", sagte die Politikerin: "Notwendige Sanktionierungen gegen Verbände, die Spielmanipulatoren tolerieren, blieben bislang aus."

Nach Ansicht der Grünen seht der Weltverband vor einem existenziellen Problem. "Die FIFA muss den Kampf gegen Korruption und Sportwettenbetrug intensivieren, damit sie nicht jegliche Autorität verliert", sagte von Cramon.

Instrumente gegen Manipulation müssen überprüft werden

Auch Wolfgang Bosbach, der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, sieht neben den Strafverfolgungsbehörden die Verbände in der Pflicht. Sie müssen nach Ansicht des CDU-Politikers ihre Werkzeuge gegen Manipulationen auf den Prüfstand stellen.

"Wir müssen dringend überprüfen, ob die von den Verbänden bisher installierten nationalen und internationalen Frühwarnsysteme tatsächlich effektiv sind", sagte der 60-Jährige der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Ein neues Mittel gegen Manipulation im Sport brachte Merk ins Spiel. "Die Entwicklungen zeigen, dass wir dringend über ein umfassendes Gesetz zum Schutz des Sports nachdenken müssen", sagte die CSU-Politikerin: "Chancengleichheit und Fairness im Sport werden nicht nur durch Doping gefährdet. Auch die Bestechungsskandale der letzten Jahre erschüttern die Glaubwürdigkeit des Sports."

Deutscher Profifußball wenig betroffen

Die Korruptions-Expertin Sylvia Schenk, Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland, sieht den deutschen Profifußball allerdings nur bedingt gefährdet.

"Wo Spieler sehr gut bezahlt werden, ist es sehr viel schwieriger sie zu bestechen, als dort, wo Spieler - gerade in osteuropäischen Ländern - sehr schlecht oder manchmal gar nicht bezahlt werden, weil der Verein das Geld nicht hat. Und insofern ist es bei uns eher in den unteren Ligen ein Problem", sagte Schenk dem Hessischen Rundfunk.

Wettanbieter gehen in die Offensive

Eher groß statt klein reden private Wettenanbieter das Problem, das sich nach ihrer Ansicht noch verschärfen werde. Schuld daran ist laut bwin-Direktor Jörg Wacker der neue Glücksspielstaatsvertrag, der die Wetter in den Schwarzmarkt treibe.

"Die Zahl der Sportwettenlizenzen soll auf 20 begrenzt werden und für die lizenzierten Online-Anbieter gibt es weitreichende Einschränkungen. Damit sind ihre Angebote nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber Schwarzmarktanbietern. Viele Kunden werden sich daher den vermeintlich attraktiveren Schwarzmarktangeboten zuwenden", sagte Wacker dem Handelsblatt.

Hunderte Spiele manipuliert

Die europäische Polizeibehörde Europol hat am Montag bekannt gegeben, dass es zwischen 2008 und 2011 insgesamt 380 manipulierte Spiele in Europa gegeben haben soll. In rund 300 weiteren verdächtigen Partien, die zumeist außerhalb Europas stattgefunden haben, laufen derzeit Ermittlungen.

Insgesamt sollen 425 Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre und Kriminelle involviert gewesen sein. Das kriminelle Netzwerk soll laut Europol von Singapur aus gesteuert werden.

Mit diesem Ausmaß hatten die deutschen Nationalspieler nicht gerechnet. "Das war auch für uns überraschend, davon geht man natürlich nicht aus. So etwas ist natürlich schlecht. Jeder Fan, der ins Stadion geht, erwartet, dass zwei Mannschaften aueinanfertreffen, die alles tun, um zu gewinnen", sagte Kapitän Philipp Lahm am Dienstag.

Auch Spanien ist betroffen. Das bestätigte der Vizepräsident des Ligaverbands (LFP), Javier Tebas. "Es gibt Spielmanipulationen und illegale Wetten. Es ist zwar nur ein geringer Prozentsatz, aber es gibt diese Korruption auch in Spanien", sagte Tebas der Sportzeitung Marca.

Derweil mehren sich die Berichte, dass es sich bei dem von Europol genannten Champions-League-Spiel auf englischem Boden um die Partie zwischen dem FC Liverpool und dem ungarischen Vertreter VSC Debrecen handeln soll. Das vermelden englische Blätter und die dänische Zeitung Ekstra Bladet. Die Begegnung fand am 16. September 2009 und endete 1:0 für Liverpool.

Quelle: SID/mim
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