04.02.2013, 12:53

Manipulation Europol deckt größten Fußballskandal aller Zeiten auf


Sprecher von Europol geben in Den Haag eine Pressekonferenz zum Wettskandal

Foto: Robin Van Lonkhuijsen / dpa

Sprecher von Europol geben in Den Haag eine Pressekonferenz zum Wettskandal Foto: Robin Van Lonkhuijsen / dpa

Mehr als 380 Spiele, darunter auch bei WM- und EM-Qualifikation, sollen zwischen 2008 und 2011 manipuliert worden sein.

Dem europäischen Fußball droht der größte Wettskandal in seiner Geschichte. Die europäische Polizeibehörde Europol hat nach eigenen Angaben mehr als 380 verdächtige Spiele zwischen 2008 und 2011 ermittelt, darunter Partien der WM- und der EM-Qualifikation sowie zwei Champions-League-Begegnungen. Europol-Chef Rob Wainwright sprach am Montag auf einer Pressekonferenz in Den Haag von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau".

Asiatisches Verbrechersyndikat

Zusätzlich werde wegen rund 300 weiterer verdächtiger Profispiele ermittelt, meist in Übersee. Betroffen seien aber auch Spanien, Großbritannien und die Niederlande. An den Manipulationen und Wettbetrug waren rund 420 Funktionäre, ehemalige oder heutige Spieler und Schiedsrichter in 15 Ländern beteiligt. Namen der Verdächtigen wollte Europol-Direktor Rob Wainwright mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Hinter dem Wettskandal soll Europol zufolge ein asiatisches Verbrechersyndikat stecken, das von Singapur aus gesteuert wurde und auch in Europa aktiv sei. Die Betrüger sollen acht Millionen Euro verdient haben. Diese Summe sowie zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern wurden von den Behörden sichergestellt.

Das Problem sei sehr groß und die ermittelten Fälle "erst die Spitze des Eisberges." , sagte Wainwright. "Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball. Für uns steht fest, dass es sich um den größten Fall aller Zeiten in diesem Bereich handelt. Die Manipulationen haben einen Stand erreicht, wie wir ihn noch nie hatten", sagte Wainwright, der seinen brisanten Bericht der Europäischen Fußball-Union (UEFA) übergeben wird: "Wir konnten zum ersten Mal beweisen, dass die organisierte Kriminalität in der Fußballwelt operiert."

Offenbar keine neuen Fälle in Deutschland

Deutschland ist zwar auch betroffen, allerding sollen die Fälle bereits bekannt sein. Der vom Bochumer Landgericht abgehandelte Skandal um den Wettpaten Ante Sapina sowie dessen Komplizen Marijo C., bei dem es sich um 51 manipulierte Spiele gehandelt hat, ist in den Zahlen von Europol bereits enthalten. "Aus deutscher Sicht war das zum Großteil ein Fazit unserer Ermittlungen. Von neuen Fällen weiß ich derzeit nichts", sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek.

Bienioßeks Kollege Andreas Bachmann, der in Den Haag vor Ort war, wies allerdings darauf hin, dass bei den derzeit untersuchten Fällen unter anderem deutsche Sportler "die Leidtragenden" seien.

(dpa/sid/oj/ap)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter