04.02.13

"Nachspielzeit"

Löw schürt einen neuen Kampf um die Nummer eins

Manuel Neuer hat ungewohnt empfindlich auf die Nominierung von René Adler für das Länderspiel am Mittwoch gegen Frankreich reagiert. Aber warum? Konkurrenz hat noch nie geschadet.

Foto: pa/augenklick/firo Sportphoto
Manuel Neuer und René Adler
Manuel Neuer und René Adler konkurrieren um den Stammplatz in der Nationalmannschaft

Dass Fußball-Profis mitunter empfindlich auf ihre Umwelt reagieren, beweisen sie uns regelmäßig aufs Neue. Es sei ihnen auch gar nicht verübelt. Sollte doch etwa ein jeder sagen dürfen, wenn ihm etwas nicht passt. Das gilt natürlich auch für Manuel Neuer. Viel zu tun hat der Torhüter beim FC Bayern ja derzeit nicht, wenn die Münchner spielen. Sie stellen mit nur sieben Gegentoren die mit Abstand beste Defensive der Bundesliga. Da kann man als wenig beschäftigter Keeper schon mal auf andere Gedanken kommen.

Und so ließ uns Manuel Neuer am Wochenende nach dem 3:0 Mainz wissen, dass es ihm gar nicht passt, dass René Adler vom Hamburger SV anstelle seiner Wenigkeit das Länderspiel gegen Frankreich am Mittwoch bestreiten wird. "Ich denke, dass es für uns ein wichtiges Spiel ist, da hätte ich sehr gerne gespielt. Ich würde mich auch gerne auf die Bank setzen, aber zum richtigen Zeitpunkt. Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen", sagte Neuer.

Das war ungewohnt kritisch. Aber warum eigentlich? Bundestrainer Joachim Löw hatte die Nation in Bezug auf die Nominierung von Adler für das Testspiel in Paris doch sofort wissen lassen, dass jene Berufung nichts an der Konstellation im deutschen Tor ändern würde und Neuer seiner Nummer eins ist. Offenbar hat er die sensible Seite Neuers unterschätzt. Jedenfalls fühlte sich am Sonntag auch noch Bundestorwarttrainer Andreas Köpke dazu beflissen, die Situation im deutschen Tor zu kommentieren. "Es gibt da keinen Konflikt", sagte Köpke.

Adler ist ein ernsthafter Konkurrent für Neuer

Wenn er und der Bundestrainer sich da mal nicht täuschen. Neuer hat sicherlich keine Angst um seine Stellung, dafür ist er schon einige Zeit im Geschäft. Aber dem Torhüter ist nicht entgangen, dass sein alter Konkurrent Adler wieder ebenbürtig ist und sich mit starken Leistungen – vor allem in der Hinrunde – zurückgekämpft hat. Und nun wird Adler dafür auch noch mit einem Länderspiel belohnt. Jener Torhüter, der im März 2010 im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Südafrika das Duell um die Nummer eins gegen Neuer gewonnen hatte. Nur weil sich Adler dann aber verletzte, spielte Neuer bei der WM und ist seither im deutschen Tor gesetzt.

Knapp zweieinhalb Jahre später haben sich die Vorzeichen wieder geändert. Der alte Rivale ist zurück und damit erstmals auch ein Torhüter, der Neuer die Position ernsthaft streitig machen kann. Weder Marc-André ter Stegen noch Ron-Robert Zieler hatten zuletzt das Zeug dazu. Manuel Neuer hat das offenbar erkannt und verteidigt seine Position nun mit aller Macht. Vor allem auch verbal. Sportlich fällt es ihm derzeit ja schwer, sich zu beweisen. Er hat kaum etwas zu tun. Und die sieben Gegentore sprechen nicht nur für ihn, sondern auch für seine Feldspieler, die in dieser Saison sehr gut verteidigen.

Erinnerungen an das Duell zwischen Kahn und Lehmann

Man darf gespannt sein, wie Rene Adler in den Tagen von Paris auf Neuers Attacke reagieren wird. Gut möglich, dass Deutschland nun wieder ein Torwartduell hat, das es so zuletzt zwischen Jens Lehmann und Oliver Kahn im Vorfeld der WM 2006 gab. Die beiden ehemaligen Torhüter schenkten sich sportlich nichts und wussten sich auch verbal in Szene zu setzen.

Bundestrainer Löw hat nun auch wieder ein Torwartduell auf Augenhöhe. Was nicht schaden kann, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Löw selbst propagiert stets das Leistungsprinzip und lässt regelmäßig wissen, dass es bei ihm keine Erbhöfe gibt. Löw vertraut zwar einem bestimmten Spielerkreis, aber bei der Anzahl an guten Nationalspielern darf sich niemand sicher auch fühlen. Damit bleibt er seiner Linie treu. Selbst wenn das nicht jedem Nationalspieler passt.

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