01.02.13

Boxen

Kindisches Getue des Sturm-Gegners Soliman

Boxprofi Felix Sturm will wieder auf den WM-Thron. Dafür muss er heute Abend den Australier Sam Soliman schlagen. Der verblüffte mit einem recht merkwürdigen Psychospielchen.

Foto: dpa

Das sieht eher entspannt, als nach großer Show aus: Der Australier Sam Soliman (l.) und Felix Sturm beim offiziellen Wiegen in Düsseldorf
Das sieht eher entspannt, als nach großer Show aus: Der Australier Sam Soliman (l.) und Felix Sturm beim offiziellen Wiegen in Düsseldorf

Felix Sturm biegt auf die Zielgerade seiner Karriere ein. Noch etwa acht Kämpfe, so rechnet der Kölner Profiboxer großzügig, will er im Ring bestreiten. Spätestens dann beabsichtigt der seit Donnerstag 34 Jahre alte Mittelgewichtler, sich ausschließlich seinem momentanen Zweitjob als Promoter zu widmen. Ob es jedoch überhaupt acht Kämpfe werden, hängt vom Freitagabend (23.00 Uhr/Sat.1) ab.

Dann boxt Sturm in einem WM-Ausscheid im Düsseldorfer ISS-Dome gegen den Australier Sam Soliman. Gewinnt der selbstständige Geschäftsmann, darf er noch einmal gegen den australischen IBF-Weltmeister Daniel Geale antreten; verliert er, dürfte das Interesse an dem titellosen Deutschen allmählich erlahmen.

Die Niederlage gegen Geale am 1. September des Vorjahres hat Sturm in eine missliche Lage gebracht. Der Australier gewann umstritten nach Punkten, Sturm war seinen Strahlemanntitel WBA-Superchampion los. "Alle werden sich fragen: Wie habe ich das verkraftet?", fragt sich der Sohn bosnischer Einwanderer selbst und kommt zu dem Schluss: "Ich habe aus meinen Fehlern gelernt."

Ein Katz-und-Maus-Spiel

Jetzt also Soliman. Der Australier startete beim Wiegen am Donnerstag schon mal mit seinen Psychospielchen. Um 15.30 Uhr war das offizielle Wiegen angesetzt – Sturm war da, sein Gegner nicht. Der spielte lieber Katz-und-Maus und versteckte sich nach Informationen der "Bild" in seinem Hotel. Erst um 18 Uhr tauchte der Australier dann schließlich noch auf – und muckte auf. Er wolle sich nur wiegen lassen, so vermeldete "Bild", wenn er Einsicht in die Bluttests von Sturm bekäme.

Der Deutsche brachte später exakt das Höchstlimit von 72,5 Kilogramm auf die Waage. Der Australier wog ebenfalls 72,5 Kilogramm.

Sturm will in Düsseldorf zeigen, dass er "einer der besten oder der beste Mittelgewichtler der Welt" sei, wie er behauptet. Das technische Vermögen eines herausragenden Boxers hat er, nicht immer kann er das aber umsetzen. Einige Beobachter meinen gar, der Schützling von Vitali-Klitschko-Trainer Fritz Sdunek sei über den Berg.

Mit Soliman müsste der Ex-Champion jedoch keine Probleme haben. Der Australier ist eher ein Anti-Techniker, der bisweilen wild um sich schlägt und mit seinen 39 Jahren schon das Karriereende im Blick hat. Derzeit steht er an Nummer eins der IBF-Rangliste, wo er – streng genommen – nicht hingehört.

Sturm kann das egal sein. Mit einem Sieg über Soliman rückt er schließlich dessen Landsmann Geale auf die Pelle. "Es geht um alles", sagt Sturms Manager Roland Bebak, der natürlich Fernsehpartner und Geldgeber Sat.1 bei Laune halten will. Titelkämpfe garantieren hohe Einschaltquoten. Sturm ist sich sicher: "Ich werde bei Sat.1 meine Karriere beenden." So oder so.

Quelle: dpa/mh
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