01.02.13

Werder-Krise

Warum ein Sieg für Bremen Pflicht ist

Nach zwei Niederlagen zum Rückrundenauftakt steht Werder am Freitag gegen Hannover 96 unter Zugzwang. Die Unruhe ist groß: Ex-Chef Born wettert gegen das Krisenmanagement.

Foto: dpa

In Bremen überwiegt derzeit die Enttäuschung: Lukas Schmitz, Trainer Thomas Schaaf und Sebastian Proedl (v.li.) ist das anzusehen
In Bremen überwiegt derzeit die Enttäuschung: Lukas Schmitz, Trainer Thomas Schaaf und Sebastian Proedl (v.l.) ist das anzusehen

Für die Verantwortlichen von Werder Bremen wird es im Vorfeld der Partie gegen Hannover 96 am Freitag (20.30 Uhr) genauso spannend wie später im Spiel. Denn eine halbe Stunde vor dem Anpfiff wird Werders ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsführung, Jürgen L. Born, zu Gast beim übertragenden Fernsehsender Sky sein. Und Born könnte verbal für weitere Unruhe sorgen.

Schon nach dem 2:3 am vergangenen Sonntag beim Hamburger SV strafte der 72-Jährige in einem Interview das Team um Trainer Thomas Schaaf ab. Das Wort "Umbruch", sagte Born da, sei zuletzt überstrapaziert worden und würde der Mannschaft offenbar als Alibi für schlechte Leistungen dienen. "Dann geht vielleicht einer nach Hause und sagt seiner Frau: 'Du, heute können wir erst mal eine ordentliche Buddel Schnaps trinken, wir sind ja gerade im Umbruch'", sagte Born in Bezug auf die Situation beim Klub. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der damit einhergehenden Maßnahmen war zuletzt immer von einem Umbruch die Rede.

Die Reaktion von Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Fischer konterte verärgert, "dass ich mich auf dieses Niveau nicht herablasse und es schade ist, wenn ein ehemaliger Funktionär des Vereins so eine Form wählt". Außerdem, so Fischer, "sind wir ein Sportverein und keine Kneipe". Nun ist nicht nur Fischer gespannt, ob Born am Freitag ähnlich markige Worte wie am vorigen Sonntag für eine Analyse wählt.

Spieler machen es sich zu sehr bequem

Funktionäre, die sich über die Medien angiften, ein Trainer, der wegen seiner taktischen Mängel angezählt ist, und ein Team, das die Erwartungen nicht erfüllt – bei Werder herrscht Sturm. Und im Fahrwasser von Cheftrainer Thomas Schaaf, der für viele im Zentrum der Kritik steht, haben es sich die Spieler bislang recht bequem gemacht. Denn obwohl Werder in dieser Spielzeit die jüngste Mannschaft der Liga stellt, sind sieben Stammspieler seit Jahren Nationalkicker. Ihr komplettes Leistungsniveau rufen sie jedoch nur bedingt und insbesondere seit vergangenem Herbst viel zu selten ab.

Die gestandenen Auswahlspieler Sokratis (Griechenland), Sebastian Prödl (Österreich) sowie Theodor Gebre-Selassi (Tschechien) sollen die Defensive stabilisieren, aber sie verlieren zu viele Zweikämpfe und erlauben sich eklatante Schwächen im Stellungsspiel. Auch deshalb besitzen die Norddeutschen mit 37 Gegentoren die zweitschlechteste Defensive der Liga. Zusätzlich schaffen es die Mittelfeldstrategen Zlatko Junuzovic (Österreich) und Kevin de Bruyne (Belgien) nur selten, effektiv von Offensive auf Defensive umzuschalten. Zudem strahlen beide kaum Torgefahr aus.

Und von Bremens Außenstürmern Eljero Elia (links/Niederlande) sowie Marko Arnautovic (rechts/Österreich) überzeugt nur der Österreicher, der zumindest fünf Saisontreffer und ebenso viele Torvorlagen vorweisen kann. Wenn er sich nicht selbst aus dem Verkehr zieht, wie vergangenen Sonntag, als Arnautovic bei der Auswärtsniederlage gegen den Hamburger SV (2:3) eine Gelb-Rote Karte erhielt, weil er einen Schuss gegen den Schiedsrichter angetäuscht hatte.

Jan Delay als Stargast bei Werders Ballnacht

Der Niederländer Elia ist nach einem soliden Saisonstart nur noch ein Mitläufer. Er setzt keine Akzente und verliert nahezu jeden Zweikampf. Weil auch Torwart Sebastian Mielitz sowie Stürmer Nils Petersen schwankende Leistungen zeigen und selbst der 32 Jahre alte Kapitän Clemens Fritz, der gegen Hannover ebenfalls wegen einer Gelb-Rot-Sperre fehlt, im Mittelfeld keine Stabilität vermittelt, taumeln die Bremer der Abstiegszone entgegen.

Zwar wurmt die Profis diese Abwärtsspirale, aber den Lippenbekenntnissen folgen zu selten Taten. So befindet Kapitän Fritz seit Monaten, "dass wir immer an unser Limit gehen müssen, um erfolgreich zu sein". Und stets betont Angreifer Petersen, "dass wir einfach zu leicht Tore kassieren, weil wir den Gegner dazu einladen". Die Schwächen stellt die Mannschaft jedoch nicht ab, obwohl Schaaf seinem Personal in Videositzungen sowie auf dem Trainingsplatz lautstark die Mängelliste verdeutlicht.

Daher nimmt Geschäftsführer Klaus Filbry die Mannschaft in die Pflicht: "Ich sehe ein Team mit Potenzial, das es aber auch abrufen muss. Wir wissen, dass der Trainer kontinuierlich daran arbeitet." Schaaf selbst stellt sich vor dem Spiel gegen Hannover vor sein Team und appelliert an die Fans. "Wir brauchen Geduld." Dann, so Schaaf weiter, werde es auch wieder bessere Ergebnisse geben: "Die wichtigste Rechnung, die aus dem Hinspiel mit dem 2:3 gegen Hannover noch offen ist, haben wir mit uns selbst zu begleichen." Sollte dies gelingen, wäre auch die Stimmung beim Traditionsball "Grün-Weiße Nacht" am Samstagabend mit Stargast Jan Delay wohl eindeutig besser.

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