29.01.13

AC Mailand

Euphorie in Italien um die Heimkehr von Balotelli

Nach der Verpflichtung bricht die Homepage des AC Milan zusammen. Klubchef Berlusconi greift für den EM-Helden tief in die Tasche - dabei hatte er Balotelli kürzlich als "faulen Apfel" bezeichnet.

Foto: dpa

Enfant Terrible und Nationalheld: Mario Balotelli im Trikot der Squadra Azzurra. Künftig kickt er auch auf Klublevel wieder in der Heimat
Enfant Terrible und Nationalheld: Mario Balotelli im Trikot der Squadra Azzurra. Künftig kickt er auch auf Klublevel wieder in der Heimat

Seine spektakuläre Gladiatoren-Pose im EM-Halbfinale ging um die Welt – nun lässt Deutschland-Schreck Mario Balotelli wieder in seiner Heimat die Muskeln spielen. Der "Bad Boy" des italienischen Fußballs, ebenso legendär wie gefürchtet für seine Skandale und sein schrilles Auftreten, wechselt mit sofortiger Wirkung vom englischen Meister Manchester City zum AC Mailand.

Italienischen Medienangaben zufolge zahlt Milan eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro plus Boni in Höhe von drei Millionen Euro an ManCity. Balotelli erhalte ein Netto-Jahresgehalt von vier Millionen Euro plus Erfolgsprämien.

"Balotelli ist nun ein Spieler des AC Milan. Er unterschreibt einen Vertrag bis 2017", teilte Milan am Dienstag stolz auf seiner Internetseite mit – die Homepage brach nach der Nachricht unter dem Ansturm der Fans kurzzeitig zusammen.

"Willkommen Mariooooo!!!"

Sein künftiger Sturmpartner, Milans Shooting Star Stephan El Shaarawy, twitterte seine Ekstase über den Wechsel in die Welt: "Willkommen Mariooooo!!! Ich bin überglücklich über sein Kommen." Robinho, ein weiterer Angreifer, sagte: "Mario ist ein großartiger Spieler. Wir werden ihn allesamt mit offen Armen empfangen."

Balotelli (22) hatte die Italiener bereits bei der Europameisterschaft verzückt. Die deutsche Nationalmannschaft schaltete er am 28. Juni in Warschau beim 2:1 mit zwei Toren im Alleingang aus – nach dem zweiten Treffer riss er sich das Trikot vom Leib, dann wartete er in Muskelprotz-Pose auf seine Mitspieler, in seinen Augen funkelte es. Bei Facebook und Twitter kursierten in Windeseile Tausende Variationen: Balotelli im Weltall, Balotelli im Ballettröckchen, Balotelli im Schützengraben.

Feilschen bis zuletzt

Bald also gibt es Mario Balotelli, der einen tarnfarbenen Sportwagen fährt, in Rot und Schwarz zu sehen, den Farben des AC Mailand. Der Renommierklub, derzeit in der Serie A auf dem fünften Tabellenplatz, feierte nach den vielen Schlagzeilen um rassistische Beleidigungen gegen Kevin-Prince Boateng in einem Testpiel den Coup des Transferwinters. Bis zuletzt hatten ManCity, wo Balotelli nicht die erhoffte Rolle spielte (54 Spiele/20 Tore/3 Platzverweise), und Milan um die Ablöse gefeilscht.

Noch vor dem Jahreswechsel schien sich ein Wechsel zum Stadtrivalen seines ehemaligen Klubs Inter Mailand zerschlagen zu haben. "Es finden keine Verhandlungen statt. Wir können uns solche Transfers nicht mehr erlauben", hatte Klub-Eigentümer Silvio Berlusconi erklärt.

Balotelli und Berlusconi - Brüder im Geiste?

Zudem hatte der frühere Ministerpräsident den exzentrischen Stürmer noch vor drei Wochen als "faulen Apfel" bezeichnet, der den ganzen Korb verderben könne – er verwies damit auf eine Liste von Verfehlungen, die denen des Politikers in nichts nachsteht. In Manchester hatte Balotelli seinen unsteten Lebenswandel in beständigem Rhythmus der Öffentlichkeit präsentiert.

Der letzte Zwischenfall ereignete sich Anfang Januar, als er nach einem brutalen Foul an seinem Teamkollegen Scott Sinclair im Training mit Teammanager Roberto Mancini rangelte. Die Streithähne mussten von umstehenden Profis und Betreuern auseinandergerissen werden.

"Er wirft seine Qualität zum Fenster raus"

Von Mancini erhielt Balotelli einst auch eine Lektion fürs Leben. "Ich liebe Mario als Kerl und als Spieler, aber es ist wichtig für ihn, dass er beginnt, über seinen Job nachzudenken", sagte der Italiener nach einer lustlosen Vorstellung von Balotelli: "Es ist unglaublich, dass er seine Qualität zum Fenster rauswirft."

Denn Balotelli wandelt stets zwischen Genie und Wahnsinn, er fiel häufiger durch seine Skandale auf als durch seine ab und an zweifellos bestechenden Leistungen auf dem Rasen. Im Dezember zog er eine Klage gegen City zurück: Er wollte gegen eine Geldstrafe in Höhe von insgesamt 340.000 Pfund (rund 420.000 Euro) vorgehen, die ihm der Klub wegen diverser Spielsperren aufgebrummt hatte.

Prügelei mit Jerome Boateng

Einst prügelte er sich im Training mit dem deutschen Nationalspieler Jerome Boateng, dem Bruder seines künftigen Mitspierlers Kevin-Prince Boateng. Ein anderes Mal warf Balotelli Dartpfeile auf Jugendspieler der Citizens – aus Langeweile. Auf die Klatschseiten der englischen Boulevard-Presse schaffte es Balotelli auch durch seine Vorliebe für Zigaretten, Prostituierte und sündhaft teure Autos.

Legendär ist, wie er mit einer fünfstelligen Summe Bargeld von der Polizei gestoppt wurde. Warum er so viel Geld mit sich führe? "Because I'm rich!" Weil er reich ist.

Lineker wird ihn in England vermissen

Nach dem Gewinn der ersten Meisterschaft von Manchester City seit 1968 sorgte er zudem mit seiner ganz persönlichen Feier für Schlagzeilen: Er fackelte mit einem Feuerwerk sein Badezimmer ab.

In England müssen sie solche Eskapaden von "Mad Mario" künftig verzichten. Fußball-Legende Gary Lineker twitterte: "Ich muss sagen, ich denke, ich werde die Verrücktheit vermissen."

Quelle: sid/dpa/as/fh
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