29.01.13

Transfermarkt

Drogba freut sich auf sein abenteuerliches Gehalt

Vor Ende der Wechselfrist rüsten viele Klubs auf und zahlen unfassbare Gagen. Die Wechsel von Drogba, Sneijder, Lucas, Bastos und Taison zählen zu den spektakulärsten in diesem Winter.

Von Jens Bierschwale und Anja Schramm
Quelle: SID
29.01.13 0:44 min.
Schalkes Champions-League-Achtelfinalgegner Galatasaray Istanbul hat Didier Drogba verpflichtet. Der 34-jährige Ivorer bekommt einen Vertrag bis 2014 und erhält zehn Millionen Euro Gehalt.

Angesichts der unfassbaren Entlohnung ließ es sich der Star nicht nehmen, aus dem einige tausend Kilometer entfernten Rustenburg prompt seine wegweisende Botschaft an alle Fans von Galatasaray Istanbul zu übermitteln. Noch weilt Didier Drogba beim Afrika Cup, er will dort sein Team der Elfenbeinküste zum ersten Titelgewinn seit 21 Jahren führen.

Doch weitaus mehr Schlagzeilen als seine Auftritte auf dem Spielfeld in Südafrika produzierten die Begleitumstände seines spektakulären Wechsels. Bis zu Sommer 2014 hat Drogba beim Istanbuler Klub unterschrieben, er lässt sich die 17-monatige Dienstzeit mit rund zehn Millionen Euro bezahlen. Artig sagte der 34-Jährige also: "Das Angebot, für diesen großartigen Klub zu spielen, konnte ich einfach nicht ablehnen. Ich freue mich darauf, wieder in der Champions League zu spielen, gegen die besten Klubs in Europa."

Drogbas Diktion fügt sich passend in das branchenübliche Geplapper und Geklapper kurz vor Toresschluss. Da werden aus Durchschnittsklubs wie Galatasaray schnell mal Weltvereine, weil ja der seltsame Wechsel irgendwie begründet werden will. Drogba steht da als Paradebeispiel: Im Sommer hatte er mit dem FC Chelsea noch die Champions League gewonnen und war dann für eine üppige Gage zu Shanghai Shenhua nach China entfleucht.

Der Klub hatte zuvor schon Nicolas Anelka verpflichtet. Doch in China hielten es die einstigen Sturmkollegen nur kurz aus, Anelka schloss sich in der Winterpause Juventus Turin an, auch Drogba drängte es zurück nach Europa. Und weil nur Galatasaray bereit war, dem alternden Stürmer derart viel Geld zu zahlen, erhielt der türkische Klub eben kurzerhand den Zuschlag.

Drogbas Rückkehr gilt neben der Verpflichtung Mario Balotellis durch den AC Mailand einen Tag vor dem Schließen des Transferfensters in den meisten europäischen Spitzenklassen zweifellos als spektakulärster Wechsel. Auch beim FC Schalke 04 beobachten sie das Treiben von Galatasaray genau, der Klub ist im Achtelfinale der Champions League schließlich Gegner der Gelsenkirchener. "Ich kann es nicht erwarten, die Zuschauer des Klubs zu treffen. Es wird ein Abenteuer für mich", sagte Drogba.

Wesley Sneijder (Galatasaray Istanbul)

Wenn Drogba wissen will, was ihm in Istanbul bevorsteht, dann sollte er einen Anruf bei Wesley Sneijder tätigen. Er habe ja schon viel erlebt, sagt Sneijder. Die italienische Mentalität etwa, und die ist auch nicht von schlechten Eltern. Aber das, was er in den vergangenen Tagen in der Türkei mitgemacht habe, "das ist mit euphorisch noch unzureichend umschrieben".

Seit gut einer Woche ist Sneijder in Istanbul, als er ankam, musste die Polizei den Flughafen sichern, so viele Galatasaray-Fans wollten ihn sehen. Bengalos flogen, und als er sich mit dem Auto den Weg ins Trainingsgelände bahnte, da kletterten Anhänger auf den fahrenden PKW. "Ich bin überwältigt", sagte Sneijder danach. Denselben Duktus wählte er auch am vergangenen Sonntag. Derby in Istanbul, Galatasaray gegen Besiktas. Nach 58 Minuten kam Spielgestalter Sneijder zu seinem Debüt.

Für den einstigen Champions-League-Sieger und niederländischen Nationalmannschaftskapitän war es das erste Pflichtspiel seit vier Monaten. Was Sneijder in der Zwischenzeit bei seinem ehemaligen Klub Inter Mailand erlebt hat, lässt sich wohlwollend mit eigenwilliger Erziehungsmaßnahme oder auf gut Deutsch mit Erpressung umschreiben. Ende September hatte er sich verletzt, doch selbst als er wieder fit war, blieb Sneijder nur ein Platz auf der Bank oder gar auf der Tribüne.

Es ging nicht um sportliche Belange, es ging um seinen Vertrag. Der lief bis 2015, Inter wollte vorzeitig bis 2016 verlängern. Allerdings zu deutlich minimierten Bezügen. Die Sneijder-Seite lehnte brüskiert ab. Es folgte reichlich Gezeter, der Versuch der Versöhnung und nun der Verkauf. Für 7,5 Millionen Euro Ablöse ließen ihn die Mailänder ziehen. Eine klassische Win-win-Situation. Inter spart sein Gehalt, Sneijder darf wieder das tun, was er kann. Und Galatasaray hat einen neuen Helden.

Michel Bastos (Schalke 04)

Große Strahlkraft von einem Neuen erwarten sie auch beim FC Schalke 04. Außenbahnspezialist Michel Bastos verstärkt das Team bis zum Sommer 2014, die Schalker einigten sich Dienstagnachmittag mit Olympique Lyon. Rund 1,8 Millionen soll die Leihe kosten, für den Sommer 2013 und auch ein Jahr später hat sich Schalke eine Kaufoption gesichert.

Bastos ersetzt zwar nicht eins zu eins den zu Tottenham abgewanderten Lewis Holtby, aber seine Qualitäten können dem zuletzt darbenden Klub durchaus weiterhelfen. Bastos paart feine Technik mit Torgefahr, in 196 Spielen in der Ligue 1 erzielte er für Lyon und Lille 51 Tore und bereitete 30 Treffer vor. Vor drei Jahren ließ sich Lyon den Wechsel noch 18 Millionen Euro kosten, nun war der Brasilianer weitaus billiger zu haben. Die 1,75 Millionen Euro, die die Schalker für Holtby von Tottenham erhalten, können sie also direkt weiterreichen nach Frankreich.

Lucas (Paris St. Germain)

Dort freuen sie sich ohnehin schon über die neue Attraktion der Liga: Lucas Rodrigues Moura da Silva, kurz Lucas. Ursprünglich war der brasilianische Spielgestalter schon mit Manchester United einig gewesen, doch dann sagte ihm sein Landsmann Robinho, dass die englische Stadt nicht gerade aufregend sei.

Also zog Lucas das Angebot aus Paris vor. St. Germain, alimentiert von der Investorengruppe Qatar Sport Investment, ließ sich die Künste des 20-Jährigen immerhin 40 Millionen Euro kosten. Damit ist der Lucas-Wechsel der teuerste Transfer dieser Winterpause. Noch aber hat er nicht viel zurückgezahlt – in drei Einsätzen gelang ihm bisher nur eine Vorlage. Ausbaufähig.

Taison (Schachtjor Donezk)

Natürlich hatte das alles nichts damit zu tun, dass beide Klubs im Achtelfinale der Champions League aufeinandertreffen. Und dennoch war es ein hübscher Zufall. Am 11. Januar stellte Borussia Dortmund mit reichlich Tamtam und Pathos Rückkehrer Nuri Sahin vor. Zur selben Zeit 2500 Kilometer weiter östlich, in Donezk/Ukraine, ein ähnliches Zinnober. Schachtjor Donezk verkündete das Engagement von Taison Barcellos Freda (25).

Der nächste Brasilianer der ohnehin schon starken Brasilien-Fraktion. Genau genommen ist er Brasilianer Nummer neun in Donezk. Der Philosophie des Klubs funktioniert in etwa so: Für Defensivarbeiten sind Einheimische verantwortlich, das Kreative erledigen die Südamerikaner.

Nun kennt Taison die ukrainische Liga bestens, seit 2010 wirbelte er in der Offensive von Metalist Charkow. 57 Ligaspiele, 13 Tore, die festgeschriebene Ablöse von 15 Millionen Euro empfand Donezk-Eigner Rinat Achmetow gar als günstig. "Wir haben unseren Wunschspieler", hieß es von Seiten der Kluboberen.

Und Taison plauderte ganz brav: Er freue sich, dass er nun bei einem der stärksten Klubs der Welt spiele, und natürlich freue er sich auch schon auf die Champion League. Nuri Sahin sagte in Dortmund übrigens Ähnliches. Aber auch das war natürlich nur Zufall.

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