29.01.2013, 16:15

Prozess Fuentes verschweigt die Namen seiner Doping-Sportler

Kinderdienst: Bekannter spanischer Arzt vor Gericht

Foto: dapd

Kinderdienst: Bekannter spanischer Arzt vor Gericht Foto: dapd

Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes zeigt sich im Doping-Prozess wenig kooperativ. Die Namen der behandelten Sportler gibt er nicht preis.

Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes hat das Schweigen bezüglich der Namen seiner rund 200 Patienten auch am Dienstag vor Gericht nicht gebrochen. Dafür räumte der Mediziner im Prozess um die spektakulärste Dopingaffäre des Weltsports vor dem Juzgados de lo Penal de Madrid erstmals ein, über den Radsport hinaus auch in anderen Sportarten Blutdoping betrieben zu haben.

Das Geheimnis um rund 100 weitere Fuentes-Klienten über die Namen der 58 bekannten Radprofis hinaus will die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada nun mit Hilfe des spanischen Staates lüften.

Die Wada, die zudem auf klare Aussagen von Radsportler Tyler Hamilton hofft, der als geständiger Doper und Fuentes-Patient am Dienstag zusätzlich als Zeuge zugelassen wurde, fordert die Herausgabe der 2006 im Rahmen der "Operacion Puerto" bei Fuentes beschlagnahmten Blutbeutel. Sie lagern im Labor von Barcelona und können nur mit Zustimmung des spanischen Staates freigegeben werden. Frühestens am Freitag soll darüber eine Entscheidung fallen.

Computer gehört zu Fuentes Privatsphäre

Die Hoffnung der Wada, sie könne auch den beschlagnahmten Computer von Fuentes auswerten, machte bereits am Dienstag das Gericht zunichte. Dabei stieß die Begründung der Richterin auf Erstaunen: Hierdurch werde Fuentes Privatsphäre verletzt.

"Ich habe mit individuellen Sportlern aller Sparten gearbeitet", erklärte der 57 Jahre alte Gynäkologe bei der erst von Montag auf Dienstag verschobenenen und dann erneut mit drei Stunden Verspätung gestarteten Vernehmung.

Längst galt als gesichert, dass Fuentes in den Bereichen Tennis, Fußball, Leichtathletik und Schwimmen tätig war. Dies hatte er 2006 erst zugegeben, wenig später bestritten.

"Verstöße gegen die öffentliche Gesundheit"

Fuentes ist angeklagt wegen "Verstößen gegen die öffentliche Gesundheit". Als bei der Razzia 2006 durch die Guardia Civil umfangreiche Beweismittel gesichert wurden, gab es in Spanien noch kein Dopinggesetz.

Die Polizei hatte damals rund 200 Blutbeutel in gefrorenem und gekühltem Zustand sowie Utensilien zur Durchführung des Blutdopings bei Fuentes gefunden.

Namentlich bekannt wurden bisher nur die Namen von 58 Radsportlern. Sanktioniert wurden sechs, darunter der frühere Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, Jörg Jaksche, der Spanier Alejandro Valverde sowie die Italiener Ivan Basso, Michele Scarponi und Giampaolo Caruso, der später vom Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne freigesprochen wurde.

Fuentes verweigert sich

"Ich habe nicht die Absicht, Namen meiner Kunden und Patienten zu nennen. Für mich ist alles Vergangenheit", hatte Fuentes bereits am Montag im Gespräch mit der angesehenen französischen Zeitung Le Monde erklärt. Er machte angesichts des bis 22. März anberaumten Prozesses deutlich: "Spanien verschwendet viel Geld mit dem Verfahren gegen mich."

Gegen Fuentes und die vier Mitangeklagten José Ignacio Labarta, Manolo Saiz, Vicente Belda Vicelo und die als Ärztin tätige Fuentes-Schwester Yolanda hat die Staatsanwaltschaft Haft bis zu zwei Jahren, ein ähnlich langes Berufsverbot sowie Geldstrafen bis zu rund 16.000 Euro beantragt. Labarta und Belda gehörten zum spanischen Kelme-Team, Saiz war Sportdirektor bei Once und Liberty Seguros.

Laut Anklageschrift wurden im Zuge von Hausdurchsuchungen bei Fuentes und zwei Mitangeklagten in Madrid sowie Saragossa (Labarta) wichtige medizinische Beweismittel, hohe Geldbeträge sowie Rennkalender und Etappenpläne gefunden.

Bei der Festnahme von Manolo Saiz fanden die Behörden neben Medikamenten 42.224 Euro, 38.000 Schweizer Franken und 310 australische Dollar, bei der Verhaftung von Labarta in Saragossa 5300 Euro und bei José Luis Merino Batres wichtige Beweismittel.

Gegen den Fuentes-Assistenten war ebenfalls eine Anklage geplant, doch wurde diese wegen dessen Alzheimer-Erkrankung fallen gelassen. Auch Alfredo Cordova wurde nicht wie geplant angeklagt.

(SID/mim)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter