28.01.13

Real gegen Barcelona

Ronaldo und Messi sind bereit für das große Duell

Real-Stürmer Ronaldo schießt einen Hattrick in neun Minuten, Barcelonas Messis schlägt mit vier Treffern zurück. Nun können die beiden im Pokal-Halbfinale klären, wer aktuell der Bessere ist.

Von Jens Bierschwale
Foto: Getty

Die beiden Überfiguren des Weltfußballs treffen im Pokalhalbfinale aufeinander: Cristiano Ronaldo (l.) und Lionel Messi
Die beiden Überfiguren des Weltfußballs treffen im Pokalhalbfinale aufeinander: Cristiano Ronaldo (l.) und Lionel Messi

Vielleicht ist etwas Demut ganz angebracht. Zuletzt hat Cristiano Ronaldo ja mehrfach erfahren müssen, dass es dort eben doch einen noch besseren Fußballspieler auf diesem Planeten gibt, auch wenn das für den ausgewiesenen Egozentriker eine kaum hinzunehmende Erkenntnis ist. Bei der Wahl zum Weltfußballer hatte der Portugiese gegenüber Lionel Messi schon viermal das Nachsehen, und in der vergangenen Saison reichten selbst seine 46 Treffer in der Liga nicht zum Titel des Torschützenkönigs, weil eben der kleine Argentinier unfassbare 50 Treffer erzielt hatte.

Möglicherweise muss Ronaldo also schon geahnt haben, was da noch kommt nach seinem Arbeitsauftritt gegen den FC Getafe. Er hatte drei Treffer beigesteuert zum 4:0 von Real Madrid, und hinterher sagte er angesichts seines 20. Dreierpacks für die Königlichen: "Eine schöne Marke. Darüber bin ich sehr zufrieden, aber es ist auch mein Job, das zu tun und mein Bestes für diesen Verein zu geben. Ich will meinen eigenen Rekord toppen, besser als im vergangenen Jahr sein und versuchen, die ganze Zeit alles aus mir rauszuholen." Dumm nur, dass der große Kontrahent einige Stunden später nachzog und seinerseits wie zuletzt aus Ronaldos Sicht in unschöner Regelmäßigkeit den Stürmer von Real übertraf. Messi war beim 5:1 über CA Osasuna sogar viermal erfolgreich. Und weil beide Kontrahenten im Pokal-Clásico direkt aufeinander treffen, sind sie das große Thema in Spanien. "Duell der Giganten" titelten viele Tageszeitungen vor dem Halbfinalhinspiel am Mittwoch im Bernabéu-Stadion von Madrid.

Ronaldo erwartet "großartige Nacht"

Wie abgesprochen gaben die beiden beherrschenden Fußballspieler ihrer Zeit zu, dass sie gedanklich schon beim Klassiker gewesen seien. "Für uns war es wichtig, dass wir mit einem Sieg in das Spiel gegen Real gehen", sagte Messi nach dem Erfolg gegen Osasuna: "Wir haben gut gespielt, doch es war nicht einfach, weil alle schon mit den Gedanken in Madrid waren." Und Ronaldo orakelte: "Es ist ein wichtiges und schwieriges Spiel. Wir spielen gegen eines der härtesten Teams der Welt, es wird daher eine große Nacht." Da seine Mannschaft daheim antrete, hoffe er auf ein gutes Resultat. "Zwar werden uns einige wichtige Spieler fehlen, aber das soll keine Entschuldigung sein. Wir müssen gut spielen, denn wir wissen, dass Barça eine fantastische Mannschaft hat. Ich erwarte für uns eine großartige Nacht, wir freuen uns, diese Partie bestreiten zu dürfen."

Eine recht nette Botschaft, die möglicherweise auch der jüngeren Vergangenheit geschuldet ist. Bloß nicht den Gegner noch zusätzlich reizen, heißt die Devise. Schließlich reichen die Taten auf dem Feld schon aus, um Höchstleistungen beim anderen hervorzurufen. "Wer einen Messi herausfordert, muss wissen, dass er ein hohes Risiko eingeht", fasste die in Madrid verlegte Sportzeitung "AS" zusammen, obwohl sie derartige Kausalitäten bei Barcelona nachher bestritten. "Ich weiß nicht, ob Ronaldos Leistung Messi motiviert hat. Ich glaube, ihn muss überhaupt keiner motivieren", sagte Barça-Assistenztrainer Jordi Roura, der noch den krebserkrankten Tito Vilanova vertritt. "Mir gehen die Adjektive für ihn aus. Wenn man tagtäglich seine erstaunlichen Taten sieht, gewöhnt man sich daran. Wer aber zurückblickt, erkennt, was er aktuell leistet und dass er keine Grenzen hat."

In Zahlen ausgedrückt lesen sich Messis Arbeitsnachweise unfassbar und die von Ronaldo immerhin noch fabelhaft. In 21 Ligaspielen für Barcelona erzielte Messi 33 Tore, hinzu kommen drei Treffer im Pokal und fünf in der Champions League. Ronaldo kam in 20 Ligapartien auf 21 Tore, im Pokal war er viermal erfolgreich, in der Champions League erzielte er sechs Treffer. Zählt man die je zwei Treffer der beiden Offensivkünstler aus dem Supercup dazu, lautet das vorläufige Zwischenresultat 43:33 für Messi.

Wie im Hase-Igel-Spiel

Irgendwie erinnert die Bilanz an das alte Hase-Igel-Spiel. Was Ronaldo auch versucht – Messi ist schon da. Dabei muss der Weltfußballer anders als im Märchen aber nicht seine Frau als Unterstützung im Wettkampf aufbieten. In der volkstümlichen Erzählung versucht der Hase übrigens in 73 Anläufen, Herrn und Frau Igel im Wettlauf zu übertreffen, beim 74. Versuch bricht er erschöpft zusammen und stirbt.

Soviel Aufeinandertreffen wird es wohl glücklicherweise zwischen den beiden Überflieger ihrer Klubs nicht mehr geben. Denn inzwischen drohen die Superlative für das Duell der Giganten auszugehen. Messi etwa brachte es fertig, am Wochenende gleich zwei Rekorde zu brechen. Er traf im elften Ligaspiel in Folge und überbot damit die 16 Jahre alte Bestmarke des Brasilianers Ronaldo. Und freilich ist der 25-Jährige mit nun 202 Liga-Toren der jüngste Profi, der die Schallmauer von 200 Treffern durchbrechen konnte. Zum Vergleich: Real-Ikone Raul gelang jenes Kunststück erst mit knapp 31 Jahren.

Ronaldo (27) seinerseits unterbot durch seinen Hattrick zwischen der 62. und 71. Spielminute gegen Getafe seine eigene Bestmarke vom 22. Oktober 2011, als er innerhalb von 16 Minuten gegen Malaga dreimal getroffen hatte. Für einen Eintrag in die Geschichtsbücher reichte das aber noch nicht. David Villa benötigte vor sieben Jahren für seinen Hattrick im Trikot des FC Valencia ganze vier Minuten, auch Radamel Falcao (Atletico Madrid) war in dieser Saison schon schneller als Ronaldo, als er für seine drei Tore in Serie nur sieben Minuten benötigte. Immerhin mal nicht die Überfigur Messi vor ihm, mag sich Ronaldo gedacht haben.

Letzte Chance für "CR7"?

Für den Portugiesen ist der Pokal möglicherweise die einzige Chance auf einen Triumph in dieser Spielzeit. In der Liga hinkt Real dem FC Barcelona schon mit 15 Punkten Rückstand hinterher. In der Champions League werden die Königlichen im Achtelfinale von Manchester United herausgefordert. Doch ob gegen Barcelona der Coup gelingt, erscheint fraglich. Angel di Maria, Fabio Coentrao und Sergio Ramos fehlen gesperrt, Pepe ist ebenso wie Torwart Iker Casillas verletzt. So ruhen die Hoffnungen mal wieder auf "CR7", wie die Spezialbezeichnung von Ronaldo lautet. "Cristiano hat wieder einmal bewiesen, dass er ein wirklich großer Spieler ist. Das ist genau das, was unser Verein braucht", sagte Ramos. "Er infiziert den Rest der Mannschaft."

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