28.01.13

Gelb-Rot im Derby

Der Rückfall von Werders Problemkind Arnautovic

Der Platzverweis von Marko Arnautovic im Nordderby zeigt: Der Österreicher hat seine Emotionen noch immer nicht im Griff. Dabei schien es zuletzt so, als sei das Enfant terrible erwachsen geworden.

Foto: dpa
Hamburger SV - Werder Bremen
Er kann es nicht fassen: Arnautovic (l.) hat seine Emotionen im Nordderby nicht im Griff und sieht in der Nachspielzeit Gelb-Rot

Nach dem verlorenen Nordderby gegen den HSV fragen sich in Bremen wieder viele: Was ist nur los mit diesem Marko Arnautovic? Das Problemkind schien er in seiner dritten Saison für Werder endlich in der Bundesliga angekommen zu sein. Bis zur Nachspielzeit des Derbys, als er seinem Ruf als Enfant terrible wieder alle Ehre machte.

In der 91. Minute ging er beim Stand von 3:2 für den HSV an der Mittellinie übermotiviert in ein Kopfballduell mit Hamburgs Heiko Westermann. Mit dem Ellenbogen rammte er seinen Gegenspieler um. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer zückte die Gelbe Karte.

Der Frust über den Pfiff und die drohende Niederlage war Arnautovic anzumerken. Was er nun machte, lässt sich verschieden interpretieren: Zu sehen war, wie er sich neben den Ball stellte und zu einer Schussbewegung ausholte, während der Schiedsrichter am Ball vorbeilief.

Mitten in der Schussbewegung stoppte Arnautovic ab. Wollte der den Ball wegschlagen? Dann müsste man ihm zugute halten, dass er rechtzeitig die Beherrschung wiederfand. Oder deutete er gar bewusst einen Schiedsrichter-Abschuss an? So interpretierte es offenbar Kinhöfer. Der Unparteiische zeigte dem Österreicher Gelb-Rot – wegen unsportlichen Verhaltens.

Diese Entscheidung brachte Bremens Stürmer Nils Petersen richtig in Rage: "Der Schiri hat nur darauf gewartet, dass er jemanden runterstellen kann. Das war dann die passende Situation", schimpfte er. Teamkamerad Zlatko Junuzovic fand die Gelb-Rote Karte schlicht "lächerlich".

Auch Trainer Thomas Schaaf musste sich offenbar sehr zurückhalten, als er ankündigte, die Gelben Karten nicht kommentieren zu wollen. Dennoch muss Arnautovic sich den Vorwurf gefallen lassen, sich ungeschickt verhalten zu haben. Werders Torwart Sebastian Mielitz fand dann auch deutliche Worte für das Verhalten seines Mitspielers: "Man muss seine Gefühle unter Kontrolle haben."

Talentiert, aber manchmal kindisch

Seine Gefühle zu kontrollieren, galt bislang nicht als die größte Stärke Arnautovics. Als er Anfang 2010 noch im Kader von Inter Mailand stand, attestierte ihm sein Trainer Jose Mourinho, er habe "die Einstellung eines Kindes". In Bremen fiel er unter anderem dadurch auf, dass er einem Journalisten vor die Füße spuckte oder sich in einer Diskothek geprügelt haben soll. In Österreich beleidigte er im Sommer 2012 bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten: "Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen."

Zuletzt wirkte der 23-Jährige jedoch erwachsener. Im vergangenen Juli wurde er Vater einer Tochter. In der Hinrunde fiel der talentierte Rechtsaußen vor allem durch gute Leistungen auf, schoss fünf Tore und bereitete fünf weitere vor. "Seine Entwicklung ist sehr, sehr positiv", lobte sein Trainer Schaaf ihn noch im Dezember. Arnautovic selbst gelobte: "Diese dummen Sachen, diese Skandale passieren mir nicht mehr."

Wie der Sonntag gezeigt hat, ist Arnautovics Entwicklung zu einem gereiften Spieler offenbar noch lange nicht abgeschlossen. Das ist für Werder keine gute Nachricht. Denn wenn der Klub den internationalen Wettbewerb verpasst – und danach sieht es nach der Niederlage gegen den HSV aus – wird er wohl einige Leistungsträger verkaufen müssen, um nicht in finanzielle Schieflage zu geraten.

Ein Kandidat wäre dann Arnautovic, dessen Marktwert laut transfermarkt.de derzeit auf acht Millionen Euro geschätzt wird. Geld, das Werder gut gebrauchen könnte. Doch mit jedem weiteren Aussetzer dürfte sein Marktwert sinken.

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