27.01.13

Ski alpin

Felix Neureuther – Mit Spaß auf Erfolgskurs

Rechtzeitig vor der WM ist Felix Neureuther in Topform. Beim Slalom in Kitzbühel rast er auf Platz zwei und wähnt sich derart gereift, dass er sich endlich wirklich bereit fühlt für Großtaten.

Foto: Getty Images

Felix Neureuther zelebriert seinen zweiten Platz beim Traditions-Slalom in Kitzbühel
Felix Neureuther zelebriert seinen zweiten Platz beim Traditions-Slalom in Kitzbühel

Sich selber zu überraschen, das zählt im Leben eines Profisportlers zu den angenehmsten Momenten. Natürlich hatte Felix Neureuther (28) den Slalom in Kitzbühel vor drei Jahren schon einmal gewonnen, und diesen Winter ist der deutsche Skirennläufer so konstant flott unterwegs wie nie zuvor.

Doch für Kitzbühel 2013, sagt er, "war die Erwartungshaltung deswegen sehr gestiegen. Es war eine echte Generalprobe, auch vom Rummel her. Diesem Druck habe ich erstaunlich gut standgehalten. Ich bin echt locker geblieben. Das stimmt mich positiv für die WM."

Im letzten Slalomrennen vor dem Saisonhöhepunkt in Schladming (4. bis 17. Februar) wurde Neureuther am Sonntag vor dem Kroaten Ivica Kostelic und hinter Marcel Hirscher Zweiter. Von seinem Kumpel aus Österreich will er künftig noch mehr lernen: "Diese Aggressivität, dieser unbändige Siegeswille, den Marcel an den Tag legt, der hat mir heute gefehlt", sagte Neureuther. "Sich mit einem zweiten Platz nicht zufrieden zu geben, sich immer mehr zu pushen, daran muss ich im Training arbeiten."

Wäre da nicht der wie auf Schienen zu Tal rauschende Hirscher, Felix Neureuther könnte an dessen Stelle gut und gern die Slalom-Weltcupwertung anführen. Dort liegt er mit deutlichem Vorsprung auf den Schweden Andre Myhrer (204 Punkte) und 134 Zählern Rückstand auf Hirscher auf Platz zwei. Dass er nebenbei Vierter der Gesamtweltcupwertung ist, amüsiert Neureuther indes mehr als dass es ihn interessiert.

Vom Riesentalent zum Sieganwärter

Gemausert hat sich der Sieger des Weltcups von Wengen vor einer Woche sichtlich: vom großen Talent zu einem echten Sieganwärter selbst unter kniffligsten Bedingungen wie am extrem eisigen Ganslernhang. Und zum Anführer eine erfolgreichen deutschen Technikergruppe, die dem Deutschen Skiverband (DSV) nachhaltig Freude bereitet.

Nun ist es nicht so, als würde sich die Menge teilen, wenn eine hellblaue Bogner-Jacke vorm Starthaus um die Ecke biegt, aber Anerkennung aus den anderen Nationen verspüren sie im DSV dann schon. "Eine große sogar", sagt Fritz Dopfer, Sonntag in Kitzbühel hervorragender Siebter, "denn die wissen, welche Arbeit bei uns dahintersteckt."

Dass sich diese Arbeit nicht wie Maloche anfühlt, dafür sorgt die gute Stimmung im Team. Dopfer sagt: "Unsere Trainer geben die Richtung vor. Sie geben vollen Einsatz – und das münzt sich auf uns um." Felix Neureuther findet: "Es ist schön, dass wir wieder eine richtige, große Mannschaft haben. Speziell für mich. So muss ich zum Beispiel in der Vorbereitung nicht allein vier Wochen nach Neuseeland reisen. Die Truppe momentan, das sind einfach alles positiv Verrückte."

Dazu zählen neben ihm und Dopfer u.a. noch der hochtalentierte Stefan Luitz (20) und Dominik Stehle (26), die Sonntag allerdings mit hohen Startnummern an dem Unterfangen scheiterten, den zweiten Durchgang zu erreichen.

"Jetzt lösen sich viele Verkrampfungen"

Was die DSV-Torläufer in Schladming zu leisten imstande sind? Cheftrainer Karlheinz Waibel sagt: "Favoriten sind andere. Aber wir wollen in den technischen Disziplinen zumindest mitreden um die Medaillenvergabe." Was er von seinen Burschen höre, stimme ihn positiv – "dass sie nämlich Spaß haben". Im Gegensatz zu den Speedfahrern um Stephan Keppler, der in der Abfahrt am Samstag beim Überraschungssieg des Italieners Dominik Paris den mauen Platz 28 belegte.

Spaß scheint derzeit auch Felix Neureuthers Treibstoff zu sein. In sieben Slalomrennen fuhr er vier Podestplatzierungen ein, lag nie schlechter als auf Rang sieben, feierte einen Sieg, überraschte obendrein mit einer blendenden Riesenslalombilanz und – ebenso wichtig – brachte alle seine Läufe ins Ziel. Solch eine Konstanz genoss Neureuther junior noch nie.

"Es gab Punkte in meiner Karriere, an denen ich mich nach großen Niederlagen wieder zurückgekämpft habe. Jetzt lösen sich viele Verkrampfungen", sagt er, "die Lockerheit überwiegt."

Früher habe er oft proklamiert, aus den Pleiten gestärkt herauszugehen. "Doch das war nicht immer ehrlich gemeint", gibt Neureuther zu. Mit demnächst 29 Jahren wähnt sich der kernige Bayer nun seriös reif für echte Großtaten. "Die WM fängt wieder bei Null an. Von der ganzen Körpersprache her werde ich das Ganze ein bisschen spritziger angehen", verkündete er angriffslustig.

Zunächst gleichwohl starten Neureuther und Dopfer zu einem strapaziösen Kurztrip nach Russland. In Moskau lässt der Ski-Weltverband Dienstag die zwölf besten Slalomfahrer sowie die vier Erstplatzierten der Gesamtweltcupwertung zu einer Parallelslalom-Gaudi antreten, wie sie am Neujahrstag schon in München ausgetragen wurde. Der mit 100 Weltcuppunkten entlohnte Gewinner vor knapp vier Wochen hieß: Felix Neureuther. Kein Wunder, dass er im Gegensatz zu vielen Konkurrenten sagt: "Klar ist es stressig – aber ich finde das ein cooles Event."

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