27.01.13

Bayern München

Die neuen Prioritäten des Mehmet Scholl

Fans des ARD-Experten Mehmet Scholl können sich auf weitere lustige Sprüche freuen. Für sein Fernsehengagement gibt der 42-Jährige seinen Job als Trainer der zweiten Bayern-Mannschaft auf.

Foto: dpa

Mehmet Scholl legt sein Traineramt beim FC Bayern am Saisonende im Sommer nieder
Mehmet Scholl legt sein Traineramt beim FC Bayern am Saisonende im Sommer nieder

In Belek zeigte er noch Engagement wie eh und je. Mehmet Scholl, der Trainer der zweiten Mannschaft von Bayern München, verfolgte das Testspiel seiner Regionalliga-Schützlinge gegen Hertha BSC am vergangenen Dienstag konzentriert, redete viel mit seinen Spielern und – ganz Übungsleiter eben – echauffierte sich, wenn die Seinen nicht in der Lage waren, das Antrainierte auf dem Platz auch umzusetzen.

Nur nach dem 2:2 gegen den Berliner Zweitligisten gab er sich eher einsilbig. Für einen Scholl ein ungewohnter Auftritt. "Ich sage nichts" war der Einzige, was die wissbegierigen Journalisten von dem 42-Jährigen zu hören bekamen. Selbst ein Kamerateam der ARD, für die Scholl als Experte bei Länderspielen unterwegs ist, ließ der ehemalige Fußballprofi stehen.

Inzwischen ist auch nachvollziehbar, warum Scholl sich an der türkischen Riviera derart zugeknöpft gegenüber der Öffentlichkeit verhalten hat. Denn schon zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass er seine Trainertätigkeit zum Ende der laufenden Saison beenden wird und nicht erst im Jahr 2014.

Bis dahin lief sein Vertrag beim deutschen Rekordmeister. "Ich habe meinen Entschluss schon vor zwei Wochen unserem Präsidenten Uli Hoeneß mitgeteilt", sagte der 42-Jährige der "Süddeutschen Zeitung". Und fügte hinzu: "Ich bleibe Trainer, aber jetzt werde ich auf jeden Fall meinen TV-Vertrag bis 2014 erfüllen."

Als Grund für den Abschied nannte der einstige Bayern-Profi seine Arbeit als TV-Experte bei der ARD. "Diesen Interessenkonflikt habe ich völlig falsch eingeschätzt", erklärte Scholl: "Damit ist keinem gedient, dem FC Bayern nicht und auch nicht mir", sagte Scholl. Damit zog Scholl auch die Konsequenzen aus der Kritik, die Karl-Heinz Rummenigge an ihm geübt hatte. Der Bayern-Vorstandschef hatte Scholl für dessen Fernsehkritik bei Länderspielen an den Bayern-Spielern Mario Gomez oder Thomas Müller gerügt.

"Ich hatte Angst, dass er sich wund liegt"

Vor allem der Satz zu Mario Gomez nach dem 1:0-Auftaktsieg des deutschen Teams gegen Portugal bei der Europameisterschaft 2012 ist in Erinnerung geblieben. Scholl hatte seinerseits beanstandet, dass Siegtorschütze Gomez sich zu wenig bewegen würde und alles mit dem Satz garniert: "Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss." Rummenigge hatte Scholl daraufhin geraten, sich für einen Posten zu entscheiden, den des Bayern-Trainers oder den des Fernsehexperten. Diese Entscheidung hat Scholl nun getroffen.

Dass der "Scholli", wie er wegen seiner Lausbubenart während seiner Profikarriere getauft wurde, sich gegen eine Fortsetzung seiner Arbeit beim FC Bayern entschieden hat, überrascht dennoch ein wenig. Denn wenn im Sommer Pep Gurdiola die Geschicke in München übernehmen wird, hätte Scholl an der Seite des neuen Coaches reifen können. Er hätte damit den gleichen Weg einschlagen können, den auch Guardiola selbst beim FC Barcelona gegangen ist: erst Spieler, dann Nachwuchscoach und schließlich Cheftrainer.

Und die Arbeit, die Scholl abliefert, ist so schlecht nicht. Auf Rang vier der Regionalliga Bayern liegt sein Team, stellt mit 19 Gegentoren die beste Abwehr der Liga – dem als Spieler so offensiven Scholl ist die Defensive sehr wichtig. "Es ist völlig klar, dass wir aus dieser Liga raus wollen", ließ er wissen.

Humor als Markenzeichen

Scholl weiß zudem die Mischung aus aufstrebenden Talenten und erfahrenen Akteuren zu nehmen. Talenten wie Junioren-Nationalstürmer Patrick Weihrauch (18) oder auch dem erst 17-jährigen Dänen Pierre-Emile Hojbjerg, die neben Kapitän Stefan Buck (32) um Punkte kämpfen. Und er nimmt, ganz seinem Naturell entsprechend, auch kein Blatt vor den Mund.

Als ein Reporter ihn einmal fragte, warum Youngster Weihrauch nicht gespielt hat, sagte Scholl nur: "Der hat bei der Nationalmannschaft eine Woche nur rum gelegen. Der hat die Couch noch auf dem Rücken gehabt." Scholls Sprüche, sein Humor haben ihn schon als Spieler immer ausgemacht. So ist es jetzt auch als Trainer.

Als seine Hauptaufgabe sieht er es an, den Talenten den Feinschliff für den Sprung in den Profibereich zu verpassen. Hojbjerg schaffte es schon jetzt in den erweiterten Kader des Bundesliga-Spitzenreiters. Wie ist es, seinen Trainer bei Länderspielen als Experte im Fernsehen zu sehen, wurde der Mittelfeldspieler gefragt? Ist Scholl da anders als bei der Mannschaft? Hojbjerg lachte: "Ein bisschen komisch ist es schon, den Trainer da zu sehen. Ich finde, er macht es gut, er ist sehr authentisch." Ab Sommer wird er Scholl nur noch im Fernsehen bewundern dürfen.

Quelle: jwo/fär
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