27.01.13

Bayern-Stürmer Gomez

"Ich weiß, dass ich ein wichtiger Spieler bin"

Noch muss sich Mario Gomez bei den Bayern mit der Reservistenrolle begnügen. Auch beim Spiel in Stuttgart sitzt er zunächst auf der Bank. Im Interview spricht er über seine Position und seine Ziele.

Foto: HUGO BOSS

Bayern-Stürmer Mario Gomez überzeugt nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch als Werbefigur
Bayern-Stürmer Mario Gomez überzeugt nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch als Werbefigur

Bei Mario Gomez, 27, geht es immer um mehr als Fußball. In den vergangenen Tagen sprachen die Fans zunächst über die Schuhe, die der Stürmerstar des FC Bayern im Training trug. Weil sein Vertrag mit seinem Privatausrüster beendet ist, testet er nun Modelle anderer Hersteller.

Danach ging es um sein Liebesleben: In München wird spekuliert, ob das Model Carina Wanzung seine neue Freundin ist. Das Leben des Nationalspielers fasziniert die Menschen offensichtlich. Gomez kommt nach dem Training entspannt und mit Wollmütze zum Gespräch in der Vereinszentrale an der Säbener Straße.

Die Welt: Herr Gomez, Pep Guardiola ist ab Sommer Ihr neuer Trainer, und die ganze Bundesliga staunt und spricht darüber. Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit?

Mario Gomez: Wir freuen uns auf Pep Guardiola. Er ist ein toller Trainer, der perfekt zu Bayern München und der Mannschaft passt.

Berliner Morgenpost: Für den aktuellen Trainer Jupp Heynckes ist es die letzte Rückrunde seiner Karriere. Er will sich mit Titeln verabschieden und sagt, er spüre auch in der Mannschaft großen Erfolgshunger.

Gomez: Was er damit meint, ist, dass wir nicht elf hungrige Spieler haben, sondern alle. Das macht uns in dieser Saison so stark. Wir haben einen sehr breiten Kader mit Topspielern. Jeder will unbedingt den Erfolg und stellt die Mannschaft in den Vordergrund.

Die Welt: Und nimmt zur Not einen Platz auf der Bank in Kauf? Der Konkurrenzkampf ist groß, gerade im Sturm: Gomez, Mario Mandzukic, Claudio Pizarro. Beim Rückrundenauftakt gegen Greuther Fürth (2:0) entschied sich Ihr Trainer für Mandzukic, der zwei Tore erzielte.

Gomez: Beim FC Bayern ist keiner mit einem Bankplatz zufrieden, sonst wäre er nicht hier. Wir wissen aber alle, dass wir unsere gemeinsamen Ziele nicht aus den Augen verlieren dürfen, erst recht nicht wegen persönlicher Eitelkeiten. Der Trainer trifft die Entscheidung, und der hat sich jeder zu beugen. Keiner nimmt sich zu wichtig.

Die Welt: Was machen Sie, falls Sie erneut auf die Bank müssten?

Gomez: Im Training Vollgas geben. Der Trainer hat in der Vorrunde über zwanzig Spieler eingesetzt. Wir werden in der Rückrunde jeden brauchen, da muss jeder auf den Punkt da sein. Keiner darf sich hängen lassen, nur weil er mal nicht von Beginn an spielt. Ich lese manchmal Fragen wie: "Ist der Kader ein Pulverfass? Gibt es bald Streit, weil manche nicht spielen?" Wir Spieler müssen alle Diskussionen, die rund um den Verein geführt werden, ausblenden. Wir müssen uns auf das besinnen, was der Trainer verlangt. Und was wir von uns verlangen.

Die Welt: Der FC Bayern hat einen großen Vorsprung auf Borussia Dortmund. Haben Ihnen schon viele Menschen zur Meisterschaft gratuliert?

Gomez: Das nicht. Viele sprechen mich an und sagen: "Super Saison bislang! Zieht so durch und ihr werdet Meister." Daran sehe ich, dass wir den Menschen in der Vorrunde sehr viel Spaß bereitet haben.

Die Welt: Ihr Klubchef Karl-Heinz Rummenigge sagte vor Kurzem: "Jetzt geht die Saison erst richtig los."

Gomez: Jetzt geht es um die Wurst, wie man so schön sagt. In der Hinrunde und in den kommenden Wochen müssen wir die Basis für eine erfolgreiche Saison legen. Denn im vergangenen Jahr waren wir auch Herbstmeister und haben alles verspielt. Das wollen wir dieses Jahr anders machen. Wenn wir unsere Qualität ausspielen, wird uns keiner mehr die Meisterschaft nehmen können.

Die Welt: Wie groß ist die Gefahr, dass die Mannschaft zu selbstsicher spielt?

Gomez: Ich habe im Training und in Spielen keinerlei Anzeichen bemerkt und sehe diese Gefahr nicht. Dafür waren die vergangenen zwei Jahre ohne Titel zu hart, für alle im Verein. Spätestens seitdem weiß jeder, dass es uns nichts hilft, von den Namen her die beste Mannschaft zu haben. Wir müssen es auf dem Spielfeld zeigen.

Die Welt: In der Hinrunde fielen Sie wegen einer Operation lange aus. Spüren Sie, dass Sie unter Beobachtung stehen?

Gomez: Ich stehe schon immer unter extremer Beobachtung. Daran habe ich mich gewöhnt, das ist kein Problem. Ich muss nichts erzwingen oder beweisen. Ich weiß, dass ich ein wichtiger Spieler für die Mannschaft bin, und werde in der Rückrunde alles zur Verfügung stellen, was ich habe. Ich bin nicht so naiv und sage: "Ich spiele bis Saisonende in jeder Partie von Anfang an." Die Mannschaft, die in der Hinrunde überzeugt hat, hat es auch verdient, erst mal so zu spielen. Aber natürlich will ich so viel wie möglich spielen.

Die Welt: Sie vermitteln manchmal den Eindruck, als könnten Sie über die öffentlichen Diskussionen um Konkurrenzkampf und Ihre Person nur noch schmunzeln.

Gomez: Fußball ist mittlerweile ein Showgeschäft. Ich habe schon beide Seiten erlebt, die ganz positive und ganz negative. Das ging sicher auch ein paar anderen Spielern so, aber so extrem wie bei mir ist es nicht bei vielen. Bei mir als Stürmer gibt es oft nur Schwarz oder Weiß. Inzwischen kann ich das einschätzen. Für mich ist wichtig, was der Trainer von mir verlangt. Und was ich von mir verlange.

Die Welt: Im Viertelfinale des DFB-Pokals spielen Sie im Februar gegen Borussia Dortmund.

Gomez: Daran denken wir noch nicht. Dafür stehen vorher zu viele wichtige Spiele in der Bundesliga an.

Die Welt: Viele nennen das Duell "El Clásico" des deutschen Fußballs. Sie haben spanische Wurzeln – ist der Vergleich angemessen?

Gomez: Dortmund hat vielleicht noch ein anderes Anspruchsdenken als wir. Mit "El Clásico" möchte ich es daher nicht vergleichen. Aber klar: Es ist das größte Prestigeduell in Deutschland. Dieses Duell wird die Menschen in unserem Land in den nächsten Jahren am meisten elektrisieren.

Die Welt: Wegen des Guardiola-Transfers wird in München derzeit noch mehr über den FC Barcelona gesprochen. Was kann sich der FC Bayern von dort abschauen?

Gomez: Wir haben so viel Qualität und mittlerweile unseren eigenen Stil, wir müssen niemanden kopieren. Natürlich schauen wir uns die Spiele von Barcelona an und erkennen die Stärken der Mannschaft. Aber wir kopieren sie nicht. Wir sind Bayern.

Die Welt: Nervt es nicht manchmal, dass der Sportvorstand Matthias Sammer die Mannschaft öffentlich kritisiert, auch wenn sie gewinnt?

Gomez: Das passiert ja nicht jede Woche, es war nur nach dem Spiel in Bremen so. Matthias Sammer hat eben den unbändigen Willen, Meister zu werden. Dafür tut er alles. Das ist auch seine Aufgabe. Ich habe gerade ein Interview mit Lionel Messi gelesen. Er sagte, er müsse sich verbessern. Das finde ich wahnsinnig interessant und sympathisch. Er ist der beste Spieler unseres Planeten. Wenn er sich verbessern muss, müssen wir alle es auch.

Die Welt: Ihr Präsident Uli Hoeneß sagte im Sommer: "Gomez ist gut. Wäre er sehr gut, hätten wir die Champions League gewonnen." War seine Intention die, Sie anzustacheln?

Gomez: Er ist ein Förderer von mir und will, dass ich mich stetig verbessere.

Die Welt: Sie waren kürzlich gemeinsam essen.

Gomez: Ja, aber wir haben in all meinen Jahren beim FC Bayern immer Kontakt. Es war also nicht so, dass es nur das Essen gab und wir sonst getrennte Wege gehen. Wir tauschen uns öfter aus.

Die Welt: Haben Sie auch mit Mehmet Scholl gesprochen? Er sorgte bei der EM für Aufregung, als er sagte, Sie könnten sich auf dem Feld wund liegen.

Gomez: Das ist Vergangenheit. Ich weiß Dinge gut einzuschätzen. Deshalb sage ich dazu nichts mehr.

Die Welt: Nach dem EM-Aus gab es Kritik an der Einstellung und Qualität der deutschen Mannschaft. Was gilt es zu verbessern?

Gomez: Es ist nicht meine Aufgabe, das öffentlich zu analysieren. Der Bundestrainer wird die Marschroute vorgeben.

Die Welt: Mit Mario Götze und Marco Reus haben sich junge Mittelfeldspieler in die Nationalelf gespielt. Im Sturm hingegen hat es länger kein Talent in die Auswahl geschafft.

Gomez: Abwarten. In den nächsten Jahren ist vielleicht mal wieder ein super Stürmer dabei. Mit Miroslav Klose und mir ist die Position derzeit ohnehin doppelt besetzt.

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