27.01.13

Vendée Globe

"Die letzte, größte Herausforderung der Menschheit"

Der Brite Alex Thomson wird in den kommenden Tagen die gefährlichste Segelregatta beenden. Allein segelte er einmal um die Welt, riskierte dabei sein Leben. Trotzdem liebt er seinen Sport über alles.

Von Jens Hungermann
Foto: Lloyd Images
Seit dem 10. November ist Alex Thomson unterwegs auf den Weltmeeren. Die Vendée Globe ist die härteste Regatta der Welt und führt die Segler von Frankreich über Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas, das Kap der Guten Hoffnungen zurück zum Startort Les Sables d’Olonne.
Seit dem 10. November ist Alex Thomson unterwegs auf den Weltmeeren. Die Vendée Globe ist die härteste Regatta der Welt und führt die Segler von Frankreich über Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas, das Kap der Guten Hoffnungen zurück zum Startort Les Sables d'Olonne.

Seit dem 10. November ist Alex Thomson (38) nun schon unterwegs auf den Weltmeeren, allein an Bord seiner Hightechjacht "Hugo Boss". Die Einhandseglerregatta Vendee Globe "ist eine der letzten großen Herausforderungen der Menschheit", findet der Brite. Die Segler passieren dabei sowohl das Kap Hoorn als auch das Kap der Guten Hoffnung. Zum dritten Mal nimmt Thomson an dem spektakulären Solorennen teil, zum ersten Mal wird er es in den nächsten Tagen wohl beenden können. Mit seiner Ankunft wird am Dienstag gerechnet.

Der Führende Francois Gabart ist am Sonntag als Erster im Start- und Zielort Les Sables d'Olonne angekommen, beobachtet von bis zu 500.000 Schaulustigen. Alex Thomson wird voraussichtlich als Dritter ins Ziel kommen. Er profitierte von einem Defekt des vor ihm liegenden Jean-Pierre Dick. "Ich bin geschockt, und es tut mir bitter leid, dass JP Dick seinen Kiel verloren hat. Nicht fair für einen, der ein so tolles Rennen gefahren ist", twitterte er. Per Satellitentelefon gab er der "Welt" ein Interview.

Die Welt: Wie läuft's bei Ihnen, Alex?

Alex Thomson: Es war ein gutes Rennen bislang. Ich habe gerade eine Flaute hinter mich gebracht. Aber danach wurde es wieder besser. Kann mich nicht beschweren.

Die Welt: Was ist Ihre größte Herausforderung gewesen in den vergangenen Wochen? Die psychische Seite – oder die physische?

Thomson: Naja, kommt darauf an. Man ist allein auf sich gestellt. Die physische Herausforderung ist auf jeden Fall enorm. An Bord habe ich niemanden, der mir etwas abnehmen kann. Mental ist das auch so eine Sache. Man ist sehr einsam, verlässt seine Jacht über Wochen nicht ein einiges Mal. Dazu kommt die ständige Anspannung.

Die Welt: Wie gehen Sie mit der Einsamkeit um?

Thomson: Hm, tja. Es gibt ja nicht viel, was ich daran ändern kann. Irgendwann wird sie normal. Man gewöhnt sich dran. Klar fühle ich mich manchmal sehr einsam. Aber sind wir ehrlich: Auch einer großen Masse Menschen können wir uns einsam fühlen, oder? Ich habe ein Telefon, spreche mit meiner Familie, wenn ich möchte. Es geht also.

Die Welt: Beschreiben Sie doch bitte mal Ihre tägliche Routine an Bord Ihrer Jacht!

Thomson: Ich schlafe. Ich esse. Und ich arbeite. Das ist eigentlich schon alles. (lacht) Über die 24 Stunden eines Tages schlafe ich alle zweieinhalb bis vier Stunden für 20 bis 40 Minuten.

Die Welt: Wie viele Prozent Ihrer Reise genießen Sie und wie viele nicht?

Thomson: Hm, schwierige Frage. Der allergrößte Teil ist angenehm. Sonst würde ich es ja nicht machen. Ich sehe es als eine Art Job. Viele Leute hassen ihre Arbeit – ich nicht. Die meiste Zeit ist mein Job klasse – und an einigen Tagen verfluchte Scheiße (lacht). Aber auch dann muss es ja weiter gehen.

Die Welt: Was haben Sie am meisten vermisst in den zurückliegenden Wochen?

Thomson: Meine Familie. Ich habe einen dreijährigen Sohn. Der wächst so schnell auf! Meine Frau Kate schickt mir Bilder von ihm. Die beiden vermisse ich am meisten.

Die Welt: Die große Frage, die bei der Vendée Globe über allem steht, ist: Warum? Warum tut sich einer so etwas an?

Thomson: Es ist eine Herausforderung. Aus meiner Sicht eine der letzten, größten Herausforderungen der Menschheit heutzutage. Es gibt vielleicht keine hundert Leute auf der Welt, die das tun könnten und würden. Diese Riesenherausforderung, die mag ich. Und zum anderen: Spiele ich Tennis oder Squash oder so, ist das schnell vorüber. Dieses Rennen aber fordert mich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, und das über fast zwölf Wochen. Ich finde das sehr bereichernd. Es allein zu schaffen, ist eine ziemliche Aufgabe. Herrlich. Ich liebe es.

Die Welt: Kann ein erfahrener Segler wie Sie eigentlich noch seekrank werden?

Thomson: Ehrlich gesagt: ja, ein bisschen. Zu Beginn des Rennens, mit all der Nervosität und so und der rauen See, da habe ich mich nicht besonders wohl gefühlt. Aber so richtig physisch seekrank werde ich eigentlich nicht mehr. Was mich die Wochen über mehr beschäftigt: mir ist kalt, ich bin müde, ich bin hungrig (lacht).

Die Welt: Fühlen Sie auf einer solch langen Reise allein inmitten der Ozeane bisweilen so etwas wie Demut?

Thomson: Ja, absolut! Das ist eines der Dinge, die ich so am Segeln liebe. Es gibt dir eine andere Perspektive. Es lehrt dich Demut.

Die Welt: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das? Ein richtiges Bett? Etwas zu essen?

Thomson: Hm. (überlegt) Platz eins vielleicht? (lacht) Nein, nein. Ich bin zufrieden an Bord.

Foto: Vendee Globe

Die Vendée Globe führt die Segler einmal um die Welt. Besonders die Passagen in antarktischen Gewässern gelten als höchst gefährlich
Die Vendée Globe führt die Segler einmal um die Welt. Besonders die Passagen in antarktischen Gewässern gelten als höchst gefährlich
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