23.01.13

Australian Open

Was David Ferrer und Robert de Niro gemein haben

Seit Rafael Nadal verletzt ist, hält David Ferrer die Flagge der spanischen Tennisspieler hoch. Der 30-Jährige ist in der Form seines Lebens. Jetzt wartet im Halbfinale von Melbourne Novak Djokovic.

Foto: dpa

Seit 13 Jahren Tennisprofi: David Ferrer
Seit 13 Jahren Tennisprofi: David Ferrer

Der Nachrichtensender CNN wollte von den Topspielern der Australian Open mal etwas ganz anderes hören. Wer denn ihr Lieblingsschauspieler sei, zum Beispiel. Janko Tipsarevic aus Serbien nannte Al Pacino, für den Tschechen Tomas Berdych war es Denzel Washington, und Spaßvogel Andy Murray entschied sich nicht für seinen schottischen Landsmann Sean Connery, sondern für Komiker Will Farrell.

Die Antwort von David Ferrer passte da schon besser: Robert de Niro. Ja, das kommt irgendwie hin. Denn der Hollywood-Star hatte seinen entscheidenden Durchbruch erst mit 30 Jahren, als er 1973 für die Rolle eines sterbenden Baseballspielers in "Das letzte Spiel" den "New York Film Critics Award" gewann. Ferrer wird im April 31. Und auch er ist in der Form seines Lebens.

Die meisten Siege 2012

2012 gewann das Laufwunder aus Spanien 76 Matches und sieben Turniere der Männerprofitour ATP, so viel wie kein anderer Spieler. Am Donnerstag trifft er im Halbfinale der Australian Open in Melbourne auf Novak Djokovic. Bei einem Sieg würde er zum ersten Mal das Finale eines Grand-Slam-Turniers bestreiten.

Die breite Öffentlichkeit hat den Weltranglistenfünften bislang eher als Randerscheinung wahrgenommen. Ferrer ist ein zurückhaltender Typ, kein Mann großer Worte. Viel Einsatz, wenig Show. Sein Spiel ist effektiv, er ackert und rennt und gilt als der Spieler mit der besten Physis auf der Tour. Im Viertelfinale gegen seinen Landsmann Nicolas Almagro konnte er einen 0:2-Satzrückstand noch drehen. Als "unermüdliche Ballmaschine" hat Deutschlands Tommy Haas ihn mal bezeichnet.

Gegen die Top Four

Doch der Durchbruch in höhere Sphären blieb "Ferru", wie er von seinen Freunden genannt wird, immer verwehrt. Der Schatten der "Fantastischen Vier", Murray, Djokovic, Roger Federer aus der Schweiz und Landsmann Rafael Nadal, war zu lang. Bis auf den verletzten Nadal stehen diese Spieler auch in Australien wie selbstverständlich im Halbfinale.

Seit Nadal fehlt, hat Ferrer seine Position eingenommen und hält die Fahne der Tennisgroßmacht Spanien hoch. Er nimmt das mit Bescheidenheit zur Kenntnis, eine Eigenschaft, die ihn auf der Tour sehr beliebt macht: "Ich gehöre nur zu den Top 4, weil Rafael seit langer Zeit verletzt ist", sagt er. Und: "Ein Athlet zu sein, das ist nicht mehr wert als ein anderer Job."

Krimis in der Freizeit

Jetzt scheint Ferrer seine Bescheidenheit zumindest auf dem Platz abgelegt zu haben. "Er schlägt alle Spieler unter sich in der Weltrangliste und wartet darauf, die Jungs über ihm anzugreifen", sagt Jason Goodall, der britische Ex-Spieler und Kommentator. Der Mann von der Costa Blanca, der in seiner Freizeit gern Krimis liest, hat an seinem ersten Aufschlag und seiner Rückhand gearbeitet. Zudem ist er seit längerer Zeit verletzungsfrei. "Mit 30 genieße ich Tennis immer mehr", sagt Ferrer.

Viele würden ihm den großen Durchbruch gönnen. Denn so lange wie Robert der Niro auf der Leinwand wird Ferrer im Tenniszirkus nicht mehr zu sehen sein.

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