23.01.13

TV-Thriller

Intime Lebensdetails - Kati Witt spielt sich selbst

In dem Thriller "Der Feind in meinem Leben" wird Katarina Witt zum Opfer eines Stalkers. Die Geschichte, in der die ehemalige Eiskunstläuferin sich selbst spielt, hat einen realen Hintergrund.

Foto: Sat. 1 / Conny Klein

„Ab jetzt bin ich für Sie da! Ich lass’ Sie nicht mehr aus den Augen — versprochen.“ Aus dem Mund von Martin Breiler (Matthias Koeberlin) klingen diese Worte für Katarina Witt bald wie eine Drohung.

9 Bilder

Wenn es beginnt, dann beginnt es meist harmlos. Da ist ein Fremder, der sich als Fan outet, seine Unterstützung anbietet, freundlich ist. Doch mit der Zeit verwandelt sich das Interesse des vermeintlichen Fans schleichend in Besessenheit, wächst sich die Anwesenheit des ungebetenen Gastes zur Bedrohung aus.

Stalking ist ein Phänomen, das viele Menschen, auch zahlreiche Prominente, bereits über sich ergehen lassen mussten. Zu ihnen gehört auch Katarina Witt.

Die einstige Eisprinzessin wurde Anfang der neunziger Jahre von einem Amerikaner belästigt, der ihr auflauerte und sie in Briefen immer wieder dazu drängte, ihn zu heiraten. 1992 wurde der Mann zu mehr als drei Jahren Psychiatrie verurteilt.

Trister Nobody wird zu Stalker

Der Thriller "Der Feind in meinem Leben" greift diese reale Episode aus Witts Leben auf und spinnt eine fiktive Geschichte darum. In dem Film ist es die Aura eines Stars, die einen tristen Nobody in einen Stalker verwandelt.

Der Streifenpolizist Martin Breiler (gespielt von Matthias Koeberlin) und sein Kollege Lorenz (Martin Brambach) werden zu einem abgelegenen Haus am Rande Berlins gerufen, in dem Katarina Witt – so lautet auch ihr Name im Film - eine Party feiert. Leider ist es etwas zu laut, das Polizistenduo soll deswegen eigentlich eine Anzeige wegen Ruhestörung aufnehmen.

Doch Breiler kümmert das alles nicht: Ab dem Moment, als Witt ihm die Tür öffnet, ist es um ihn geschehen. Alle seine Gedanken kreisen fortan um den Star, sogar seine Frau Sabine (Valerie Niehaus) und die zwei Kinder vernachlässigt Breiler, um sich in der Nähe der zweimaligen Olympiasiegerin aufhalten zu können.

Deren Prominenz, so empfindet er es, wertet ihn selbst auf. Und tatsächlich macht ihn die Nähe zu Witt zu einem von der Boulevardpresse beachteten Semi-Promi. Was ihn natürlich anspornt, weiterzumachen.

Weil die Gefahr in Uniform auftritt, schöpft Witt zunächst keinen Verdacht. Sie geht sogar mit ihrem Bewunderer essen und lässt ihn in ihr Haus. Denn Breiler wirkt harmlos, geradezu zum Gähnen durchschnittlich.

Film zeigt die einsame Katarina Witt

Was in ihm schlummert, wird allenfalls angedeutet, etwa als Breiler aus Wut einen Verkehrssünder verprügeln will und nur mit Mühe von Lorenz zurückgehalten werden kann.

Und als der Besessene sich am Polizeicomputer über den tatsächlichen Stalking-Fall der Witt informiert, zoomt die von Gero Steffen geführte Kamera nah auf Breilers Gesicht, während ihm im Hintergrund eine Kollegin den englischsprachigen Artikel übersetzt: "Der Mann hatte ein vollkommen durchschnittliches Erscheinungsbild, aber genau das ist es, was ihn so gefährlich macht", hört man die Frau sagen.

Allein: so richtige Bedrohungsatmosphäre will nicht aufkommen. Auch wenn Witt alleine in ihrem abgelegenen Haus ist, die Szenerie nur spärlich ausgeleuchtet und mit spannungsgeladener Musik unterlegt wird: Man hat permanent das Gefühl, dass der Film nur an der Oberfläche kratzt.

Was den Machern hingegen gut gelingt, ist dem Zuschauer die Einsamkeit zu vermitteln, die irgendwann die Akteure umgibt. Katarina Witt selbst wirkt während der 90 Minuten stets allein, nur ihr bester Freund Jean (Ricky Watson) leistet ihr hin und wieder Gesellschaft.

Noch tragischer ist die Situation bei Martin Breiler: Nachdem er sich in die Verfolgung Witts hineingesteigert hat, wird sein Zustand nach und nach immer desolater. Bis er mittlerweile von zu Hause ausgezogen immer gereizter auftritt und von Krämpfen geschüttelt wird.

"Gesunde Antenne" für Fans oder Feinde

In "Der Feind in meinem Leben" hat Stalking ähnliche Auswirkungen wie die Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen. Dass es ebenfalls lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann, lässt der Film aus – man ahnt es jedoch.

Für Katarina Witt bedeutete ihre erste TV-Hauptrolle eine Doppelbelastung. Nicht nur, dass sie Schauspielunterricht nahm und sogar wieder Trainingseinheiten auf dem Eis absolvierte.

Sie stellte sich mit der Rolle auch ihrer Vergangenheit. Zwar habe sie "nichts verarbeiten müssen", so Witt im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Ihre Erfahrungen dienten Regisseur Bernd Böhlich jedoch dazu, sich in einen Stalker hineinzuversetzen.

So wird aus "Der Feind in meinem Leben" Unterhaltung und Lehrstück gleichermaßen. Katarina Witt jedenfalls hat ihre persönliche Stalking-Erfahrung schlauer gemacht, wie sie gegenüber dem Fernsehsender Sat.1 sagte: "Über die Jahre entwickelt man eine gesunde Antenne für Fans und Bewunderer und lernt auch, entsprechend auf 'Feinde' zu reagieren."

"Der Feind in meinem Leben" – Mittwoch, 23. Januar, 20.15 Uhr, Sat.1

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