23.01.13

Sloane Stephens

Der neue Stern am Tennishimmel verlor zwei Väter

Die Amerikanerin Sloane Stephens schaffte bei den Australian Open mit dem Sieg über ihre Mentorin Serena Williams eine Sensation. Der selbstbewusste Teenager hat schon einige Tiefschläge erlebt.

Von Sven Flohr
Foto: REUTERS

Der amerikanischen Tennisspielerin Sloane Stephens (19) gelang der Coup! Sie schlug im Viertelfinale der Australian Open den Tennis-Star Serena Williams.

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Die Schar der Gratulanten war groß und prominent. "Auch Dirk Nowitzki hat mir einen Tweet geschickt. Ich bin einfach begeistert", sagte Sloane Stephens, der neue Stern am Tennishimmel. Auch eine andere Basketballlegende ließ es sich nicht nehmen, der 19-Jährigen via Twitter seine besten Glückwünsche zu übermitteln. Shaquille O'Neal schrieb: "Wenn du eine Legende bezwingst, bist du selbst eine Legende."

Eine Legende? Für die Einordnung in diese Kategorie ist es gewiss ein wenig zu früh. Richtig ist aber, dass Sloane Stephens eine solche werden kann. 3:6, 7:5, 6:4 gewann sie bei den Australian Open gegen die große Favoritin Serena Williams. Die Amerikanerin trieb ihre Landsfrau während des Spiels derart zur Weißglut, dass Williams regelrecht ausrastete. Die 31-Jährige schrie immer wieder ihren Ärger heraus und zertrümmerte irgendwann vor lauter Frust ihren Schläger.

Williams-Poster im Kinderzimmer

Nicht gerade ein gutes Vorbild, das Serena sein sollte. Von der Frauenprofitour WTA war sie einst als Mentorin für ihre zwölf Jahre jüngere Gegnerin eingesetzt worden. Mit dem Sieg über ihr Idol – in Stephens' Kinderzimmer hing einst ein Serena-Williams-Poster – dürfte die Lehrzeit nun vorbei sein. Zumal sich Williams auch nach dem Spiel nicht viel besser als auf dem Platz benahm. Ihr Lob für die Siegerin fiel auffällig verhalten aus: "Sloane ist eine gute Spielerin, sie ist schnell und bringt eine Menge Bälle zurück."

Mit diesem Satz ist das Talent der Sloane Stephens nur sehr unzureichend beschrieben. Der Teenager gilt seit geraumer Zeit als neues Wunderkind des amerikanischen Tennissports, mit dem Potenzial, die Lücke hinter den alternden Williams-Schwestern zu schließen.

Aufschlag mit 192 km/h

Stephens, 1,70 Meter groß und 61 Kilogramm schwer, verfügt über einen sehr gefährlichen Aufschlag (192 km/h bei den Australian Open), schnelle Beine und eine krachende Vorhand als größte Waffe in ihrem Schlagrepertoire. Zudem trägt sie für ihre jungen Jahre ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein zur Schau. Die Frage, warum sie sich für das Cover einer amerikanischen Modezeitschrift fotografieren ließ, beantwortete sie wie folgt: "Weil ich hübsch bin."

Stephens' leibliche Eltern waren selbst gute Sportler. Ihre Mutter Sybil war Schwimmerin an der Boston University, ihr Vater John Stephens ein bekannter Footballprofi in der nordamerikanischen Profiliga NFL. Er spielte als Running Back unter anderem für die Green Bay Packers und die New England Patriots. Die beiden ließen sich aber früh scheiden, Sloane lernte ihren leiblichen Vater lange Zeit nicht kennen.

Sie war 13, als sie ihren Vater kennenlernte

John Stephens war nach seiner Footballkarriere abgestürzt. So wurde er 1994 wegen Vergewaltigung angeklagt und auf Bewährung verurteilt. Ein Fakt, den die Mutter der Tochter verschwieg. Als Stephens 13 Jahre alt war, nahm sie Kontakt zu ihrem Vater auf. Es kam zu einigen Treffen, sie bauten ein gutes Verhältnis auf. Im September 2009, zwei Tage vor dem Start der Junior-US-Open, aber starb John Stephens im Alter von 43 Jahren bei einem Autounfall. Er war mit seinem Truck mit überhöhter Geschwindigkeit gegen einen Baum gerast.

Sloane besuchte die Beerdigung, nahm dennoch am Turnier teil, verlor aber in der ersten Runde. "Ich hatte eine harte Zeit", sagt Stephens rückblickend, "aber das hat einen besseren Menschen aus mir gemacht." Zumal das Begräbnis ihres Vaters nicht das erste war, dem sie beiwohnte. Zwei Jahre zuvor hatte sie schon ihren Stiefvater verloren. Sheldon Smith, der seine Tochter im Alter von neun Jahren zum Tennis gebracht hatte, war an Krebs gestorben.

Jetzt gegen die Titelverteidigerin

Wenn Stephens also sagt, dass sie in jungen Jahren schon viel erlebt und gelernt hat, ist an diesem Satz viel Wahres dran. Nun könnte ein großes Erlebnis hinzukommen. Experten trauen der aktuellen Nummer 25 der Weltrangliste in Melbourne durchaus den großen Wurf zu. Nächste Gegnerin ist am Donnerstag Titelverteidigerin Viktoria Asarenka aus Weißrussland.

Menschen, die ihr das Beste wünschen, hat sie auch neben Nowitzki und O'Neal zur Genüge. Binnen weniger Stunden nach dem Sieg über Williams verdoppelte sich die Zahl von Stephens' Twitter-Followern auf 35.000.

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