21.01.13

Handball-WM

Bundestrainer Heuberger zeigt es seinen Kritikern

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft verdankt ihren Siegeszug bei der WM auch dem 46-jährigen Trainer. Vor dem Turnier zweifelten noch viele an seiner Eignung als Nachfolger Heiner Brands.

Von Erik Eggers
Foto: Bongarts/Getty Images

Martin Heuberger tritt bei der WM in Spanien aus dem großen Schatten Heiner Brands heraus
Martin Heuberger tritt bei der WM in Spanien aus dem großen Schatten Heiner Brands heraus

In seinem Haus lässt sich Martin Heuberger jeden Tag durch Aphorismen daran erinnern, welchen Weg er gehen will. "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum", heißt zum Beispiel ein Spruch an einer Wand. Ihn betrachtet Heuberger, wenn er in sein Büro geht, um die bürokratischen Dinge zu regeln, die er als Handball-Bundestrainer zu erledigen hat. Nun könnte einer seiner Träume schon früher als erwartet in Erfüllung gehen.

Denn wenn sein Team bei der Weltmeisterschaft auch das Viertelfinale gewinnen sollte (am Mittwoch gegen Gastgeber Spanien), dann ist den deutschen Handballprofis alles zuzutrauen. Sogar der vierte Titel in der 75-jährigen WM-Geschichte. "Wir machen uns jetzt schon Hoffnungen, und die sind nicht unberechtigt", sagt Michael Haaß, der Spielgestalter aus Göppingen.

Es wäre ein Triumph nicht nur für den lange gebeutelten deutschen Handball, der nach dem WM-Sieg 2007 in eine tiefe Krise gestürzt war. Es wäre auch eine tiefe Genugtuung für Heuberger, den 48-Jährigen aus Schutterwald. Denn viele im deutschen Handball hatten ihm, obwohl er bis 2011 extrem erfolgreich als Juniorentrainer gearbeitet hatte, so einen Siegeszug nicht zugetraut. Das Gerede hinter den Kulissen war die Grundlage für jene Diskussion vor der WM, ob Heuberger denn überhaupt der richtige Mann für diese große Aufgabe sei.

Ihn fehlt die seelische Ritterrüstung

Fachlich wurde diese Diskussion genährt durch die überraschende Niederlage Anfang November gegen Montenegro, welche die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bei der EM-Qualifikation in Probleme gestürzt hat. Vor allem aber, weil Heuberger nicht dem Klischee eines abgezockten, jederzeit abgeklärten Trainers entspricht, der verkörpert wird durch Typen wie Felix Magath. Weil er über keine seelische Ritterrüstung verfügt, die alle Kritik einfach an ihm abperlen lässt.

Auch Heubergers Wesen war in diesen Tagen oft Gegenstand der Berichterstattung. Sein manchmal hektischer und ungelenker Auftritt an der Seitenlinie etwa. Die Frage, die in diesem Zusammenhang gestellt wurde, hieß: Steckt ein Trainer, der so extrem nervös wirkt, seine Spieler nicht damit an? Diese ganze Diskussion, sagte DHB-Sportmanager Heiner Brand, habe Heuberger als "Unverschämtheit" empfunden, als unangemessen.

Das Verkaufen des Handballs in der Öffentlichkeit ist freilich seine Sache nicht. Noch nicht zumindest. Heuberger ist zwar stets höflich und zuvorkommend, beantwortet auch die kuriosesten Fragen, die im Verlaufe eines solchen Turniers auftauchen. Aber ihm fehlt einfach jene distanzierte Gelassenheit im Umgang mit Journalisten, die sich manchmal erst nach dem ersten großen Erfolg einstellt. Diese Arbeit, sagt er selbst, sei "vielleicht der größte Unterschied zum Juniorenbereich". Das Auffälligste aber ist die teilweise entwaffnende Offenheit, mit der er auf Fragen eingeht. "Ich weiß ja, dass ich mich ändern muss", hat er gesagt, als er nach seiner Wirkung in der Öffentlichkeit gefragt wurde. "Ich muss versuchen, ruhiger zu werden."

Zwölf Spieler betreute er schon als Junioren

Für diese Mannschaft aber ist er, das vermitteln die Profis, der richtige Mann zur richtigen Zeit. Tatsächlich kennt niemand die teils extrem unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sich in dem 16 Mann starken Kader versammeln, besser als Heuberger. Zwölf Profis hat er bereits als Juniorentrainer betreut und zu Titeln geführt. Und Kapitän Oliver Roggisch führte er einst beim TV Schutterwald in die Geheimnisse des Deckung- und Kreisläuferspiels ein.

So eigenwillig Heuberger auch in der Öffentlichkeit wirken mag, so ungelenk, so unwohl er sich scheinbar im Rampenlicht fühlt – unter den Spielern ist er unumstritten "Intern bestand für uns nie ein Grund zu zweifeln. Was jeder erkennen kann: Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Michael Haaß. Das findet Patrick Groetzki, einer der vier aktuellen Profis, die Heuberger 2009 zur Junioren-Weltmeisterschaft führte, auch: "Die Diskussion war von Anfang an unnötig, weil wir hier jeden Tag harte Arbeit leisten", sagte der Rechtsaußen von den Rhein Neckar-Löwen. "Es freut mich für die ganze Mannschaft, dass die Energie belohnt wird, auch für Martin."

Diskussionsbereitschaft in taktischen Fragen

Ungewöhnlich ist seine Art des Coachens allemal. "Ich bestimme die Richtung", sagt Heuberger. "Aber wenn die Spieler meinen, mit anderen Spielzügen besser zum Erfolg zu kommen, dann lasse ich mich gern überzeugen." Diese Diskussionsbereitschaft in taktischen Fragen steht im Einklang mit seinem kommunikativen Stil gegenüber den Spielern. Heuberger versucht, jedem der 16 Profis zu erklären, aus welchen Überlegungen heraus er seine Entscheidungen trifft. Ein solches Miteinander von Trainer und Spielern, sagt Dominik Klein, Kiels Linksaußen, habe er zuletzt so in seiner Jugend erlebt.

Diese Herangehensweise kann als demokratischer Trainingsstil bezeichnet werden. Es ist auf jeden Fall ein Stil, den die aktuellen Spieler in dieser Phase für den richtigen halten und der das Team unter größtem Druck zusammengeschweißt hat. "Mannschaften sind erfolgreich, wenn es im Team passt", sagt der Göppinger Haaß. "Es ist gerade eine Einheit. Alle ziehen an einem Strang." Und auch Heuberger schwärmt, es mache ihm gerade eine "Riesenfreude, mit dieser Mannschaft zu arbeiten". Er hat im Team auf jeden Fall eine Atmosphäre geschaffen, die früher schon zu Titeln geführt hat. Nichts ist unmöglich für das deutsche Team in Spanien.

Foto: dapd

Jetzt wird es ernst. Diese 16 Spieler vertreten Deutschland bei der Handball-WM in Spanien.

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