21.01.13

Armstrongs Rad

Mit diesen Dingen würden wir auch gern sprechen

Ein US-Talkmaster führt ein Gaga-Interview mit Lance Armstrongs Rennrad. Wer das nicht komisch findet, sollte mal mit Usain Bolts Schuh, Michael Schumachers Auto oder dem Bökelberger Torpfosten reden.

Von Jens Hungermann

Wer den Sport hat, braucht für den Hohn nicht zu sorgen – oder so ähnlich. In den USA hat der Late-Night-Talker Jimmy Fallon jedenfalls ein Interview mit Lance Armstrongs Rennrad geführt.

Was in der Realität vermutlich ähnlich ergiebig wäre wie das Gespräch zwischen Armstrong und Oprah Winfrey, erwies sich als Persiflage prima pointiert. Kernsatz der Drahteselstimme aus dem Off: "Und dann fand ich heraus, dass der Arsch, der auf mir saß, der Arsch eines Betrügers gewesen ist. Ein betrügerischer Arsch – und das tut weh." So ein Gegenstand ist eben auch nur ein Mensch.

Vieles aus dieser Kategorie würden wir gern noch lesen. Interview mit Usain Bolts Schuh: "Rennen kann er ja – aber der Mief…" Die Memoiren der Tonne, in die der ausgewechselte Bayern-Stürmer Jürgen Klinsmann einst wutentbrannt ein Loch trat: "Plötzlich zog es wie Hechtsuppe, und eine Leere machte sich in mir breit."

Die Plastiktüte, an der Lance Armstrong mit dem Lenker hängen blieb: "Ich versuchte alles, ihn aufzuhalten – vergeblich." Der Formel-1-Mercedes von Michael Schumacher: "Erst habe ich nicht schnell genug geschaltet, dann wurde mir klar: Der würgt mich ab!"

"Science-Fiction" statt "Sport"

Der Lederball, den Uli Hoeneß weiland 1976 bei der EM in den Abendhimmel von Belgrad drosch: "Eines Tages möchte ich zur Erde zurückkehren." Oder der Pfosten, der 1971 am Mönchengladbacher Bökelberg einknickte: "Ich musste brechen, es fühlte sich elend an."

Denkbar ist vieles in diesen Tagen. Unter anderem, dass Armstrongs Bücher künftig nicht mehr unter "Sport", sondern unter "Science-Fiction" zu kaufen sind. Hat jedenfalls ein australischer Buchhändler getwittert. Der Scherz kam nicht gut an. Andererseits: Warum sollten sie nicht?

Sonst kämen nur die Kategorien "Historische Romane", "Business, Karriere und Geld" oder "Fantasy" infrage. Für "Märchen" ist Armstrongs Vita zu gruselig, für "Medizinische Ratgeberliteratur" einfach nicht empfehlenswert.

Foto: Reuters

Die wichtigsten Aussagen von Lance Armstrong bei Oprah Winfrey:

"Ja." (auf die Frage, ob er in seiner Laufbahn verbotene Substanzen eingenommen hat)

"Ich betrachte das als eine große Lüge, die ich sehr häufig wiederholt habe. Wahrscheinlich ist es für die meisten Leute zu spät, und das ist mein Fehler. Diese Episode meines Lebens ist geprägt von Respektlosigkeiten. Der Sport zahlt jetzt den Preis dafür. Das tut mir leid."

10 Bilder
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Australien Video zeigt letzte Sekunden des Sydney-Geiseldrama…
Wolfgang Schäuble Regierung will an Firmen-Privilegien festhalten
Gesetzentwurf Kabinett billigt Pkw-Maut für Ausländer
Rubelsturz Russen investieren ihr Geld lieber in Sachwerte
1. Bundesliga Spielplan
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Test

So gut sind die neuen Kompaktkameras

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote