21.01.13

Insider

"Guardiola ist für seine Spieler wie ein Vater"

Im Sommer fängt Pep Guardiola bei den Bayern an. Aber wie tickt der große Spanier wirklich? Zwei Trainer, die bei ihm hospitierten, berichten vom herzlichen Umgang in kargen Trainerzimmern.

Von Simon Pausch
Foto: dpa

Ein Superstar des Fußballs: Pep Guardiola, der neue Trainer des FC Bayern München.

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Es gibt da diesen Raum, der Thomas Krücken besonders in Erinnerung geblieben ist. Ein karges Zimmer auf dem Vereinsgelände des FC Barcelona, das bewacht wird wie Fort Knox. Krücken kam im vergangenen Frühjahr trotzdem an den Schranken vorbei, weil er für ein Praktikum bei einem der größten Fußballklubs der Welt angemeldet war. Gemeinsam mit einigen von Barcelonas Jugendtrainern saß Krücken, der inzwischen die U-19-Auswahl von 1899 Hoffenheim betreut, auf einem der einfachen Holzstühle, als die Tür aufging und Pep Guardiola eintrat.

"Er benahm sich wie einer von ihnen", sagt Krücken, der bis heute fasziniert davon ist, mit welcher Zurückhaltung sich der zweimalige Welttrainer mit seinen Kollegen aus der Nachwuchsabteilung austauschte: "Er wirkte dabei nie abgehoben, nie." Diesen Eindruck teilt auch der Co-Trainer des VfB Stuttgart, Eddy Sözer, der vor zwei Jahren für eine Woche bei den Katalanen lernte: "Er strahlt eine unglaubliche natürliche Autorität aus. Ich habe ihn nie schreien oder fluchen gehört. Im Gegenteil: Alles läuft auf Augenhöhe ab." Auch Sözer ist nachhaltig beeindruckt vom künftigen Trainer des FC Bayern.

Den Lehrmeister hautnah erleben

Sözer und Krücken sind zwei von vielen Fußballlehrern aus aller Welt, die Jahr für Jahr beim FC Barcelona hospitieren. Die wenigsten davon haben einen Bundesliga-Hintergrund. Für Sözer und Krücken war es die Möglichkeit, den Lehrmeister Guardiola hautnah erleben zu dürfen, ohne dafür zur Führungsspitze des Rekordmeisters gehören zu müssen. Ein Privileg.

Den 42-Jährigen über seine eher widerwilligen Bemerkungen bei Pressekonferenzen hinaus kennenzulernen, ist schwierig. Trotz aller Erfolge lebte Guardiola zurückgezogen, gab so gut wie nie Interviews und versuchte, jede Form von unnötiger Publicity zu vermeiden. Einer der Gründe, warum er sich 2012 für ein Sabbat-Jahr ins Fußball-Niemandsland New York zurückzog, war das immer weiter steigende öffentliche Interesse an ihm. Krücken und Sözer jedoch durften ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Und was sie sahen, prägt sie bis heute.

"Er hat immer das Gesamtbild im Blick"

Der gebürtige Türke Sözer etwa schwärmt vom ballbezogenen Training der Katalanen: "Es wird fast nur fußballspezifisch gearbeitet." Während in Deutschland häufig die physische Arbeit im Vordergrund stehe, finde in Barcelona praktisch keine Übung ohne Ball statt: "Guardiola steht häufig daneben und beobachtet. Wenn er eingreift, ist er sehr konkret und strategisch in seinen Anweisungen. Er hat immer das Gesamtbild aus Spielern, Trainer- und Funktionsteam im Blick."

Von der U-15-Mannschaft an spielen alle "Barca"-Teams den identischen Stil, der auf viel Ballbesitz, einer weit aufgerückten Verteidigungslinie und intensivem Gegenpressing bei Ballverlusten basiert. "Er hat die holländische Grundidee, die Johan Cruyff nach Barcelona gebracht hat, weiterentwickelt", sagt Krücken, der glaubt, dass die Vorarbeit von Louis van Gaal dem Katalanen den Einstieg beim deutschen Rekordmeister erleichtern wird: "Dabei hilft ihm natürlich seine Vergangenheit: Er hat ja dasselbe System durchlaufen wie die Spieler, die er später geformt hat."

Guardiola nimmt die Spieler oft in den Arm

Das unterscheidet Guardiolas Amtszeit in Barcelona signifikant von der, die er im Sommer in München beginnen wird. Dort warten fertige Stars wie Franck Ribery oder Arjen Robben, die Guardiolas Fußball-DNA nicht mit ihm teilen. Hinzu kommt die Sprachbarriere, gleichwohl Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, betonte, Guardiola habe bereits mit dem Lernen der deutschen Sprache begonnen.

"Er ist ein sehr kommunikativer Typ", erinnert sich Sözer an die Trainingseinheiten, denen er während seiner Hospitanz beiwohnte: "Er spricht sehr viel, ohne dabei dominant zu sein. Pep nimmt seine Spieler oft in den Arm und vermittelt ein unglaubliches Wir-Gefühl."

Deutsch ist Pflicht

Dadurch habe er große Teile der immensen Erwartungshaltung, die in Barcelona mindestens ebenso ausgeprägt ist wie in München, von den Spielern ferngehalten: "Es war ein Stück weit ein väterliches Verhältnis, das er zu den Profis pflegte. Sie hatten nie den Eindruck, unter Druck zu stehen. Er war einer von ihnen, ganz klar." Auch Krücken schildert die Art, mit der Guardiola seine Ideale vermittelte, als vorbildlich: "In seinen Ausführungen war er sehr souverän und sachlich. Sein Umgang mit den Spielern, aber auch mit Trainerkollegen oder Assistenten wirkte total authentisch."

Um jedoch seine komplexe Fußballidee vermitteln zu können, muss Guardiola wohl noch ein paar Wörter mehr auf Deutsch lernen als die, die jetzt schon das Potenzial zur Legende haben: Der Satz "Wie geht es Jupp?" allein wird ihm vom 1. Juli an nicht mehr viel weiterhelfen.

Quelle: SID
21.01.13 3:15 min.
Endlich hat die Bundesliga wieder begonnen. Zum Auftakt der Rückrunde präsentierte sich Dortmund in Torlaune, München von der Guardiola-Hysterie unbeeindruckt und Frankfurter Fans unverbesserlich.
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Die Stationen des Pep Guardiola
  • 1984-1990

    Guardiola tritt als 13-Jähriger der Nachwuchsabteilung des FC Barcelona bei und durchläuft in der Folge die Jugendmannschaft des Klubs.

  • 1990-2001

    Elf Jahre lang spielt Guardiola als Profi beim FC Barcelona. Er gewinnt in dieser Zeit sechsmal die Meisterschaft, 1992 den Europapokal der Landesmeister und 1997 den Europapokal der Pokalsieger. Für die spanische Nationalmannschaft läuft er 47 Mal auf und erzielt fünf Tore.

  • 2001-2005

    Profistationen außerhalb Spaniens: Erst Brescia Calcio in Italien, dann ein Jahr beim AS Rom, dann wieder Brescia. Von 2003 bis 2005 spielt Guradiola bei Al-Ahli in Katar. Letzte Station ist der maxikanische Klub Dorados de Sinaloa, mit dem Guardiola in die zweite Liga absteigt.

  • 2007-2012

    Guardiola steigt als Coach der zweiten Mannschaft des FC Barcelona ins Trainergeschäft ein und wird bereits 2008 zum Chef der ersten Mannschaft befördert. Höchst erfolgreich: Unter Guardiola gewinnen die Katalanen in vier Jahren zweimal die Champions League und dreimal die Meisterschaft.

  • Juli 2013

    Im Sommer übernahm Guardiola erstmals einen anderen Klub als den FC Barcelona. Beim FC Bayern trat er die Nachfolge von Jupp Heynckes an.

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