19.01.13

Lance Armstrong

Scham, Millionenverluste und Comeback-Hoffnung

Lance Armstrong zeigt sich im zweiten Teil seines Interviews mit Oprah Winfrey emotional, spricht über seine Familie, über die finanziellen Auswirkungen des Skandals und seinen Kampfgeist.

Foto: AFP
Lance Armstrong sprach im zweiten Teil seiner TV-Beichte mit Oprah Winfrey über seine Scham, so lange gelogen zu haben
Lance Armstrong sprach im zweiten Teil seiner TV-Beichte mit Oprah Winfrey über seine Scham, so lange gelogen zu haben

Nach seiner Doping-Beichte hat der gefallene Radstar Lance Armstrong noch einmal nachgelegt und über seinen erzwungenen Rückzug aus der von ihm gegründeten Krebsstiftung Livestrong gesprochen. In dem ganzen Skandal sei der Abschied von seiner Organisation für ihn der demütigendste Moment gewesen, sagte Armstrong im zweiten Teil des am Freitagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interviews.

Livestrong "war wie mein sechstes Kind. Und die Entscheidung zu treffen, sich zurückzuziehen, war eine große Sache", sagte er weiter. "Es war das Beste für die Stiftung, aber es tat weh wie die Hölle."

Ob er sich entehrt fühle, fragte ihn Talkmasterin Oprah Winfrey. "Natürlich. Ich fühle mich gedemütigt. Ich schäme mich", antwortete Armstrong. Zudem gab Armstrong am Freitag (Ortszeit) an, dass er sich zu dem Interview mit Winfrey im US-Fernsehsender OWN entschieden habe, damit seine fünf Kinder nicht länger unter der Sache leiden müssten.

Hoffnung auf Wettkampfcomeback

Lance Armstrong hofft durch seine Doping-Beichte auf die Reduzierung seiner lebenslangen Sperre und ein Wettkampfcomeback. "Möchte ich wieder in den Wettkampf? Dann sage ich ja! Ich bin Wettkämpfer. Ich liebe das Training, ich liebe Wettkämpfe", sagte der 41 Jahre alte Amerikaner im zweiten Teil des Interviews mit Oprah Winfrey: "Aber ich habe die Todesstrafe! Ich sage nicht, dass es unfair ist, aber es ist eine Andersbehandlung". Armstrong wünscht sich, seine Geschichte gegen eine mildere Sperre einzutauschen, rechnet aber nicht damit.

Auch die finanziellen Verluste, die er erlitten habe, seien beträchtlich gewesen, gerade in den Tagen, als ihn reihenweise Sponsoren verlassen hatten. Er habe jedes zukünftige Einkommen verloren, sagte Armstrong. "Ein Tag hat mich wohl 75 Millionen Dollar gekostet. Das kommt nie wieder".

Konfrontiert wurde Armstrong auch mit dem Vorwurf, versucht zu haben, die US-Anti-Doping-Behörde USADA während ihrer Ermittlungen gegen ihn zu bestechen. Dabei sei es um 150.000 Dollar gegangen. "Das ist nicht wahr", entgegnete Armstrong.

"Habe alles gegeben und bin besiegt worden"

Im ersten Teil des Interviews hatte Armstrong erstmals Doping während seiner Zeit als Radprofi gestanden. Er räumte ein, seit Mitte der 1990er Jahre zu verbotenen Substanzen gegriffen zu haben, darunter Epo, Testosteron sowie Blutdoping, auch bei seinen aberkannten sieben Tour-de-France-Siegen (1999 bis 2005). Inzwischen sei der Radsport aber "absolut sauber", sagte Armstrong in Teil zwei.

Dass er sein Comeback ohne Manipulation bestreiten würde, habe Armstrong seiner ersten Frau Kristin versprochen. "Daran habe ich mich immer gehalten, ich hätte sie nie verraten", sagte er. Zwischen 2009 und 2011 war Armstrong noch einmal in den Radsport zurückgekehrt, jedoch ohne ähnliche Erfolge wie zuvor. "Ich habe alles gegeben und bin besiegt worden", sagte er.

Sohn Luke sollte ihn nicht mehr vor anderen verteidigen

Als Talkmasterin Oprah Winfrey auf die Erlebnisse seiner Familie zu Sprechen kommt, überwältigen den gefallenen Radstar die Emotionen. "Ich beobachtete, wie mein Sohn Luke mich verteidigte und sagte: 'Das stimmt nicht. Was ihr über meinen Vater sagt, ist nicht wahr'", berichtete Armstrong.

"Das war der Zeitpunkt, als ich wusste, dass ich es ihm (Luke) sagen muss", erklärte er. Der 13-jährige Luke ist der älteste seiner fünf Kinder.

"Was haben Sie ihm gesagt?", hakte Winfrey nach. Armstrong antwortete: "Ich habe ihm gesagt: 'Hör zu, über deinen Vater hat es viele Fragen gegeben. Über meine Karriere. Ob ich gedopt habe oder nicht. Ich habe das immer rabiat und trotzig zurückgewiesen. Das habt ihr Jungs gesehen. Deswegen habt ihr mir vermutlich vertraut'".

Dann folgte eine lange Pause. "Ich sagte: 'Verteidigte mich nicht länger. Tu es nicht'", erklärte ein den Tränen naher Armstrong stockend.

Quelle: dapd/dpa/sid/fbr
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