18.01.13

Tennis

Wunderkind, Raser, Großmaul – Tomic gegen Federer

Wem drücken die Australier in der dritten Runde der Australien Open die Daumen: Dem bewunderten Schweizer Roger Federer oder ihrem skandalumwitterten Landsmann Bernard Tomic?

Von Lorenz Vossen
Foto: pa/ZUMAPRESS.com/Scott Stuart
Tennis 2012 - Aug 16 - Western & Southern Open - Day Four
Bernard Tomic (r.) war bislang gegen Roger Federer chancenlos. Der Australier verlor alle drei Aufeinandertreffen

Beim "Australian Tennis Magazine" haben sie sich in der Januar-Ausgabe mal wieder für ihren Liebling entschieden: "Roger Federer – dauerhafter Superstar" ziert die Titelseite. Vier Seiten werden dem Schweizer gewidmet. Das Blatt bedient die Nachfrage: Bei einer Umfrage des Unternehmens "Demba Group" zum populärsten Sportler des Kontinents wurde Federer 2012 zum dritten Mal in Folge auf den ersten Rang gewählt. "Weil Australier Athleten lieben, die Wettkampfstärke und Bescheidenheit so verkörpern, wie Roger Federer es tut", lautet die Erklärung.

Es könnte also nicht leicht werden für Bernard Tomic, wenn er als letzter verbliebener Australier bei den Australian Open am Samstag in der dritten Runde gegen Everbody's Darling antritt. Denn bisher hat der 20-Jährige vornehmlich durch Eskapaden auf und abseits des Platzes Schlagzeilen gemacht.

"Dich merke ich mir"

Mehrmals kassierte ihn die Polizei wegen Fahrverstößen in seinem orangefarbenen BMW ein, im Oktober wurde er wegen einer Schlägerei bei seinem 20. Geburtstag angezeigt. Ein ums andere Mal schwänzte er Qualifikationsturniere in der Überzeugung, sowieso eine Wildcard zu bekommen. Bei den US Open vergangenes Jahr blaffte er einen Journalisten an, der ihm angeblich unterstellte hatte, sein Match gegen Andy Roddick weggeschenkt zu haben: "Dich merke ich mir!"

Nicht zuletzt deshalb strich ihn Kapitän Patrick Rafter zuletzt aus dem Davis-Cup-Team. Eine Maßnahme, die Tomic relativ ungerührt mit der Überzeugung kommentierte, eines Tages der beste Spieler aller Zeiten zu sein.

Eine Umsetzung dieser Ankündigung steht noch aus. Dabei gilt Tomic als die Zukunft des australischen Tennis. Trotz seiner 1,96 Zentimeter setzt er nicht ausschließlich auf Kraft, sondern spielt sehr variabel, taktisch geschickt und unberechenbar. "Typisch atypisch" nennt die Tageszeitung "Sydney Morning Herald" seinen Stil.

Erster Vertrag mit 14

Aber er gilt auch als einer, bei dem der Erfolg zu früh kam. Bereits mit 14 Jahren unterschrieb er seinen ersten Sponsorenvertrag. 2008 gewann er bei den Junioren die Australian Open und war im Jahr darauf bei den Profis mit 16 Jahren und 89 Tagen der jüngste Spieler, der je eine erste Runde bei einem Grand-Slam-Turnier überstand.

Trainiert wird die aktuelle Nummer 43 der Welt von Vater John. Der floh wegen des Balkankriegs mit der Familie einst aus Kroatien nach Deutschland, Sohn Bernard kam in Stuttgart zur Welt. Drei Jahre später folgte der Umzug nach Australien. Mehrmals kam es zu Auseinandersetzungen zwischen John Tomic und dem australischen Tennisverband, es ging um Antrittsgelder und Förderprämien. Auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist nicht immer entspannt. Beim ATP-1000-Masters in Miami Ende März 2012 bat der Zögling den Stuhlschiedsrichter, seinen Vater aus dem Stadion werfen zu lassen, da dessen Meckerei ihn nerve.

Es hat sich viel aufgestaut bei Bernard Tomic. Umso erstaunlicher ist der Wandel, den er sich im Zwiegespräch mit sich selbst verordnet hat. "Ich fange an herauszufinden, wer ich wirklich bin und wie ich die Dinge anpacken muss", sagte er. Die neue Einstellung scheint sich auszuzahlen. Beim Hopman Cup Anfang des Jahres besiegte er die Nummer eins Novak Djokovic, in Sydney holte er anschließend den ersten Turniertitel seiner Karriere als Profi.

Federer gewann bislang alle Duelle

Auch bei den Australian Open macht er bisher einen guten Eindruck. Nach seinem Zweitrundensieg gegen den deutschen Qualifikanten Daniel Brands widmeten die Turnierveranstalter ihm den "Shot of the Day": Einen Volley-Stop von Brand erlief er wieselflink, drehte sich um 360 Grad und retournierte Brands Passierball mit einem präzisen Topspin-Winner.

Nun kommt es also zum Duell, auf das sie "down under" alle gehofft haben. "Ich bin sehr selbstbewusst, jetzt ist der richtige Moment, um gegen Federer zu spielen", sagt Tomic. In der Heimat des Schweizers haben sie sich bereits auf den "frechen Tomic" ("Blick") und "vorlauten Jungspund" ("Neue Züricher Zeitung") eingeschossen. Doch der Routinier bleibt betont gelassen: "Er hat letztes Jahr viel gelernt." Seine Entwicklung sei positiv, mehr nicht. Alle der bisherigen drei Begegnungen zwischen den beiden gewann Federer.

Tomic hingegen hofft gegen den Wimbledonsieger von 2012 auf ein frühes Break, um dann über seine zurzeit größte Stärke, sein Service, zu kommen. 76 Aufschlagspiele hintereinander hat er inzwischen kein Break mehr hinnehmen müssen. Das ist eine guter Wert. Dem gegenüber stehen Federers 34 Viertelfinals bei Grand-Slam-Turnieren in Folge. Ein noch weit besserer Wert.

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