17.01.13

Bernd Schuster

"Große Spieler werden Pep Guardiola folgen"

Spanien-Experte Bernd Schuster spielte selbst acht Jahre in Barcelona und kennt den neuen Bayern-Trainer genau. Für die Bundesliga sei seine Verpflichtung ein Gewinn – und könnte erst der Anfang sein.

Quelle: Reuters
17.01.13 1:20 min.
Der spanische Trainer Josep Guardiola wird ab Juli 2013 neuer Trainer des FC Bayern München – für drei Jahre. Er tritt die Nachfolge von Jupp Heynckes an, der seinen Vertrag nicht verlängern möchte.

Von 1980 bis 1988 spielte Bernd Schuster (53) beim FC Barcelona, machte in 170 Ligaspielen 63 Tore und wurde zum Weltstar. Noch heute lebt er in Spanien, erlebte dort hautnah den Aufstieg von Pep Guardiola zum begehrtesten Trainer der Welt mit. Dessen Wechsel zum FC Bayern kam aber selbst für Schuster, einst Meister-Trainer von Real Madrid, überraschend.

Berliner Morgenpost: Wie bewerten Sie den Wechsel von Pep Guardiola zum FC Bayern, Herr Schuster?

Bernd Schuster: Ich hätte eher gedacht, dass er nach England geht. Aber ich freue mich – für ihn und die Bundesliga. Dass einer der besten Trainer der Welt nach Deutschland kommt, wertet die gesamte Liga auf.

Berliner Morgenpost: Was sagt das über den Stellenwert der Bundesliga aus?

Schuster: Es zeigt, dass die Liga international weiter auf dem Vormarsch ist. Schon Transfers wie der von Raul (ehemaliger Schalke-04-Stürmer, d.Red.) haben gezeigt, dass sie zunehmend attraktiv für die Weltspitze wird. Bis dahin sind die Superstars ja eher nach Italien, England oder Spanien gegangen. Das ändert sich nun. In Spanien hat die Bundesliga einen exzellenten Ruf. Insofern ist es nur logisch, dass Guardiola sich für die Bayern entschieden hat. Es ist typisch für ihn.

Berliner Morgenpost: Wieso typisch?

Schuster: Er hat sich einen Klub gesucht, bei dem er seine Ideen verwirklichen kann und der die Möglichkeiten hat, ihm eine Klassemannschaft zu bieten. Das wäre sicher in Chelsea oder bei Paris St. Germain ähnlich gewesen. Aber in München sind die Strukturen des Vereins solider.

Berliner Morgenpost: Nicht alle spektakulären Trainerverpflichtungen beim FC Bayern brachten auch Erfolg. Klinsmann scheiterte, auch van Gaal wurde unehrenhaft entlassen. Beide scheiterten auch, weil sie sich an den Bayern-Bossen aufgerieben haben.

Schuster: Ich glaube, dass echte Kaliber wie Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes, die sportlich uneingeschränkt kompetent und auch diplomatisch sind, bei den Bayern automatisch Erfolg haben. Louis van Gaal war einfach zu spröde in seiner Art für den Klub, obwohl auch er sportlichen Erfolg hatte. Diesen Fehler wird Pep Guardiola nicht machen. Er ist vom Typ her einer wie Hitzfeld, der sich und seine Außendarstellung gut im Griff hat. Er ist keiner, der große Sprüche macht und sich als Erfinder des Fußballs feiert.

Berliner Morgenpost: Guardiola stieg binnen drei Jahren vom Jugendtrainer zum umjubelten Superstar auf. Sie sind selbst Trainer: Wie erklären Sie das?

Schuster: Bei aller Wertschätzung für Guardiola darf man eins nicht vergessen: Sein Vorgänger Frank Rijkaard hat ihm in Barcelona eine starke Mannschaft hinterlassen. Er hat hervorragende Arbeit geleistet und den Grundstein für Guardiolas Erfolg gelegt. Spieler wie Messi, Puyol, Iniesta, Eto'o und Xavi waren schon da. Peps Vorteil war zudem, dass er eine Barca-Legende ist. Die Leute haben ihm automatisch Vertrauen entgegengebracht, und er kannte den Verein aus dem Effeff. Allgemein ähnelt die Situation von damals der, die er jetzt in München vorfinden wird. Auch dort wird ihm Heynckes eine Topmannschaft als hervorragende Basis hinterlassen.

Berliner Morgenpost: Was zeichnet Guardiola aus?

Schuster: Er beherrscht es perfekt, eine große Mannschaft zu führen. Bei einem Ensemble aus Superstars ist es ja fast wichtiger, aus den Einzelkönnern ein Team zu machen, als der Mannschaft eine Taktik oder ein Spielsystem zu verpassen. Die große Kunst ist es, die Spieler dazu zu bringen, sich zu respektieren und zusammen an einem Strang zu ziehen. Das hat man bei Barca an vielen kleinen Details gesehen: Wie die Spieler sich nach Toren umarmten, wie sie sich unterstützten, wie die Reservespieler mitgingen. Das war der große Vorteil gegenüber Real Madrid, wo die Spieler ja keinen Deut schlechter sind. Sie treten nur oft nicht als Mannschaft auf.

Berliner Morgenpost: Dort herrscht Jose Mourinho. Was sind die Unterschiede zwischen diesen beiden "Übertrainern"?

Schuster: Auch Mourinho setzt auf ein intaktes Mannschaftsgefüge. Aber er sucht mehr die Irritation, die Provokation. Auch gegenüber seinen Spielern. Das macht Guardiola nicht. Er spricht auch eine klare Sprache, setzt aber mehr auf Harmonie.

Berliner Morgenpost: Wird seine Verpflichtung Zugkraft für weitere Stars haben?

Schuster: Das kann ich mir gut vorstellen. Die Superstars der Branche werden sehr genau registriert haben, dass so ein Topmann in die Bundesliga gegangen ist. Ich denke, dass ihm der ein oder andere große Name folgen wird. Er wird die Zugkraft der Bundesliga noch verstärken.

Die Welt: Was ist vom FC Bayern unter Guardiola zu erwarten? Unschlagbarkeit?

Schuster (lacht): Da werden sich die Dortmunder schon was gegen ausdenken. Im Ernst: Ich bin gespannt. In Barcelona hat er ja das berühmte "Tiki-Taka" gespielt, das schnelle Kurzpassspiel. Aber dafür braucht man die entsprechenden Spieler. Er wird diese Spielweise nicht eins zu eins kopieren. Der deutsche Fußball hat seine Eigenarten. Er wird ihn nicht sofort auseinandernehmen und einfach den Barca-Stil kopieren. Auch für uns Trainer wird es spannend sein zu sehen, was er macht; ob er sich in München quasi neu erfindet. Mit Spielern wie Schweinsteiger, Kroos, Müller, Ribery und Robben hat er die Möglichkeit, etwas Eigenes zu kreieren.

Berliner Morgenpost: Wird die Sprache ein Hindernis sein?

Schuster: Nein. Er wird bis dahin Deutsch lernen und sich ansonsten auf Englisch oder per Dolmetscher verständlich machen. Da sehe ich kein Risiko.

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  • 15%

    In Klopp wird er seinen Meister finden.

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