16.01.13

Angelique Kerber

"Ich kämpfe um jeden Punkt, egal wie es steht"

Angelique Kerber hat bei den Australian Open in Melbourne die dritte Runde erreicht. Doch Deutschlands beste Tennisspielerin will mehr, wie sie im Interview mit der Berliner Morgenpost verrät.

Foto: dpa
Angelique Kerber
Angelique Kerber hatte in ihrem Zweitrundenmatch keine Probleme

Bisher läuft das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres problemlos. Auch die zweite Runde der Australien Open überstand Deutschlands beste Tennisspielerin ohne große Mühe, Angelique Kerber besiegte die Tschechin Lucie Hradecka 6:3, 6:1. An ihrem 25. Geburtstag trifft die Weltranglisten-Fünfte nun am Freitag auf die amerikanische Qualifikantin Madison Keys.

Berliner Morgenpost: Es soll in den kommenden Tagen sehr heiß werden in Melbourne. Da ist so ein Sieg im Eiltempo gewiss von Vorteil.

Angelique Kerber: Ich bin tatsächlich froh, dass ich in zwei Sätzen durch bin und ein bisschen Kraft sparen konnte. Denn jetzt fängt das Turnier richtig an, jetzt muss man etwas zeigen.

Berliner Morgenpost: Wie sehr belastet große Hitze den Körper, wie geht man damit am besten um?

Kerber: Viel und konstant trinken! Wir hatten beim Turnier in Sydney über 50 Grad auf dem Platz. Das ist schon eine Temperatur, bei der man nicht jeden Tag Tennis spielt. Aber das kennen wir seit Jahren. So ist Australien im Sommer, speziell hier in Melbourne kannst du alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben. Ich liebe Australien, Melbourne ist mein absolutes Lieblingsturnier.

Berliner Morgenpost: Ihre Stärke ist die Fitness und die Erkenntnis, dass Sie Drei-Satz-Matches fast immer gewinnen, zumindest vergangenes Jahr. Woher kommt diese Stärke?

Kerber: Ich denke zu keinem Moment über Spielstände nach. Egal. Ob ich 5:1 führe oder 1:5 hinten liege, ich kämpfe Punkt für Punkt, bis der letzte gespielt ist. Ich glaube, das ist eine große Stärke von mir.

Berliner Morgenpost: Wer gewinnt? Serena Williams oder Maria Scharapowa?

Kerber: Schwer zu sagen. Das Feld bei den Damen ist offener geworden, das ist gut so. Es ist bei uns spannend. Dazu kommt der Fakt, dass beim ersten Grand Slam zum Auftakt der Saison niemand weiß, wer gut drauf ist, wer seine Form schon hat. Daher sage ich, wer hier gewinnt in Melbourne, der hat es auch verdient.

Berliner Morgenpost: Wie sehr träumen Sie davon, den ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier gewinnen zu können?

Kerber: Natürlich träumt jede Tennisspielerin davon! Ich auch, klar doch. Aber es ist ein langer, harter Weg. Dafür muss man lange arbeiten. Wenn es dann dazu kommen sollte, wäre es natürlich toll. Persönlich mache ich mir aber keinen Druck, keinen Stress. Ich werde weiter rausgehen, mein Bestes geben und dann schauen wir einmal, was am Ende rauskommt.

Berliner Morgenpost: Sie sind die Nummer fünf der Welt, hatten eine grandiose letzte Saison. Wie sehr spüren Sie den Druck, die Erwartungshaltung ist ja enorm gestiegen?

Kerber: Natürlich spüre ich den. Der ist da, auch von außen. Den kann man auch nicht wegreden. Wenn ich mir jedoch den Druck nicht von allein mache, dann wird schon alles gut gehen. Das Schlimmste ist doch, wenn man von sich selbst zu viel erwartet.

Berliner Morgenpost: Sie wollen doch selbst bestimmt auch noch einen Schritt nach vorn machen, oder?

Kerber: Es ist natürlich etwas ganz Neues für mich. Da komme ich nach Melbourne, bin zum ersten Mal so hoch gesetzt. Damit muss auch ich erst umzugehen wissen, das wird sicher dauern. Ich habe aber schon viel in den letzten Monaten gelernt, bin auch schon erfahren.

Berliner Morgenpost: Wie fällt denn Ihr Blick zurück auf 2012 aus?

Kerber: Ich saß daheim am Weihnachtstisch und habe tatsächlich das Jahr Revue passieren lassen. Ich habe alles gegeben, was ich konnte in dem Jahr. Es geht sicher noch besser, klar. Aber wenn ich Weihnachten 2013 wieder am Tisch sitze und das Gleiche sagen kann, alles gegeben zu haben, dann bin ich zufrieden, dann war es wieder ein gutes Jahr.

Berliner Morgenpost: Andrea Petkovic wäre sicher auch gern hier. Wieder schwer verletzt, wieder vor Melbourne. Wie haben Sie das aufgenommen?

Kerber: Das war für mich ein großer Schock. Das ist so bitter, aber ich bin sicher, dass sie bald zurückkommt. Ich, wir alle, drücken die Daumen. Sie fehlt auf der Tour. Das merkt man einfach.

Berliner Morgenpost: Harmonie bei den Damen, Streit und Stress pur bei den deutschen Herren. Wie kommt es, dass es bei Ihnen keine Rivalität, keinen Ärger zu gibt?

Kerber: Wir kennen uns alle von klein auf. Jede geht seitdem den gleichen Weg, jede hat auch noch den gleichen Weg vor sich. Wir sind alle in einem Alter. Das ist wohl das Geheimnis, was hinter alledem steckt.

Berliner Morgenpost: Ihr Ziel für 2013?

Kerber: Mein Ziel ist es, das letzte Jahr zu bestätigen, gar nicht darüber nachzudenken, ein Turnier zu gewinnen oder mehr. Wenn es kommt, dann kommt es. Ich muss, ich werde weiter Erfahrung sammeln, auch vielleicht sammeln müssen. Stets das Beste zu geben, das ist mein Ziel. Was dabei herauskommt, werden wir dann am Ende der Saison sehen.

Berliner Morgenpost: … und in Melbourne möglichst sieben Spiele absolvieren zu dürfen?

Kerber: Ja, klar. Das wäre natürlich das Größte!

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