15.01.13

Tennis

Lisicki scheitert bei den Australian Open

Trotz einer 3:0-Führung im Entscheidungssatz musste sich die Berlinerin am Ende gegen Caroline Wozniacki aus Dänemark geschlagen geben.

Foto: Getty Images

Sabine Lisicki muss sich in diesem Jahr von der Grand-Slam-Bühne verabschieden
Sabine Lisicki muss sich in diesem Jahr von der Grand-Slam-Bühne verabschieden

Am Ende winkte Sabine Lisicki sogar noch lächelnd ins Publikum. Dabei musste sich die Berlinerin von der Grand-Slam-Bühne verabschieden, auf der sie doch so gern eine Hauptrolle gespielt hätte. Die Erstrundenpartie bei den Australian Open gegen die frühere Nummer eins der Weltrangliste, Caroline Wozniacki aus Dänemark, sollte nach einem schwachen zweiten Halbjahr 2012 zu einem Ausrufezeichen werden.

Doch die letztjährige Achtelfinalistin konnte im entscheidenden dritten Satz eine komfortable 3:0-Führung nicht zu ihren Gunsten nutzen und verlor am Ende mit 6:2, 3:6, 3:6. "Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Bei ein paar Schlägen haben hier und da ein paar Millimeter gefehlt. Ich habe dann das Selbstvertrauen verloren", sagte die Nummer 36 der Welt, die im Mai 2012 als Zwölfte schon nah an die Top 10 herangerückt war.

In der Hisense Arena deutete die 23-Jährige ihr zweifelsohne großes Potenzial an. Die Zuschauer begleiteten viele der knallharten Aufschläge (191 km/h) und Grundschläge von Lisicki mit hörbarem Staunen. Doch angesichts von 57 Fehlern – Wozniacki kam auf acht – überraschte die Analyse der hoch veranlagten Bollettieri-Schülerin. "Ich habe am Ende nicht aggressiv genug gespielt", sagte Lisicki.

Verletzungen wirken nach

Da half es auch nichts, dass sie sich nach einer guten Saisonvorbereitung in Kerpen und Florida "fitter denn je" fühlt: "Ich könnte stundenlang rumlaufen." Die Analyse von Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner klang da schon kritischer. "Dass sie nach dem 3:0 so den Faden verliert, ist von außen betrachtet unerklärlich. Sabine braucht jetzt viele Matches für die eigene Sicherheit", meinte Rittner. Und für das Selbstvertrauen, denn seit ihrem Viertelfinal-Einzug in Wimbledon im Sommer 2012 hat die immer wieder von Verletzungen und Krankheiten geplagte Lisicki nur vier von zwölf Spielen gewonnen.

Auch bei den US Open in New York im August hatte die Berlinerin, die 2011 im Halbfinale von Wimbledon stand, den Zweitrunden-Einzug verpasst. In Sydney hatte Lisicki zuletzt wegen einer Virusinfektion zurückgezogen. Ihre insgesamt drei Turniersiege feierte sie 2011 beziehungsweise 2009.

Auf der Suche nach dem "mittleren Faden"

Dass sie taktisch noch reichlich Luft nach oben hat, scheint auch die Rechtshänderin mit dem blonden Zopf begriffen zu haben. "Ich muss den mittleren Faden finden, so ein Zwischending", antwortete Lisicki auf die Frage, ob sie einen Plan B habe, wenn Plan A – das gnadenlose Powerspiel – nicht funktioniert. Tempo rausnehmen, das ist nicht die Sache der begeisterungsfähigen und extrovertierten Berlinerin. Um bis zum Ende eines Turniers auf der ganz großen Grand-Slam-Bühne mitspielen zu können, muss sie es aber lernen.

Während Lisicki zumindest lächelnd ihre Niederlage quittiert hatte, hatte Tommy Haas sein schwarzes Basecap tief ins Gesicht gezogen und blies Trübsal. Nach dem bitteren Erstrunden-Aus an der Stätte seiner größten Erfolge kokettierte der 34-Jährige sogar kurz mit einem Rücktritt. "Wenn morgen ein Angebot für etwas anderes kommt, würde ich es vielleicht annehmen", sagte Haas nach dem 6:7 (3:7), 6:4, 3:6, 6:4, 6:8 gegen Jarkko Nieminen (Finnland) in seinem Auftaktmatch in Melbourne.

Haas vergibt einen Matchball

Der Frust saß tief wegen eines vergebenen Matchballs in der Schlussphase des fünften Satzes auf Showcourt 3. Und der genervte Haas hatte nach der dritten Auftaktpleite bei einem Grand-Slam-Turnier in Serie Sorge, dass er vielleicht nie mehr in den geliebten Melbourne Park zurückkehren wird. "Wer weiß, ob ich nächstes Jahr hier bin. Mir geht das auf die Nerven, weil ich es selbst nicht weiß", erklärte der Weltranglisten-21., der nach einem Traum-Comeback 2012 in seiner vielleicht letzten Saison noch mal so richtig durchstarten will: "Deshalb ist diese Niederlage jetzt eine bittere Pille." Der Traum von Haas, seine Karriere vielleicht doch noch mit einem Grand-Slam-Titel abzurunden, wurde in der australischen Abenddämmerung noch ein Stück unrealistischer.

"Das ist sehr enttäuschend. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mein bestes Tennis spiele. Es wird ein paar Tage dauern, bis ich mich wieder normal fühle", sagte die einstige Nummer zwei der Welt und flüchtete nach dem Rückschlag Richtung Amerika. Die Zeit läuft gegen Haas – zuletzt hatte er 2007 im Halbfinale von Melbourne gestanden.

Halle-Sieger von 2012

Sollte es sein letzter Auftritt an der Stätte seiner größten Erfolge gewesen sein, wird er sicherlich das Intermezzo vom vergangenen Jahr als Abschiedsvorstellung in Erinnerung behalten. Damals hatte er dem späteren Finalisten Rafael Nadal in der vollen Rod-Laver-Arena einen heißen Kampf geliefert. Der Spanier hatte dem Deutschen nach dem Match anerkennenden Applaus gespendet, während auch die Fans ihren Tommy feierten. Zumindest einen Lichtblick sah der so oft verletzungsgeplagte Haas nach dem jüngsten Erstrunden-K.o. dann aber doch: "Körperlich habe ich mich auch im fünften Satz gut gefühlt. Das ist ein guter Schritt", meinte der Halle-Sieger von 2012.

Quelle: sid, dpa
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