09.01.13

Handball

Kretzschmar will Schwenker als DHB-Präsident

Im September geht die Amtszeit von DHB-Präsident Ulrich Strombach zu Ende. Nun bringt der Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar den ehemaligen Kieler Manager Uwe Schwenker als Nachfolger ins Spiel.

Foto: dpa
Stefan Kretzschmar
Stefan Kretzschmar ist ein Mann der klaren Worte

Eine Zäsur wird stattfinden, so oder so. Im September, beim Bundestag des Deutschen Handballbundes (DHB) in Düsseldorf, endet die 15-jährige Ära unter Präsident Ulrich Strombach, der mit seiner autokratischen Art in den vergangenen Jahren viele gegen sich aufgebracht hat.

Doch die Zeitenwende im deutschen Handball könnte spektakulärer ausfallen als bisher angenommen. Denn auffallend oft fällt ein Name: Uwe Schwenker, ehemaliger Manager des THW Kiel.

Der erste, der ihn nun ins Licht der Öffentlichkeit rückt, ist Stefan Kretzschmar. Der ehemalige Nationalspieler bringt Schwenker und sich in der "Sport Bild" für die Posten des DHB-Präsidenten und Teammanagers der Nationalmannschaft in Position. Es könnte ein Vorstoß mit Kalkül gewesen sein. Womöglich um auszuloten, ob der Name Schwenker wieder gesellschaftsfähig ist.

Vom Bestechungsvorwurf freigesprochen

Ein Aufschrei wird es eher nicht geben. Und auch juristisch droht Schwenker, der im Sommer 2009 wegen der Manipulationsvorwürfe als Manager des THW Kiel demissionieren musste, wohl kein großer Ärger mehr.

Bereits im Januar vergangenen Jahres war Schwenker am Landgericht Kiel vom Vorwurf der Bestechung freigesprochen worden. Und auch für den Vorwurf der Untreue, die nach einem Beschluss des Bundesgerichtshofes Leipzig wegen eines Formfehlers neu verhandelt werden muss, sieht alles nach Freispruch aus.

Den vielen Stimmen im Hintergrund, wonach Schwenker eine hohe Position im DHB anstrebe, widerspricht er jedenfalls nicht. "Ich will zuerst meinen Freispruch. Erst dann werde ich über andere Dinge sprechen."

Gislason als Bundestrainer?

Aber dass ihn ein offizielles Amt reizt, in dem die nötigen Reformen im deutschen Handball vorangetrieben werden können, daraus macht er kein Geheimnis. "Ich war immer dem Handball verbunden und bin mit allen immer noch sehr eng. Es gibt auf allen Ebenen eine Menge Handlungsbedarf."

Der Coup scheint von langer Hand vorbereitet. Denn Schwenker agiert keineswegs allein. Einer derjenigen Funktionäre, die stets in höchsten Tönen über Schwenker reden, spricht seit Monaten mit den Funktionären in den Landesverbänden über die Zukunft des deutschen Handballs: Bob Hanning, umtriebiger Manager der Füchse Berlin. Es geht darum, die nötigen Mehrheiten für die Neuwahlen zu sichern. "Im Rückraum wird heftig gewirbelt", sagt dazu ein Insider.

Zieht Füchse-Manager Hanning die Fäden?

Auch Hanning werden Wechselabsichten zum DHB nachgesagt. Je nachdem, welchen Vorschlag die Funktionäre für die Strukturreform im DHB beschließen, soll Hanning entweder als DHB-Vizepräsident für Leistungssport wirken, oder als hauptamtlich tätiger Generaldirektor auf der Geschäftsstelle. "Diese Überlegungen sind mir alle nicht neu", sagt dazu Schwenker.

Hinter den Kulissen wird bereits eifrig an der Neuausrichtung gearbeitet, was auch Auswirkungen auf die aktuelle Situation bei der Nationalmannschaft haben würde. Denn als zukünftiger Trainer der DHB-Auswahl wird kein Geringerer als der Isländer Alfred Gislason gehandelt, noch beim Rekordmeister THW Kiel tätig – ein enger Freund und Trauzeuge Schwenkers.

Gislason hat zwar immer erklärt, erst im Alter von 60 Jahren sich ausschließlich um Nationalmannschaften kümmern zu wollen. Aber jetzt dementiert 53-Jährige nicht, wenn man ihn auf dieses Thema anspricht. Nicht ausgeschlossen, dass Martin Heubergers Aus (Vertrag bis 2014) bereits beschlossene Sache ist. Völlig unabhängig davon, mit welchem Erfolg das Team von Freitag an die WM in Spanien bestreitet.

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