04.01.13

Nürnberg

Bloß kein Regen! 50.000 Zuschauer beim Eishockey

Samstag findet erstmals ein Spiel der Deutschen Eishockey-Liga in einem Fußballstadion statt. Der Umbau dauerte vier Wochen. Jetzt gibt es nur noch ein großes Problem: den Wetterbericht.

Von Marcel Stein
Foto: dpa

Es soll ein Spektakel werden, das den ganzen Eishockeysport in Deutschland nach vorne bringt: Am Samstag werden im Nürnberger Fußballstadion 50.000 Fans erwartet, wenn dort die Nürnberg Ice Tigers und die Eisbären Berlin beim DEL Winter Game aufeinandertreffen. Dafür wurde extra eine künstliche Eisfläche verlegt.

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Augsburg war lange das letzte Relikt einer alten Zeit. Im Curt-Frenzel-Stadion fror jeder, es zog an allen Ecken und Enden – von modernen Bedürfnissen hatte sich diese Eishockeyarena mit ihren offenen Seiten schon lange entfernt. Seit etlichen Monaten läuft die Sanierung, die Halle wird geschlossen, und die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) vollzieht damit den letzten Schritt weg vom ursprünglichen Eishockey.

Ein paar Kilometer weiter nördlich, in Nürnberg, soll die Tradition am Samstag aber noch einmal aufleben. Raus an die frische Luft, Eishockey unter freiem Himmel, "Winter Game" genannt. Zum ersten Mal gibt es so ein Spiel in der DEL, und alle sind entzückt, besonders natürlich die Teilnehmer.

"Das ist Old-School-Hockey"

"Das erinnert mich an früher", sagt Don Jackson, US-amerikanischer Trainer der Eisbären Berlin. Der Meister ist Gast der Nürnberg Ice Tigers. Deren Trainer, der Schwede Bengt-Ake Gustafsson, erzählt: "Als Kinder haben wir immer draußen gespielt, jeden Tag. Wir sind aus der Schule gekommen, haben direkt unsere Schlittschuhe angezogen und sind aufs Eis gegangen."

Zurück zu den Wurzeln also, ein bisschen in Nostalgie schwelgen. Das Freiluftspiel weckt viele Erinnerungen. Als "Old-School-Hockey" beschreibt Patrick Reimer, Kapitän der Ice Tigers, die Bedingungen.

Don Jacksons letzte Versuche unter freiem Himmel liegen schon lange zurück, 56 Jahre alt ist er, mit 14 spielte er zuletzt draußen. "Damals ging es nicht um Entwicklung und Professionalität, sondern nur um Spaß", sagt er.

Den Zuschauerrekord hält Schalke

Das hat sich jetzt verändert. Sicher sollen alle ihre Freude haben, aber einfach nur aus Spaß findet dieses "Winter Game" nicht statt. Es soll ein Instrument sein, das die Entwicklung der DEL vorantreibt. Dafür wurde ein großer Aufwand betrieben, denn die Partie wird nicht etwa auf einem zugefroren See ausgetragen, sondern die Nürnberger Fußballarena wurde mit einer Eisfläche versehen. "Ich glaube nicht, dass irgendeiner im Vorfeld gewusst hat, wie viel Arbeit mit dem 'Winter Game' tatsächlich zusammenhängt", sagt Lorenz Funk junior, Geschäftsführer der Ice Tigers. Gut eine Million Euro wurde investiert.

Dafür gibt es nun das meistbesuchte Eishockeyspiel unter freiem Himmel in Europa, 50.000 Zuschauer werden in Nürnberg sein. Das sind zwar weniger als 2010 "Auf Schalke" beim Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft (77.803), dort aber war die Arena geschlossen.

Spiele dieser Ausmaße gehören im Eishockey seit längerem zu wichtigen Marketinginstrumenten. Schon 2007 installierte die nordamerikanische Profiliga NHL ihr "Winter Classic", auch in Schweden und Finnland wird einmal in der Saison oben ohne gespielt. Weil es auf diese Weise gelingt, den Sport noch breiter in die Öffentlichkeit zu bekommen – durch ein Event mit Strahlkraft.

Um 16.30 Uhr geht es Samstag los

"Bei unserer Vision, dem Eishockey in Deutschland langfristig und nachhaltig mehr mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen, hat das 'Winter Game' eine zentrale Bedeutung", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Voraussetzung dafür wäre, dass es kontinuierlich stattfindet.

Im Plan ist das vorgesehen, eine Garantie gibt es wegen der hohen Kosten nicht. Thomas Sabo, der Geldgeber der Ice Tigers, hat viel privat investiert. Unterstützend tritt Servus TV, der Fernsehpartner der DEL, als Hauptsponsor auf. Dafür sendet Servus TV am Samstag von 13.30 Uhr an, Spielbeginn ist 16.30 Uhr. Im Stadion werden die Fans mit reichlich Rahmenprogramm versorgt, sogar Eishockeylegenden wie Erich Kühnhackl schnüren noch einmal die Schlittschuhe.

Spielbetrieb bis 18 Grad Celsius

Gut vier Wochen brauchte es, die Fußballarena in ein Eishockeystadion zu verwandeln. Mit drei riesigen Kühlaggregaten wird das sieben Zentimeter dicke Eis auf eine Temperatur von minus zehn Grad Celsius gebracht. Selbst bis 18 Grad Celsius wäre so der Spielbetrieb noch gewährleistet. Doch so warm soll es gar nicht werden.

"Aber was passiert, wenn es regnet?", fragt der Berliner Verteidiger Jens Baxmann. Dann könnte sich alles in die Länge ziehen, denn überfrierender Regen würde das Eis nur schwer bespielbar machen. Mit Gummischiebern müsste dann das Wasser entfernt werden. Vielleicht sollten sich alle schon mal darauf einstellen, denn Regen ist für Nürnberg am Samstag vorhergesagt.

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