01.01.13

Skirennen

Warum die Alpinen neidisch auf Stefan Raab sind

Mit noch mehr Rennen in Großstädten wie in München wollen die alpinen Skifahrer in Zukunft neues Publikum locken. Selbst für Downtown New York gibt es Pläne: "Das ist wie mit Rockkonzerten."

Von Jens Hungermann
Foto: dapd
Präparierung der Olympiaberg-Skipiste
Das City-Event in München am Neujahrstag 2013 muss nicht – wie im Vorjahr – ausfallen. Allerdings musste Schnee aus dem Chiemgau erst per LKW hergeschafft werden, damit eine Piste überhaupt präpariert werden kann (Foto)

Ein bisschen neidisch sei er ja auf Stefan Raab, sagt Günter Hujara (60): "Was der alles organisieren kann an verrückten Sachen. So etwas kann sich ein Sportverband nicht erlauben." Skirennen mit Bratpfannen an den Füßen nach Vorbild von Raabs Wok-WM oder so? Besser nicht!

Die Alpinen sorgen aber auch so für Gaudi, jedenfalls mühen sie sich seit Jahren, ihren Weltcup anzureichern mit Veranstaltungen abseits der hohen Berge. Der Deutsche Hujara ist Rennleiter im Ski-Weltverband Fis, mit Verve treibt er die Verbreitung sogenannter City-Events voran – Parallelslalom-Wettkämpfe in großen Städten wie jenem am Neujahrstag 2013 in München.

Erst am Freitag bestätigten die bayerischen Veranstalter, dass die zweite Auflage nach 2011 trotz hartnäckiger Plustemperaturen übermorgen stattfinden kann im Gegensatz zum Vorjahr (40 LKW-Ladungen Schnee aus Reit im Winkl sei dank). "Unsere Zielsetzung ist klar", sagt Hujara: "Raus in die Städte, Interesse wecken bei den Leuten für alpine Skirennen."

Zwei Stunden Live-Übertragung

25.000 Menschen sahen vor zwei Jahren im Münchner Olympiapark zu, aber noch aus einem anderen Grund fühlen sie sich bei der Fis bestätigt in ihrem Bestreben, dauerhaft Stadtrennen im Rennkalender zu verankern: "Zwei Stunden Liveübertragung im Fernsehen am Neujahrstag – das ist eine hervorragende Situation. Auch deswegen kämpfen alle für das Event in München." Der zweite Parallelslalom dieses Winters soll am 29. Januar in Moskau ausgetragen werden, zweimaliger Gastgeber bereits 2009.

Unter den besten Skifahrerinnen und Skifahrern der Welt sind die Wettbewerbe im K.-o.-System mit je 16 Starterinnen und Startern nicht unumstritten. Während die einen hinter vorgehaltener Hand über ein sportlich zweifelhaftes Vergnügen murren, freuen sich andere wie Maria Höfl-Riesch (28/"Das ist einzigartig") oder Felix Neureuther (28) "extrem" auf München: "Die Premiere vor zwei Jahren war der absolute Hammer. Ich habe jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die Zuschauermassen denke."

"Mehr Show als Rennen"

Der beste Slalomfahrer des vergangenen Winters, Marcel Hirscher (23) sieht die Sache pragmatisch: "Mehr Show als Rennen", sei so ein City-Event, aber es sei dennoch "enorm wichtig für uns. Wir müssen den Wintersport zu den Stadtmenschen bringen". Zu jenen also, von denen ein Teil den Weg von sich aus in die Berge zu Weltcuprennen scheuen würde – und die der Anblick flink wedelnder Sportler im besten Falle dazu animiert, die eigenen alten Latten im Einzelhandel gegen neue einzutauschen.

Die Wettkampfform des Parallelslaloms, findet ein alter Draufgänger wie Olympiasieger Markus Wasmeier (49) "ist Unterhaltung auf hohem sportlichem Niveau. Er sagt: "Solche Aktionen hat es zu meiner Zeit auch schon gegeben. Wir sind in Wien gefahren, in München, in Berlin auf dem Teufelsberg. Ich finde es fantastisch, dass man mal den Menschen, die ihn sonst nur am Fernseher verfolgen, den Sport näher bringt. Das ist wie mit Rockkonzerten: Man kennt zwar das Lied, aber wenn man den Musiker live erleben kann, ist das noch mal was ganz anderes."

Konkurrenz durch die jungen Disziplinen

Und auch einer wie Harti Weirather (54), Vermarkter des Klassikers in Kitzbühel, meint: "Heute ist der Sport Unterhaltungsprodukt. Dem kann sich der Skisport nicht verschließen." Zumal die Konkurrenz zu anderen, jugendaffinen Disziplinen wie Ski Cross oder Snowboardcross unübersehbar ist.

Um tatsächlich die Besten zu locken, vergibt der Weltverband in dieser Saison in München und Moskau erstmals nicht bloß Punkte für die Gesamtweltcupwertung, sondern auch für die Slalom-Spezialwertung. Startberechtigt sind in den beiden Parallelwettbewerben des Winters die jeweils zwölf besten Slalomfahrer sowie die vier Erstplatzierten des Gesamtweltcups.

Längst reichen die Pläne der Fis weit voraus. Genau wie die sogenannten Teamevents (gemischte Mannschaften) sollen City-Events dauerhaft im Kalender verankert werden. München hat vom Weltverband schon jetzt Planungssicherheit bis 2015 bekommen, andere scharren bereits in den Startlöchern, maximal drei solcher Rennen soll es geben.

Rom und New York zeigen Interesse

Nicht ohne Stolz verweist Fis-Mann Hujara auf das Interesse weiterer Großstädte. Der italienische Skiverband etwa möchte 2014 oder 2015 in Rom ein Rennen aufziehen. Der spektakuläre Plan zielt auf den Circus Maximus ab, in den die Skiläufer mit Streitwagen gebracht werden könnten. Wann gefahren werden kann, hängt jedoch auch mit technischen Fragen zusammen. Etwa jener, wie reif die Möglichkeit effektiver Kühlschlangen unter dem Schnee ist.

Zudem plant eine Gruppe von Investoren gemeinsam mit dem US-Skiverband ein City-Event in New York. Im Gespräch ist als Austragungsort die Tennisanlage in Flushing Meadows. "Die Pläne werden geprüft", sagt Günter Hujara. Er betont: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Er wisse allerdings nicht, juxte Fis-Präsident Gian Franco Kasper (68) neulich, "ob der Papst dann in Rom den Vorläufer gibt oder nicht".

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