01.01.13

Superstars

2013 wird das Jahr dieser acht Sportler

"Mit Platz zwei beginnt die Niederlage", lautet eine recht totalitäre Weisheit des Sports. Für diese acht Männer und Frauen hat sie Gültigkeit. Sie werden ihre Disziplinen im Jahr 2013 dominieren.

Foto: dapd

Marit Björgen
Die Norwegerin ist seit Jahren die dominierende Langläuferin. Bei Olympia 2010 gab es dreimal Gold und bei der vergangen WM vier Titel. Das ist auch das Ziel für die Titelkämpfe im Februar in Val di Femme.

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Nur ihr Herz kann Marit Björgen stoppen

Der Schreck war riesig, als sie unlängst wegen Herzproblemen das Training abbrechen musste. "Ich fühlte mich unwohl, mein Puls begann zu rasen", erzählte Marit Björgen besorgt. Unweigerlich dachte die 32-Jährige an ihren Landsmann Dale Oen. Der norwegische Schwimmweltmeister war im Alter von 26 Jahren im Frühjahr an einem Herzinfarkt gestorben. Die Ärzte gaben der Seriensiegerin auf Langlaufski jedoch Entwarnung. Die diagnostizierten Herzrhythmusstörungen seien nicht besorgniserregend. Aufatmen nicht nur bei der Betroffenen, sondern bei einer ganzen Nation, von der die Loipenkönigin auf Händen getragen wird. Seit den olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver, wo sie dreimal triumphierte, gilt die Allrounderin mit Piercings im rechten Ohr und über dem linken Auge als nahezu unbesiegbar.

Vier Weltmeistertitel gewann sie vor Jahresfrist am heimischen Holmenkollen, im Februar bei der WM in Val di Fiemme soll es die Wiederholung geben. 57 Mal – so häufig wie keine andere ihres Metiers - stand sie nach einem Weltcuprennen ganz oben auf dem Podest. Auch der Saisoneinstand hätte nicht besser verlaufen können. Sechsmal ging die immer gut gelaunte Skandinavierin an den Start, sechsmal ließ sie die Konkurrentinnen hinter sich. Dass sie ihren Siegeszug fortsetzen wird, gilt als verbrieft. Vorerst aber muss sie sich in Geduld üben. Die Mediziner rieten ihr noch von Wettkämpfen ab. "Das ist schwer zu akzeptieren, denn ich bin in einer tollen Form", sagt sie. Man glaubt es ihr gern.

Missy Franklin: Rakete mit Schuhgröße 45

Auf Wiedersehen Michael Phelps – willkommen Missy Franklin! Recht verkürzt, aber so ließen sich die olympischen Schwimmwettbewerbe in London zusammenfassen. In Superstar Phelps verabschiedete sich der vielseitigste und erfolgreichste Schwimmer überhaupt in den Ruhestand. Die Zukunft im Becken gehört nun niemandem so sehr wie der 17 Jahre alten Schülerin aus Colorado. "Missy the missile" wird sie genannt, weil sie wie eine Rakete durchs Wasser rauscht. Und das nicht bloß über eine oder zwei Strecken. Wie Phelps startete sie in London in drei Staffeln und vier Einzelwettbewerben – so viel Wettkampfhärte hatte sich vor ihr nie eine Frau zugetraut.

Das Resultat: viermal Gold, einmal Bronze. Schon ein Jahr zuvor hatte sie drei Weltmeisterschaftstitel sowie einmal Silber und Bronze geholt. Ihrer Konkurrenz wird das für die kommenden Weltmeisterschaften im Sommer in Barcelona nicht gerade Mut machen. Franklin wird dort Gold gewinnen – die Frage ist lediglich, wie oft. Den Spitznamen "Weiblicher Phelps" hört sie dennoch nicht allzu gerne. Auch wenn "America's Sweetheart" als Frau ähnlich bevorteilt konstituiert ist wie Phelps bei den Männern: Franklin ist 1,85 Meter groß und hat Schuhgröße 45.

Frische Millionen machen Vettel noch stärker

Der Tag des letzten Rennens der zurückliegenden Saison war in doppelter Hinsicht ein guter für Sebastian Vettel. Klar, er wurde nach einer spektakulären Aufholjagd zum dritten Mal Weltmeister, besser geht es kaum für einen 25 Jahre alten Formel-1-Rennfahrer. Langfristig gesehen verbarg sich die viel bessere Nachricht für den Heppenheimer jedoch in einer dürren Mitteilung seines Arbeitgebers Red Bull: "Infiniti und der dreimalige Konstrukteurs-Weltmeister Red Bull Racing bauen ihre Zusammenarbeit aus", hieß es dort: "Die Partnerschaft betrifft auch den Teamnamen, ab 2013 wird das Team Infiniti Red Bull Racing heißen." Rund 15 Millionen zusätzliche Euro soll die Kooperation in die ohnehin üppig gefüllten Kassen der Österreicher spülen.

Das zusätzliche Geld dürfte "Europas Sportler des Jahres" im kommenden Jahr zu alter Dominanz verhelfen, denn Vettel und sein Stallgefährten Mark Webber haben kommende Saison eine Ausnahmestellung im Fahrerfeld: Während alle anderen Teams ihre Kräfte und Budgets auf die übernächsten Saison ausrichten, bei der die Kräfteverhältnisse aufgrund einer neuen Motorenformel durcheinandergewirbelt werden, steigert Red Bull seinen Etat schon im Übergangsjahr 2013 deutlich. Ferrari hingegen, Arbeitgeber von Rivale Fernando Alonso, verlegte die Entwicklung des neuen Boliden in den früheren Toyota-Windkanal nahe Köln; der firmeneigene im italienischen Maranello wird hochgerüstet für 2014. Red Bull hat derlei Sorgen nicht: Die Strömungsröhre des Weltmeisterteams gilt jetzt schon als die modernste in der Formel 1 – auch ohne die Infiniti-Millionen.

Usain Bolt zündet den Nachbrenner

Etwa ein Dreivierteljahr vor den Olympischen Spielen vorigen Sommer nahm Usain Bolt, 26, mit DJ Steve Porter einen Song auf: "Faster Than Lightning", was "schneller als der Blitz" bedeutet. "Egal wer du bist, egal was du tust, du wirst mich nicht kriegen, du wirst mich nicht besiegen", rappte der Jamaikaner im Video zum Lied – und hielt sein Versprechen. In London machte Bolt die Welt abermals staunen mit der Wiederholung von drei Olympiasiegen über 100 und 200 Meter und mit der 4x100-Meter-Staffel. Rennen, über die nicht nur das "Wall Street Journal" schmachtete: "Wer dabei war, wird diese Momente nie vergessen."

Kommenden August nun stehen die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau an. Praktisch nichts spricht dafür, dass der prominenteste Exportschlager der Karibik dort seinen Nimbus als Über-Läufer einbüßt. Neben Olympiagold wirken WM-Siege in Bolts Vita zwar bloß wie Appetizer, doch sagt er: "Es geht nicht nur um schnelle Zeiten. Es geht um Titel." Nur Müdigkeit, Verletzung oder Langeweile (oder unentdeckte Dopingmittel im Lager der Konkurrenz) werden die anhaltende Dominanz des Wundersprinters 2013 wohl verhindern können. Wie rappt er? "Wenn ich Top-Speed erreiche, zünde ich den Nachbrenner." Oha.

McIlroy bricht Rekorde und Herzen

Der Grand Slam im Golf war bislang nichts als eine Schimäre. In dieser launenhaften Sportart binnen eines Kalenderjahres die vier wichtigsten Turniere zu gewinnen, ist unter den Profis nicht einmal Tiger Woods gelungen. Obwohl er bei 14 dieser Majors triumphierte, 623 Wochen die Weltrangliste anführte und manchmal so entrückt war, dass er mit zehn Schlägen Vorsprung gewann.

Gleiches galt es zuletzt immer häufiger vom "keltischen Tiger" zu berichten, dem Nordiren Rory McIlroy, 23. Der für die Verhältnisse seiner Sportart spektakulär junge Weltranglistenerste dominiert auf allen Kontinenten, vorige Saison spielte er sowohl auf der amerikanischen als auch auf der europäischen Tour das meiste Preisgeld ein – rund 15 Mio. Dollar insgesamt. Dazu hat er sich jungenhaften Charme und sportliches Spieltempo bewahrt: beides hebt ihn in der betulichen Golferszene derart heraus, dass man lange nach jemandem suchen kann, der ihm den Ruhm missgönnen würde.

Seine beiden bisherigen Majorsiege bei den US Open (2011) und US PGA Championship (2012) feierte McIlroy mit jeweils acht Schlägen Vorsprung. Und bei den zwei Majors, die er noch nicht gewann, US Masters und British Open, lag er zumindest schon mal deutlich in Führung. Kann er es also schaffen? Vielleicht schon 2013? In der Branche wird das zumindest nicht mehr ausgeschlossen. Zumal McIlroy schon etwas vollbrachte, was als schwieriger gilt denn jeder Schlag gegen

Durant ist Obamas Trainingspartner

In der NBA deutet viel auf eine erfolgreiche Titelverteidigung der Miami Heat um Superstar LeBron James hin. Die Hoffnung vieler Basketball-Fans auf Spannung trägt einen Namen: Kevin Durant von Oklahoma City Thunder. Der 24-Jährige wurde nach seiner ersten Saison 2007/08 zum besten Neuling ("Rookie of the year") gewählt, die vergangenen drei Jahre war er jeweils erfolgreichster Werfer der NBA. Noch vor seiner Debütsaison hatte Nike ihn für 60 Millionen Dollar über sieben Jahre unter Vertrag genommen.

Was Durant von vielen NBA-Profis so angenehm unterscheidet, ist seine völlige Distanz zu Ego-Zockerei, Starallüren, protzigem Gehabe und Skandalen – sein Spitzname "Durantula" hat rein sportliche Gründe. Schlagzeilen macht Durant nur durch seine spektakulären Leistungen auf dem Parkett. So war es keine Überraschung, dass ihn US-Präsident und Hobby-Basketballer Barack Obama 2010 zu einem privaten Wurftraining einlud. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er LeBron James als besten Basketballer der Welt ablöst. Dazu fehlt ihm noch der der wichtigste Titel: Durant ist noch nie NBA-Champion geworden.

Judd Trump spielt gerne dreckig

Bei den Snooker Welsh Open Anfang 2012 musste Judd Trump im Viertelfinale gegen Ronnie O' Sullivan antreten. Trump ist gerade 23 Jahre alt und vor allem für seine ausgefallenen Frisuren a la Marco Reus bekannt, Spitzname "Mr. Haircut 100". O'Sullivan ist 37, viermaliger Weltmeister und so etwas wie der Mick Jagger des Snooker. Trump begann das Match mit einem Century-Break, also einem Spielgewinn mit über hundert Punkten. Er ging das Spiel an, wie man es nur von seinem Gegenüber gewohnt ist: aggressiv, überlegt und mit einem unwiderstehlichem Drang zur Aktion. Der schmächtige Kerl aus dem englischen Bristol hat ein großes Ego und einen noch größeren Instinkt. Genau wie O' Sullivan. Der Meister gewann das Match in Wales zwar letztlich fünf zu drei, doch es lag bereits so etwas wie ein Thronsturz in der Luft.

"Ich spiele, um meinen Gegner zu zerstören und ihn am besten für den Rest der Saison zu ruinieren", lautet das unmissverständliche Motto Trumps. Von falscher Bescheidenheit und allzu großer Etikette hält er nichts. "Wenn die Spieler fluchen, werden sie mit einer Strafe belegt, wenn sie twittern, werden sie mit einer Strafe belegt. Ich halte das für Unsinn", sagt er. Und so zwitschert er bisweilen nach verlorenen Spielen seinen Ärger darüber, nicht "dreckig genug" gespielt zu haben. Einen Fingerzeig für die kommenden Jahre gab es bereits im November des Jahres: da verkündete O'Sullivan eine längere Auszeit vom Sport. Und Trump? Der erklomm mit seinem Sieg in China erstmals die Spitze der Weltrangliste. Als einer von zehn Spielern überhaupt. Trump könnte für das Snooker das werden, was Sebastian Vettel für die Formel 1 heute schon ist.

Hirscher, der Herrscher im Stangenwald

Als er das Bedürfnis seiner lechzenden Landsleute schlussendlich befriedigt und den Gesamtweltcup 2011/12 gewonnen hatte, da ächzte Marcel Hirscher vernehmlich: "Jeder hat nur noch über den depperten Glasbecher geredet!" Nun schultert der Ausnahmerennläufer mit 23 Jahren auch diesen Winter im Jahr der Schladminger Heim-WM wieder die Erwartungen der Skination Österreich. In allen sieben Technikrennen (Slalom, Riesenslalom) dieser Saison, in denen er gestartet ist, fuhr Hirscher aufs Podest.

Bei 94 Weltcupstarts in seiner Karriere (14 Siege) gelang ihm das insgesamt 34 Mal. "Brutal stark" finden ihn die Einen, einen "coolen Hund" die Anderen. Der momentan Zweitplatzierte der Gesamtwertung selbst – leidenschaftlicher Motocrossfahrer und im Ski-Weltcup mit Vater und Servicemann Ferdl einer der größten Tüftler – bleibt auf dem Boden. Alle "Hirscher-Mania" ist ihm suspekt: "Wenn Platz zwei nichts mehr wert ist, dann stimmt irgendetwas nicht." Was nicht heißt, dass er im Stangenwald von Slalom und Riesenslalom nicht immer Erster werden will. Und kann.

Gunnar Meinhardt, Jens Hungermann, Melanie Haack, Jörg Rößner, Florian Haupt und Christoph Cöln

Foto: pa/DPPI Media

17. März: Großer Preis von Australien in Melbourne. Sieger: Kimi Räikkönen (Lotus)

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