27.12.12

Eichin und Reuter

Nobody und Weltmeister auf heiklen Missionen

Der SV Werder holt Thomas Eichin als Manager, Augsburg versucht es mit Stefan Reuter. Zwei ungleiche Typen, die zukünftig ein Schicksal einen wird: Sie werden es schwer haben in ihren neuen Jobs.

Foto: pa/Pressefoto UL
Fussball 2. Bundesliga:  1860 Muenchen - FC Augsburg
Stefan Reuter wird ab sofort den FC Augsburg managen. Thomas Eichin wird im Frühjahr den SV Werder übernehmen. Beide Aufgaben sind heikel

Die besinnliche Zeit rund um den Jahreswechsel ist für Fußballtrainer für gewöhnlich eine eher bedenkliche Zeit. Wenn ihre Vorgesetzten Resümee ziehen, kommen sie dabei nicht selten zu der Erkenntnis, dass es mit einem neuen Übungsleiter in der Rückrunde nur besser werden kann. Und so müssen sich die Fans ab dem 18. Spieltag regelmäßig an neues Personal auf der Bank einstellen.

Auch in dieser Saison gehen Wolfsburg, Nürnberg und Hoffenheim mit neuen Trainern in die Rückrunde, und zählt man den Schalker Jens Keller hinzu, der bislang bei einem DFB-Pokalspiel im Dienst war, sind es vier Vereine, die personell umgeplant haben. Doch die wahre Revolution spielt sich diesmal dahinter ab. Denn nun holten sich gleich zwei Bundesligisten neue Manager. Und die wurden auch noch nahezu gleichzeitig vorgestellt.

Revolution in der zweiten Reihe

Den Anfang machte am Donnerstag der SV Werder Bremen, der gegen 9.30Uhr mit der Meldung vorpreschte, den verwaisten Managerposten zukünftig mit Thomas Eichin zu besetzen. Der FC Augsburg konterte um 14.00 Uhr: Dort wird ab sofort Stefan Reuter die Geschicke des Klubs leiten. Zwei spektakuläre Wechsel – allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

In Bremen rühmte sich der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke: "Wir haben für die Nachfolge von Klaus Allofs eine smarte Lösung angekündigt und sie mit Thomas Eichin gefunden." Das dürfte so mancher Werder-Fan anders sehen. Eichin hat noch nie einen Fußballverein gemanagt. Stattdessen übernahm er nach seiner Karriere als solider, aber denkbar ungefährlicher Bundesligaprofi (180 Spiele/null Tore), den Eishockeyklub Kölner Haie, den er bis heute betreut.

Eichin traf nie in ein Bundesligator

Doch gerade weil der 46-Jährige bislang fernab der eingetretenen Bundesligapfade wandelte, ist die Lösung zumindest spannend. Eigentlich wollten auch die Bremer einen Manager mit "Stallgeruch". Doch nachdem mit Marco Bode, Dietmar Beiersdorfer und Marc Kosicke, dem Berater von Oliver Bierhoff, gleich drei Kandidaten absagten, entschieden sich die Hanseaten für Eichin. Der fuhr extra nach Salzburg, wo Trainer Thomas Schaaf derzeit urlaubt, um Bremens starken Mann zu überzeugen – mit Erfolg.

Allerdings wird der Allofs-Nachfolger nicht sofort seinen Job antreten. Frühestens Mitte März, wenn die Eishockey-Saison beendet ist und er in Köln seinen Nachfolger eingearbeitet hat, wird Eichin nach Bremen umsiedeln. Dass er seit seinem Karriereende 1999 nicht mehr in der Fußballbranche aktiv war, sieht er nicht als Nachteil: "Ich bin immer noch gut vernetzt und habe den Fußball über die Jahre stets beobachtet. Es war immer klar, dass ich irgendwann zurückkehren werde", sagte er bei seiner Vorstellung am Donnerstagnachmittag.

"Bin noch immer gut vernetzt"

In Augsburg hingegen war zuletzt das Experiment gescheitert, mit einem branchenfremden Manager Erfolg zu haben. Nach nur zweieinhalb Monaten Amtszeit war dort kurz vor Weihnachten der frühere Torwart Jürgen Rollmann entlassen worden, der zuvor unter anderem als Journalist und Pressesprecher der bayerischen SPD gearbeitet hatte.

Nun hat der Bundesliga-17. auf Altbewährtes zurückgegriffen. Stefan Reuter soll die Augsburger inspirieren im nahezu aussichtslosen Kampf, die zehn Punkte bis zum Nichtabstiegsplatz doch noch zu egalisieren. Der frühere Welt- und Europameister hatte von 2006 bis 2009 bei 1860 München mit wechselnden Kompetenzen und überschaubaren Erfolgen gearbeitet. Zuletzt war er als Berater für eine Agentur tätig.

Reuter versucht das schier Unmögliche

Augsburgs Vorstandschef Walther Seinsch ist dennoch überzeugt von der Entscheidung: "Wir freuen uns, dass wir mit Reuter einen absoluten Fachmann gewinnen konnten. Er hat sich ganz kurzfristig zum FCA bekannt, weil er das Potenzial des Klubs erkannt hat." Reuter sagte, er habe die Entwicklung des Vereins intensiv mitverfolgt: "Ich war etliche Male im Stadion. Nun will ich daran arbeiten, die Klasse zu halten."

Das werde zwar schwierig, sei aber nicht unmöglich: "Es gibt ja auch die Möglichkeit der Relegation." Bis zur TSG Hoffenheim auf Platz 16, die es im Gegensatz zu den Augsburgern lieber mit einem neuen Trainer (Marco Kurz) probiert, sind es in der Tat nur drei Punkte.

Quelle: lwa; knb
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