27.12.12

Handball

Kieler Pleiten machen die Meisterschaft spannend

Durch die zweite Niederlage des THW Kiel in der Bundesliga innerhalb von zweieinhalb Wochen verliert der Rekordmeister die Tabellenführung an die Rhein-Neckar Löwen. Am Ende wurde es fast peinlich.

Foto: Bongarts/Getty Images
SG Flensburg Handewitt - THW Kiel
Die Spieler der SG Flensburg-Handewitt haben allen Grund zur Freude. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gewannen sie zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder ein Nordderby gegen den THW Kiel. Die Nordfriesen bezwangen den deutschen Rekordmeister 35:29

Zum Ende hin drohte gar ein Debakel. Neun Minuten vor dem Schlusspfiff schienen die kampferprobten Handballprofis des THW Kiel von allen guten Geistern verlassen zu sein. Neun Tore betrug der Rückstand im prestigeträchtigen Nordderby bei der SG Flensburg-Handewitt, nachdem die Gastgeber auf 32:23 davonzogen waren.

Dass die Männer von der Förde in der verbleibenden Spielzeit noch einige Treffer aufholen konnten, schmälerte aber letztlich deren Schmach nach der 29:35-Niederlage am zweiten Weihnachtsfeiertag in keiner Weise.

Zum zweiten Mal binnen zweieinhalb Wochen verließen die einst für unbesiegbar gehaltenen Kieler in der Bundesliga als Verlierer das Parkett. 585 Tage lang war der aktuelle Champions-League-Gewinner, Deutsche Meister und Pokalsieger von Sieg zu Sieg geeilt, 51 an der Zahl, ehe er am 9. Dezember beim 25:29 in heimischer Arena gegen die MT Melsungen erstmals wieder verloren hatte.

Doppelt lange Gesichter bei den Kielern

Nun folgte die nächste böse Bescherung im Kampf um die nationale Meisterschaft, die bei Spielern und Vereinsfunktionären gleich für doppelt lange Gesichter sorgte. Denn der Titelverteidiger büßte auch die Tabellenführung ein. Diese übernahmen vor der fünfwöchigen WM-Pause (11. bis 27. Januar in Spanien) die Rhein-Neckar Löwen mit 35:3 Punkten vor Kiel (33:5).

Die drittplatzierten Flensburger (30:8) jedoch hätten ihren Fans kein schöneres Geschenk zum heiligen Feste bereiten können, als den Erzrivalen nach 14 Niederlagen in Folge endlich wieder mal zu besiegen. Am 22. September 2007 war ihnen das letztmalig gelungen.

Wie sie die Kieler an die Wand spielten, beeindruckte. "Wir haben von der ersten bis zur 60. Minute die Partie kontrolliert. Das schaffen gegen den THW nicht viele Mannschaften in der Welt", sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes stolz. Torhüter Mattias Andersson bedachte der Coach mit einem Extralob. "Was Mattias gehalten hat, war überragend. Er war unser Matchwinner." Der schwedische Nationalkeeper parierte 20 Bälle.

"Die Rückrunde wird nun richtig interessant"

Trotz der Galavorstellung seiner Mannschaft wollte Vranjes den Angriff auf das Spitzenduo aber noch nicht ausrufen: "In den vergangenen Jahren haben wir einen Schritt auf den THW zu gemacht, aber das Niveau wie Kiel besitzen wir noch nicht."

Vranjes' THW-Kollege Alfred Gislason hofft derweil, "nicht mehr allzu viele Tage wie diesen in Flensburg erleben zu müssen." Trotz Bestbesetzung kam der deutsche Rekordchampion zu keiner Zeit der Begegnung richtig ins Spiel. Anstandsvoll honorierte der Meistermacher aus Island deshalb auch den Triumph der starken Nordfriesen: "Glückwunsch an Ljubo und Flensburg. Das war ein auch in dieser Höhe verdienter Sieg." Der Niederlage konnte Gislason aber auch Positives abgewinnen. "Ich habe schon immer gesagt, dass es eine enge Saison werden wird, die Rückrunde wird nun richtig interessant.

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