27.12.12

Neuer Werder-Manager

Fußballklubs buhlten seit Jahren um Eichin

Thomas Eichin wechselt vom Eishockeyklub Kölner Haie nach Bremen. Der neue Werder-Manager und ehemalige Bundesligaprofi bringt viel Erfahrung im Umgang mit Finanzen und bei Transfers mit.

Von Peter Stützer
Foto: pa/Franz Peter T/dpa
Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln
Thomas Eichin (l.) absolvierte 180 Bundesligaspiele. Hier grätscht der Gladbacher Verteidiger gegen den Kölner Henrik Andersen

Ach, FC. Wieder eine Chance verpennt. Dabei ist es von Sülz nach Deutz doch nur ein Katzensprung: über die Kölner Severinsbrücke gerade mal zehn Minuten. Doch da beginnt das Niemandsland für die Fußballer, wann immer sie in den letzten Jahren einen qualifizierten Geschäftsführer suchten, auf die Idee, mal bei den Freunden vom Eishockey vorbeizuschauen, kamen sie nie. Auf der Schäl Sick, wie sie in Köln zur anderen Rheinseite sagen, sitzt Thomas Eichin (46) am Schreibtisch, elf Jahre lang war er Geschäftsführer der Kölner Haie.

Nun geht er zurück in den Fußball. Aber nicht zum FC, sondern nach Bremen. Eichin wird neuer Geschäftsführer von Werder und tritt die Nachfolge von Klaus Allofs an. Werder hat einen erfahrenen Mann gefunden.

180 Bundesligaspiele

Eishockey war eigentlich gar nicht sein Metier, Eichin war Fußballer durch und durch, er kann auf 180 Bundesligaspiele mit Borussia Mönchengladbach verweisen. 180 Spiele, kein Tor, Eichin gilt immer noch als der torungefährlichste Feldspieler der Bundesliga, zu unterbieten ist er jedenfalls nicht. Im Eishockey galt er schnell und gilt er heute als überaus kompetent. Ob im Fußball oder im Eishockey, die Sportart ist tatsächlich auswechselbar, Hauptsache ist: Er macht einen verdammt guten Job, und das ist nicht immer so leicht in diesem Umfeld, in dieser Stadt.

Wie man einen Pleiteverein saniert, wie man Personal-Entscheidungen trifft, die dann auch sitzen: wie man den richtigen Trainer findet, mit ihm die passenden Spieler aus dem Ausland holt, richtige Profis ohne Fehl und Tadel, und wie man trotzdem konsequent auf deutsche Talente setzt, so sah Eichins Arbeitsplatzbeschreibung beim KEC aus.

Letzte Anfrage kam aus Dresden

Er verkörperte, erlebte den Job, wie sich das Funktionäre, Sponsoren, Fans und sogar die örtliche Journallie nur wünschen konnten. Eben erst war sein Vertrag beim KEC bis 2016 verlängert worden. Nun wird er wieder aufgelöst.

Das Thema Fußball kam alle Jahre wieder auf den Tisch, er hat es weder forciert noch abgeblockt. Mit steter Regelmäßigkeit meldeten sich Vereine, meist aus dem Fußball, die letzte Anfrage vor Werder kam vom Zweitligisten Dynamo Dresden, Eichin hat abgesagt. Es müsste schon ein außergewöhnlicher Job sein, der ihn vom KEC weglocken könnte, sagte Eichin noch vor wenigen Wochen. Klasse sucht Klasse, sagt er. In Werder glaubt er sie gefunden zu haben.

Durch die harte Schule ist er gegangen. Ob Fußball oder Eishockey, einfach ist es nie in Köln, hochemotional, die Kölner gucken den Machern ihrer liebsten Sportvereine ziemlich kritisch auf die Finger, und wenn da irgendetwas nicht in Ordnung ist, "dann gibt es Lack in der eigenen Stadt".

Bei den Haien oft der böse Bube

Die Führungsetage beim Kölner EC ist durchaus überschaubar, sie besteht aus genau einem Büro, Thomas Eichin arbeitete seit 1999 im Verein, seit 2001 führte er die Geschäfte, hat Krisen und Triumphe überstanden, geschont hat er sich dabei nie. Wenn da nur einer ist, kriegt eben der eine in Krisenzeiten alles ab. "Kein Problem, ich habe die Birne immer rausgehalten."

Wenn in Krisenzeiten plötzlich der größte Gesellschafter nicht mehr kann, wenn keiner mehr Geld mitbringt, wenn in der Stadt aber immer noch die Meisterschaft gefordert wird, dann sind das einsame Zeiten, Eichin rechnet vor: "Wenn die Finanzkrise keinen verschont, pro Spiel 2000 Zuschauer weniger kommen, macht das bei 30 Spielen leicht eine Million Miese."

Plötzlich war der Ex-Kicker als Sanierer gefragt, das tat allen weh, jeden Tag musste er in der Zeitung nachlesen, dass er der böse Bube sei, sonst gab es ja keinen.

Die bislang letzte Meisterschaft des KEC liegt zehn Jahre zurück, Werders bislang letzter Titelgewinn datiert aus dem Jahr 2004. Auch Eichins neuer Fußballklub muss sparen. Die Voraussetzungen scheinen ähnlich.

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