22.12.12

Europapokal-Sperre

Malagas Ausschluss hat einen faden Beigeschmack

Der spanische Erstligist FC Malaga wird gegen den einjährigen Europapokal-Ausschluss Berufung vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS einlegen. Die Strafe sei "unverhältnismäßig und ungerecht".

Foto: AFP
FC Malaga
Am Boden: Laut Urteil der Uefa darf der FC Malaga (hier Mittelfeldspieler Eliseu) in der nächsten Saison nicht am Europapokal teilnehmen

Er war brillant am Ball. Und er führte auf dem Platz so gut Regie wie kaum einer anderer zu seiner Zeit. Doch so viel Applaus wie einst bekommt Michel Platini schon längst nicht mehr. Seit der ehemalige französische Weltklasseprofi im Jahr 2007 als Präsident des europäischen Fußball-Verbandes Uefa angetreten ist, wird sein Wirken viel kritischer beäugt. Das bekam der 57-Jährige erst kürzlich zu spüren, als sein Vorschlag verabschiedet wurde, die EM 2020 in mehreren europäischen Ländern auszutragen. Der Sturm der Entrüstung war groß.

In dieser Woche nun haben Platini und seine Mitstreiter wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Am Freitag verhängten sie wegen Verstößen gegen das Uefa-Lizenzierungsverfahren eine Strafe gegen den FC Málaga. Der Champions-League-Achtelfinalist aus Spanien wird für ein Jahr aus dem Europapokal ausgeschlossen. Zudem muss der Verein, dessen Strafe keine Auswirkungen auf die laufende Spielzeit hat, eine Geldbuße von 300.000 Euro zahlen.

Ab 2015 gilt das "Financial Fairplay"

Grund der Maßnahme ist, dass Málaga seit Monaten mit Zahlungen an die eigenen Spieler, an andere Klubs sowie an das Finanzamt in Rückstand sein soll. Einen faden Beigeschmack hat die Sanktion allerdings deshalb, weil sie einen kleinen Klub trifft, den einzigen Novizen unter den Achtelfinalisten der Champions League. Und weil sich keiner so recht vorstellen kann, dass die Uefa bei einem dickeren Fisch ähnlich rigoros vorgehen wird – wenn ab 2015 die Maßgabe gilt, dass ein Verein sukzessive seine Ausgaben durch seine Einnahmen ausgleichen muss ("Financial Fairplay").

Also etwa gegen Paris St. Germain. Der Verein gehört seit anderthalb Jahren "Katar Sports Investments" und hat seitdem rund 240 Millionen Euro mehr an Ablöse ausgegeben als eingenommen. Der Europa-Chef von "Katar Sports Investments" heißt Laurent Platini. Und der ist kein geringerer als der Sohn von Uefa-Präsident Platini. Klar, noch verstößt PSG gegen keine Richtlinie. Aber die familiäre Liaison beschädigt Platinis Glaubwürdigkeit im Kampf gegen das Finanzdoping im Fußball.

Malaga will Berufung einlagen

Vergleichsweise geht es beim FC Málaga um Peanuts, und deshalb hat der Klub angekündigt, gegen das Uefa-Urteil Berufung vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS einzulegen. Nach Ansicht der Verantwortlichen sei die Strafe "unverhältnismäßig und ungerecht". Auf seiner Internetseite teilte der Klub mit, er habe eine "ungerechte, abschreckende Strafe bekommen, um ihn als Sündenbock darzustellen." Der Tabellenvierte der Primera División versicherte, dass er alle finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Erstligisten Osasuna und den eigenen Spielern erfüllt habe. Ein Beweis dafür seien die mehr als sieben Millionen Euro, die der Eigentümer des FC Málaga, Abdullah Al Thani, erst jüngst in den Verein investiert habe.

Al Thani. Katarer auch er, war im Sommer 2010 in Málaga angetreten. Er hatte den vor der Insolvenz stehenden Klub für 25 Millionen Euro übernommen, inklusive der 70 Millionen Euro Schulden. "Unser Budget hat kein Limit", sagte Vize-Präsident Abdullah Ghubn damals bei der Inthronisierung seines Chefs. Tatsächlich kamen zunächst für insgesamt rund 60 Millionen Euro neue Spieler, darunter ehemalige Bundesliga-Stars wie Ruud van Nistelrooy, Joris Mathijsen und Martin Demichelis. Málaga probte den Aufstand gegen die spanischen Spitzenklubs Real Madrid und dem FC Barcelona.

Doch im Sommer diesen Jahres blieben die Öl-Dollars plötzlich aus. Der FC Málaga bangte um seine Existenz und musste einige Spieler verkaufen, um die Gehälter der restlichen Profis zumindest ansatzweise zahlen zu können. Zudem trat Manager Fernando Hierro zurück. Der frühere Nationalspieler schien zu ahnen, was auf den Verein zukommen sollte. Durch das Urteil vom Freitag dürfte sich der frühere Weltklasse-Verteidiger bestätigt fühlen.

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