21.12.12

Löws Jahresbilanz

"Für mich ist das fast schon ein Horror"

Auch ein halbes Jahr nach dem EM-Halbfinal-Aus gegen Italien schreckt Joachim Löw manchmal aus dem Schlaf hoch. Und der Bundestrainer gibt zu: "Das 4:4 gegen Schweden war auch nicht das Gelbe vom Ei."

Die Niederlage im EM-Halbfinale gegen Italien bereitet Fußball-Bundestrainer Joachim Löw auch Monate danach schlaflose Nächte. "Das waren viele Abende, wo man im Bett liegt und aufwacht, so richtig hochschreckt, dann fallen einem einzelne Szenen ein, die kommen nach und nach bruchstückhaft aus dem Unterbewusstsein hoch", sagte Löw im Jahresabschluss-Interview mit dfb.tv.

Noch heute verfolge ihn das 1:2 in Warschau ab und an. "Für mich ist das fast schon ein Horror, da kriege ich Gänsehaut, wenn ich solche Spiele anschaue, aber im negativen Sinne."

Nach der Partie wurde Löw kritisiert, seine Taktik zu sehr an Italiens Mittelfeldstar Andrea Pirlo ausgerichtet zu haben. Er veränderte seine Mannschaft nach dem Viertelfinalsieg gegen Griechenland auf vier Positionen und bleibt auch beim dritten Turnier titellos.

"Klar wird jetzt viel über die Aufstellung diskutiert. Diese Verantwortung übernehme ich auch", sagte Löw unmittelbar nach dem Scheitern. Die rechte Mittelfeldseite hatte der DFB-Chefcoach verwaist gelassen, um das Zentrum zu stärken – die Italiener konnten ihr Glück kaum fassen und schlugen durch Kraftprotz Balotelli zweimal zu.

"Wir haben das große Ziel verpasst"

Das ernüchternde EM-Aus trübt auch Löws ansonsten positive Jahresbilanz. "Wir haben viele gute Situationen gehabt, aber auch das große Ziel, die EM zu gewinnen, ins Finale zu kommen, verpasst. Das 4:4 gegen Schweden war auch nicht das Gelbe vom Ei", sagte der 52-Jährige. In der WM-Qualifikation hatte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen die Schweden in Berlin ein 4:0 verspielt.

Auch nach der Partie gegen Schweden stand Löw in der öffentlichen Kritik, weil er in der letzten halben Stunde, als die Skandinavier immer mehr Druck machten, die offensiven Mario Götze und Lukas Podolski statt eines Abwehrspielers einwechselte.

Löw sieht seine Mannschaft für die WM 2014 in Brasilien dennoch "auf einem guten Weg", gerade auch, weil es schwere Rückschläge gegeben hat. "Manchmal müssen Dinge richtig weh tun, damit man lernt. So was wie gegen Schweden wird uns wahrscheinlich nicht noch einmal passieren", sagte der Bundestrainer: "Da gehen dann alle Warnlampen an: Stopp, halt, das müssen wir diesmal anders lösen!"

Quelle: sid/jr
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