31.12.12

Gold bei Paralympics

Alex Zanardi ist mehr als ein Ausnahmesportler

Alex Zanardi feiert mit dem Handbike einen triumphalen Erfolg bei den Paralympics, für das Siegerfoto stemmt er das Gefährt in die Höhe. Für den beinamputierten Rennfahrer ein Moment größten Glücks.

Dass der Mann ohne Beine über sich selbst hinauswachsen kann, hatte er schon bewiesen. Alessandro Zanardi besiegte den Tod, kämpfte sich zurück ins Sportlerleben. Seinen emotionalsten sportlichen Erfolg feierte der frühere Rennfahrer im Sommer in Brands Hatch nahe London aber ohne PS.

Als Zanardis Sieg im paralympischen Handbike-Zeitfahren perfekt war, packte er auf dem Asphalt sitzend die Rennmaschine mit einer Hand und reckte das Gefährt – immerhin fast doppelt so groß wie der Sportler selbst – zum Jubel in die Höhe. Es war vielleicht das beeindruckendste Siegerbild der Paralympics 2012.

Auf dem Foto ist mehr als nur ein Ausnahmesportler zu sehen: Kraft, Zielstrebigkeit und Erleichterung. "Einen glücklichen Typen" erkennt Zanardi selbst, als er sich wenige Monate nach seinem Gold-Triumph das Bild ansieht, das um die Welt ging. "Dieses Bild spiegelt die vergangenen zwei Jahre wider, zwei Jahre voller Glück."

Berühmtes Jubel-Foto

Alessandro Zanardi – so heißt er wirklich, durch die Zeit in den USA hat sich aber "Alex" eingebürgert – war neben Prothesenläufer Oscar Pistorius und einigen heimischen Athleten der Star dieser Behindertenspiele in der Themse-Metropole. Dass es Rekordspiele wurden, lag auch an ihm.

Noch nie waren bei den Paralympics so viele Prominente am Start, noch nie herrschte eine derartige Begeisterung bei den Fans. Auch der Hype in den Medien war neu: Zu Zanardis Siegerinterviews drängten sich bei herrlichem Spätsommerwetter am 5. September mehr Reporter und Kamerateams als bei dessen Rennen in der Formel 1.

"Nach zwei bezaubernden Jahren tatsächlich eine Goldmedaille um den Hals hängen zu haben... wow!", erzählt der 46-Jährige in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Das berühmte Jubel-Foto sieht er sich dabei immer wieder an, das Bild mit dem Handbike, dem italienischen Trikot, dem strahlenden Gesicht – und den fehlenden Beinen.

Mit dem Schicksal abgefunden

"Normalerweise sehe ich mich selbst nicht als Mann ohne Beine, als Behinderten", berichtet der Rennfahrer, der bei einem fürchterlichen ChampCar-Unfall 2001 auf dem Lausitzring beide Beine oberhalb der Knie, drei Viertel seines Blutes und fast sein Leben verloren hatte. "Wenn ich dann aber wieder so ein Foto vor mir habe, dann merke ich: Verdammt! Mir fehlen tatsächlich meine Beine."

Der Sportler und Mensch Alex Zanardi, der früher dachte, er würde lieber sterben, als ohne Beine zu leben, hat sich mit seinem Schicksal abgefunden. Dass er nie wieder laufen kann, durch diese Tatsache "lasse ich mir nicht meinen Tag vermiesen", betont der Familienvater in fließendem Englisch mit sympathisch italienischem Akzent.

Zanardi liebäugelt mit Sotschi

Außerdem hat er noch viel vor: 2016 will Zanardi in Rio wieder an den Start gehen und seine Paralympics-Goldmedaillen im Zeitfahren und Straßenrennen verteidigen. Zuvor liebäugelt er mit einem Auftritt bei den Winterspielen der Behinderten 2014 in Sotschi – womöglich im Skilanglauf.

Außerdem hat er auch dem Motorsport nicht endgültig den Rücken gekehrt: Anfang November drehte er in einem eigens für ihn gebauten DTM-Boliden einige Testrunden. Ob er irgendwann wieder Autorennen fährt – wer weiß? Sein Gefährt nach der Ziellinie mit einem Arm hochstemmen – das dürfte dann aber schwierig werden.

Quelle: dpa/fb
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