16.12.12

Huub Stevens

Herthas Ex-Trainer muss nun auch Schalke verlassen

Die sportliche Talfahrt von Schalke 04 hat Herthas Ex-Trainer Huub Stevens den Posten gekostet. Nachwuchstrainer Jens Keller übernimmt.

Von Oliver Müller
Foto: dapd

FC Schalke 04 - SC Freiburg 1:3
Schalke wollte mit einem Sieg den Abstand zu den Champions-League-Plätzen verkürzen.

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Kurz vor Beginn der Pressekonferenz wurde noch eine Besuchergruppe durch die Schalker Arena geführt. Die Schüler, die mit großen Augen die Räumlichkeiten im Stadion bestaunten, durften dann noch kurz auf dem Podium im Presseraum Platz nehmen. "Und hier sitzt dann immer unser Trainer", sagte die Dame, die die Führung leitete. Die Schüler schauten sich verdutzt an. "Huub Stevens?", fragte einer. Er bekam keine Antwort.

Eine knappe Stunde später nahm dann Jens Keller dort Platz, wo Huub Stevens noch rund 16 Stunden zuvor gesessen und versucht hatte, das 1:3 (1:2) gegen den SC Freiburg zu erklären. Bis zum Saisonende wird Keller, der bisherige Trainer der Schalker U17-Mannschaft, das Bundesligateam als Cheftrainer betreuen. Auf diese Personalvariante wären bis wenige Stunden zuvor nicht nur ahnungslose Schüler nicht gekommen.

Keller erstmals im Pokal gegen Mainz auf der Trainerbank

Stevens war am Sonntagmorgen mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. "Der Plan ist, dass Jens Keller bis zum Ende der Spielzeit die Verantwortung trägt, und dann schauen wir, wie es geht", sagte Sportvorstand Horst Heldt, der Keller aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart kennt. Keller war zunächst Jugend-, dann Co-Trainer des VfB und rückte in der Saison 2010/2011 sogar kurzzeitig zum Cheftrainer auf. Die Überlegung, sich nach einem anderen Mann umzuschauen, hätte es bei Heldt nicht gegeben. "Ich halte ihn für einen hervorragenden Trainer", so der Manager, der Keller persönlich sehr schätzt: "Warum in die Ferne schauen, wenn du gute Leute vor Ort hast?" Am Dienstag im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den 1. FSV Mainz sitzt Keller erstmals auf der Bank.

Huub Stevens dagegen haben Heldt und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nicht mehr zugetraut, eine sportliche Trendwende einzuleiten, nachdem zuletzt nur fünf Punkte aus acht Bundesligaspielen gewonnen worden waren. "Als ich Viertel vor acht am Morgen von Horst Heldt angerufen wurde, um in sein Büro zu kommen, wusste ich, was die Stunde geschlagen hatte. Denn normalerweise ist er nie so früh auf der Anlage", sagte der 59 Jahre alte Stevens im niederländischen Magazin "Voetbal International".

Schon länger Zweifel an Huub Stevens

Am Abend zuvor hatten sich Heldt und Tönnies telefonisch verständigt und die Trennung von Stevens beschlossen. "Uns ist es alles andere als leicht gefallen, diese Entscheidung zu treffen", sagte Horst Heldt und zählte dann noch einmal die Gründe auf, warum Schalke allen Grund dazu hat, Stevens dankbar zu sein: Sein kurzfristiges Einsteigen im Oktober 2011, als Heldt durch die Burn-out-Erkrankung von Ralf Rangnick plötzlich der Wunschtrainer abhanden gekommen war. Der respektable dritte Platz zum Abschluss der Vorsaison, das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League. "Aber unser täglich Brot ist die Bundesliga", so Heldt. Und dort habe es nach dem besten Start seit 41 Jahren in den vergangenen Wochen einen "schleichenden Prozess" des Niedergangs gegeben. "Die Ergebnisse der vergangenen Wochen haben uns darin bekräftigt, eine Veränderung vorzunehmen", sagte Heldt: "Wir haben nicht mehr daran geglaubt, das wichtige Spiel gegen Mainz so bewerkstelligen zu können. Wir mussten reagieren."

Zweifel daran, ob Stevens noch der richtige Mann sei, hatte Heldt offenbar schon länger. Nur so ist es zu erklären, dass er dem Niederländer in den vergangenen Wochen, als bereits über einen Trainerwechsel spekuliert worden war, keine richtige Rückendeckung mehr gab. Bei Fragen nach der Zukunft von Huub Stevens wurde stets nur auf ein vereinbartes Gespräch in der Winterpause verwiesen, in dem über die Zukunft des Trainers gesprochen werden sollte.

An aktuellen Problemen ist nicht nur der Trainer schuld

Dazu kommt es nun nicht mehr. Obwohl Stevens, der bereits von 1996 bis 2002 bei Schalke tätig war, noch am späten Sonnabend davon ausgegangen war. "Ich habe eine Vereinbarung darüber und werde mich daran halten. Ich hoffe, die andere Seite wird das auch machen", hatte der Niederländer gesagt: "Ich bin damals hierher gekommen, um dem Verein zu helfen, von dem ich auch Fan bin. Das habe ich auch weiterhin vor."

Am Sonntag hörte sich das aus dem Munde von Heldt und Tönnies jedoch ganz anders an. "Ich habe am Sonntagmorgen ein intensives Gespräch mit Stevens geführt, der sicherlich auch der Meinung war, dass es richtig ist, die Entscheidung jetzt zu treffen", sagte Heldt: "Wir sind im Guten auseinander gegangen, mit der gleichen Auffassung, dass es richtig ist, jetzt auseinanderzugehen." Unbeantwortet blieb jedoch die Frage, warum Stevens der Turnaround partout nicht mehr zugetraut wurde. Schließlich, dies musste auch Heldt zugeben, hätten die aktuellen Probleme nicht nur mit dem Trainer zu tun. Eine Vielzahl von Gründen kam zusammen. Zum einen fehlt es im Kader an Möglichkeiten, wenn Leistungsträger verletzt oder in einer Formkrise sind. Darauf hatte Stevens immer wieder hingewiesen. Zum anderen gab und gibt es gleich mehrere atmosphärische Belastungen. Da ist die nach wie vor unklare Vertragssituation von Schlüsselspielern wie Torjäger Klaas-Jan Huntelaar und Spielgestalter Lewis Holtby, die offenbar mit einem Vereinswechsel liebäugeln und seither deutlich unter ihren Möglichkeiten bleiben. Und nicht zuletzt dürfte auch die wochenlange Diskussion um Stevens in die Mannschaft gewirkt haben.

Alles eine Kopfsache bei Schalke

"Es gibt viele Faktoren, die es nicht gerade einfach machen, hier Fußball zu spielen. Aber das ist im Moment eine Frage des Kopfes und nicht der Qualität", sagte Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes. "Jeder merkt, dass wir in einer Mistphase sind", drückte es Christoph Metzelder drastischer aus.

Nun also soll Jens Keller die Köpfe der Spieler wieder freibekommen. Der 42 Jahre alte Trainer genießt bei Heldt sehr großes Ansehen. Dass er mehr als eine Interimslösung sein soll, belegt auch die Tatsache, dass neben Huub Stevens auch dessen Co-Trainer Markus Gisdol beurlaubt worden ist.

Die Trainerstationen von Huub Stevens
1993–1996
Roda JC Kerkrade
1996–2002
FC Schalke 04
2002–2003
Hertha BSC
2004–2005
1. FC Köln
2005–2007
Roda JC Kerkrade
2007–2008
Hamburger SV
2008–2009
PSV Eindhoven
2009–2011
FC Red Bull Salzburg
ab 2011
FC Schalke 04
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