11.12.12

Bundesliga

Früherer Schiedsrichter Manfred Amerell ist tot

Der 65-jährige Amerell ist in München tot aufgefunden worden. Er hatte wegen der Verwicklung in einen Sexskandal Schlagzeilen gemacht.

Foto: dapd

MAnfred Amerell im Jahr 2010 im Augsburger Landgericht. Er starb jetzt im Alter von 65 Jahren
Manfred Amerell im Jahr 2010 im Augsburger Landgericht. Er starb jetzt im Alter von 65 Jahren

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell ist tot. Das wurde der Morgenpost am Dienstagabend aus Kreisen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bestätigt. Auch ein Sprecher der Polizei Augsburg bestätigte den Todesfall, der sich in München zugetragen haben soll. Informationen über die Todesursache lagen noch nicht vor. "Wir haben unter dieser Adresse heute Nachmittag eine tote Person aufgefunden. Ermittlungen zur Todesursache dauern noch an", sagte ein Polizeisprecher der "Bild".

Am Dienstagnachmittag wurde die Polizei zu Amerells Wohnung gerufen, wo sich vor der Tür seit Tagen die Post gestapelt haben soll. Zudem sollen sich Bekannte Amerells Sorgen gemacht haben, weil er nicht mehr auf Anrufe reagierte. Nachdem sich die Beamten Zutritt zur Wohnung verschafft hatten, fanden sie den Toten. Amerell hinterlässt zwei erwachsene Zwillingstöchter.

Amerell hatte sein Schiedsrichterdebüt 1984 in der 2. Bundesliga gegeben, zwei Jahre später leitete der gelernte Hotelier seine erste Begegnung in der Fußball-Bundesliga. Amerell pfiff bis 1994 insgesamt 66 Begegnungen in der höchsten deutschen Klasse. Ein Höhepunkt seiner Karriere war das Pokalfinale 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiss Essen (3:1). Amerell war aber nie FIFA-Schiedsrichter, für eine EM oder WM wurde er nie nominiert.

Rechtsstreit mit Schiedsrichter Michael Kempter

Vor seiner Schiedsrichtertätigkeit war Amerell Geschäftsführer bei 1860 München (1970 bis 1975), beim FC Augsburg (1975 bis 1979) und beim Karlsruher SC (1979 bis 1984).

Amerell war in den vergangenen Jahren besonders durch einen Rechtsstreit mit dem ehemaligen FIFA-Referee Michael Kempter in die Schlagzeilen geraten. Amerell hatte von Kempter Schadenersatz in Höhe von 150.000 Euro gefordert, nachdem dieser ihm sexuelle Belästigung in mehreren Fällen vorgeworfen hatte. Amerell bestand jedoch immer darauf, dass die Beziehung einvernehmlich war, und verlangte deshalb wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte das Schmerzensgeld.

"Seit dem 1. Februar 2010 lebe ich nicht mehr, ich existiere nur noch", hatte Amerell im April dieses Jahres im Rückblick auf die Auseinandersetzung mit Kempter erklärt. Am 1. Februar 2010 war Amerell in einem Gespräch mit dem damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und dem damaligen Generalsekretär und heutigen Präsidenten Wolfgang Niersbach von Kempters Vorwürfen informiert worden. Drei Tage später bat Amerell den DFB, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden. Am 9. Februar gab der DFB bekannt, dass Amerell aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen wird.

Vergleich vor dem Oberlandesgericht Stuttgart

Im Dezember 2011 stimmten Amerell und Kempter einem Vergleich des Oberlandesgericht Stuttgart unter dem Vorsitzenden Matthias Haag zu, wonach Kempter in einer Erklärung frühere Vorwürfe gegen Amerell zurücknimmt. Zugleich zog Kempter zwei Klagen gegen Amerell zurück. Nach Meinung des Gerichts habe sich Kemptner den Annäherungsversuchen Amerells nicht entschieden genug zur Wehr gesetzt.

Zudem habe es große Unterschiede zwischen den Aussagen Kempters vor dem DFB sowie vor Gericht und in der Presse gegeben. Dies wurde anhand von einigen Interviews, die Kempter gegeben hatte, verdeutlicht. "Meine Lebensqualität geht gegen null. Und das ist bis zum Tod nicht mehr zu korrigieren", hatte Amerell im Dezember 2011 erklärt.

Im Stadion wurde Amerell fast überhaupt nicht mehr gesehen. Am 31. August hatte er nach seinem Besuch des Spiels 1860 München gegen den MSV Duisburg erklärt: "Es hat gutgetan, mal wieder die Atmosphäre in einem Stadion zu erleben. Ich habe das vermisst, es ist ja eine lange Zeit her."

Quelle: BM
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