11.12.12

Boxen

Box-Trainer Wegner sieht Arthur Abraham wieder in Erfolgsspur

Am Sonnabend bestreitet der Berliner Boxer Arthur Abraham den Kampf gegen Mehdi Bouadla. Sein Trainer über Stärken und Schwächen des Boxers.

Foto: dpa

Der WBO-Weltmeister im Super-Mittelgewicht Arthur Abraham (r.) trainiert während eines öffentlichen Pressetrainingsmit seinem Trainer Ulli Wegner
Der WBO-Weltmeister im Super-Mittelgewicht Arthur Abraham (r.) trainiert während eines öffentlichen Pressetrainingsmit seinem Trainer Ulli Wegner

Boxtrainer Ulli Wegner sieht Arthur Abraham vor dem Kampf gegen den Franzosen Mehdi Bouadla am Sonnabend, (22.15 Uhr, ARD) wieder in der Erfolgsspur. Im Gespräch mit Morgenpost-Redakteur Matthias Brzezinski verriet er, wie das gelungen ist. Der 70-Jährige verriet darüber hinaus, warum er sich momentan um seine Weltmeister Marco Huck und Yoan Pablo Hernandez sorgt und weshalb er seinem Schwergewichtler Robert Helenius 2013 einen ganz großen Schritt nach vorn zutraut. Das Ganze sieht Wegner im Zusammenhang mit dem Stellenwert des Profiboxens in Deutschland und seiner Verantwortung, diesen hoch zu halten.

Berliner Morgenpost: Herr Wegner, hätten Sie am Anfang des Jahres gedacht, dass Sie im Dezember mit Arthur Abraham zu einer WM-Titelverteidigung antreten werden?

Ulli Wegner: Gedacht nicht, gehofft schon. Oder besser, ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass wir die Durststrecke nach Arthurs Niederlagen im Super-Six-Turnier beenden werden.

Woher kam der Optimismus?

Das ist eine lange Geschichte. Also muss ich ein bisschen ausholen. Der Start ins Super-Six-Turnier war perfekt. Arthur hat Jermaine Taylor k.o. geschlagen. Dann folgte sein sportlicher Absturz in Form von drei Niederlagen gegen Andre Dirrell, Carl Froch und Andre Ward. Da bist du als Boxer der Weltspitze natürlich ganz schnell weg vom Fenster. Und ich habe ziemlich schnell festgestellt, dass er ein paar sportliche, aber viel mehr persönliche Defizite hatte, die zu der Pechsträhne geführt hatten.

Sie haben bei der Vorbereitung seine Fäuste, aber nicht seinen Kopf erreicht?

Genau das war unser Problem. Arthur ist ein Boxer, der schnell Dinge umsetzt, die im körperlichen Bereich liegen. Er hat eine enorme Härte und er hat ein extremes Leistungsvermögen. Aber er hatte zeitweise ganz einfach nicht die nötige Hingabe für den Sport. Er war sich manchmal seiner Sache einfach zu sicher und hat dadurch seine Gegner nicht auf dem Level gesehen, auf dem sie ihm dann begegnet sind. Ich habe mal gesagt, Arthur habe 21 Berufe und nur einer davon sei Boxen.

Sie mussten Ihm 20 Jobs vermiesen?

Vielleicht eher 18. Die Jungs sollen und müssen sich schon orientieren. Irgendwann ist die Karriere beendet und dann sollten sie wissen, wohin sie ihr Weg führt.

Abraham befindet sich momentan in einem sportlichen Aufwärtstrend. Was ist für ihn noch zu erreichen?

Da muss ich gleich mal warnen. Eins nach dem anderen. Mehdi Bouadla ist keiner, der zum Geldabholen nach Deutschland kommt. Wenn etwas sicher ist, dann das, dass wir es uns nicht leisten können, irgendeinen Gegner zu unterschätzen. Boudla ist stark und Arthur muss zeigen, dass er stärker ist. Dann können wir erst neue Ziele anpeilen.

Revanche-Kämpfe gegen die Boxer, gegen die Abraham verloren hat?

Im Idealfall ja. Aber im Boxen kommt der Idealfall ja nicht mit Garantie. Gut ist, dass er als Champion sein Schicksal wieder selbst in der Hand hat.

Was ist das Besondere an Abrahams erster Titelverteidigung seit dem Sieg im August gegen Robert Stieglitz?

Der Druck ist anders gelagert. Arthur war Weltmeister, hat alles kennengelernt, was damit an Annehmlichkeiten verbunden ist. Dann hat er versagt und war unten. Jetzt ist er wieder in der Position, wo er etwas zu verlieren hat. "Trainer"', hat er einmal gesagt, "das Scheißgefühl brauche in nicht noch einmal". Er hat's begriffen.

In diesem Punkt sind Sie sich bei Ihren beiden anderen Weltmeistern nicht ganz sicher. Sowohl Marco Huck als auch Yoan Pablo Hernandez sind zwar mit die stärksten Boxer im Cruisergewicht, aber in ihren letzen Kämpfen gab es umstrittene Ergebnisse. Sie haben nicht souverän gewonnen.

Nicht souverän ist nett ausgedrückt. Ich bin zwar sicher, dass sich die knappen Punkturteile (Hernandez gegen den Kanadier Troy Ross, Huck gegen Firat Arslan, d.R.) bei einer genauen Videoanalyse bestätigen, aber wir dürfen die Fans nicht aus den Augen lassen. Die waren nicht zufrieden und damit dürfen wir nicht leben. Denn wir sind auch von TV-Quoten abhängig und die Fans schalten aus, wenn sie sich nicht gut unterhalten sehen. Da haben wir, auch ich, eine Riesen-Verantwortung. Ganz klar!

Woran hapert es bei Huck und Hernandez?

Ehrliche Antwort? Es muss beiden klar werden, dass Kämpfe nicht allein mit den Muskeln entschieden werden. Marco hat eine fantastische physische Stärke. Daraus leitet er seine Eignung für das Schwergewicht ab. Warum tut er das? Unter Umständen, weil ihm Außenstehende sagen wie stark er angeblich ist. Die Leute verkennen die Realität. Marco ist ein toller Kerl und sollte sich in seinem Limit durchsetzen. Was mit den Jahren kommt, wird sich zeigen. Klar ist, dass er bei allem Erfolg noch viel Arbeit vor sich hat.

Und Hernandez?

Bei Pablo ist es ähnlich. Mein bester Boxer, vom Bewegungstalent her. Aber er ist Kubaner und denkt lässig wie ein Kubaner. Das ist meistens gut für ihn und nur manchmal nicht. Aber manchmal ist in einem WM-Kampf auch noch zu viel. Pablo muss während der zwölf Runden einfach mehr arbeiten, statt glänzen zu wollen. Und beide müssen wissen, dass sie für viele Nachwuchsboxer Vorbilder sind.

Der ganz große Glanz gehört dem Schwergewicht. Das Schwergewicht gehört den Klitschko-Brüdern. Warten Sie darauf, dass Vitali und Wladimir endlich abtreten?

Auf keinen Fall. Auch wenn es bei Vitali sicher nicht mehr sehr lange dauert. Aber für jeden Schwergewichtler ist dann Wladimir das attraktivste Ziel.

Um verhauen zu werden?

Wladimir ist bärenstark, aber nicht fehlerfrei. Ich denke, dass ein Boxer wie Robert Helenius die Mittel hat, ihn zu gefährden. Er hat sich nach seiner Schulteroperation in sensationell guter Verfassung bei mir wieder vorgestellt. Er hat die Zeit zum Nachdenken genutzt und er arbeitet an seiner Athletik. Helenius ist manchmal ein Grübler. Und bislang hat er das immer in Erfolge umgesetzt.

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