05.12.12

Wunderhengst

Tierquälerei? Ermittlungen gegen Totilas-Besitzer

Der verlorene Platz im Dressur-Nationalteam ist für Matthias Rath das kleinere Problem: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen Tierquälerei gegen den Totilas-Reiter.

Foto: AFP
Totilas
Reiter Matthias Rath und Dressurhengst Totilas haben noch nicht in die Erfolgsspur gefunden. Nun steht auch eine umstrittene Trainingsmethode auf dem Prüfstand

Es ist nicht bekannt, ob sich Matthias Rath neben all der Reiterei auch noch mit Literatur beschäftigt. Zeitlich ist es im Moment sicherlich schwierig, seit September setzt sich der 28-Jährige alle zwei Wochen ins Auto und fährt die rund 300 Kilometer in das niederländische Örtchen Erp, wo ihn Startrainer Sjef Janssen erwartet. Vier Tage am Stück trainiert Janssen seinen Schützling und dessen Hengst Totilas, es ist anstrengend und zeitintensiv.

Es könnte aber nicht schaden, wenn sich Rath in seiner knappen Freizeit mit den Werken des Dichters Rainer Maria Rilke beschäftigen würde, der einst schrieb: "Dass etwas schwer ist, muss ein Grund mehr sein, es zu tun." In dieser mühsamen Zeit könnte es auch für den Dressurreiter ein Mutmacher sein.

Die Enttäuschungen mehren sich

Denn seit dem Kauf von Totilas mehren sich die Enttäuschungen: Rath verpasste wegen einer Erkrankung die Olympischen Spiele, er wird wegen des Trainings mit Janssen kritisiert, und nun hat er auch noch seinen Platz im Championatskader, quasi der Nationalmannschaft, verloren. "Wir bedauern dies sehr, müssen aber alle Kaderreiter gleich behandeln", sagt Klaus Roeser, der Vorsitzende des Dressurausschusses.

Rath, der in diesen Tagen wieder in Erp weilt, wird diese Entwicklung nicht überraschen. Es wäre eher kurios gewesen, wenn er weiter zum Kader gehören würde, zumal Roeser Geschäftsführer der Paul Schockemöhle GmbH ist. Und Schockemöhle ist bekanntlich einer der Totilas-Besitzer. Eine erneute Nominierung hätte nach heimlichen Absprachen gerochen. So aber sagt auch Bundestrainerin Monica Theodorescu: "Wenn Ergebnisse fehlen, bist du mal raus. Wenn Ergebnisse wieder da sind, kommst du auch schnell wieder rein."

"Das ist alles kein Problem"

Matthias Rath selbst war am Mittwoch nicht zu erreichen. "Diese Entscheidung ist eine ganz normale und logische Folge der vergangenen Monate, in denen Matthias nicht auf Turnieren war", sagt Vater und Trainer Klaus Rath der Berliner Morgenpost: "Wenn er im kommenden Jahr wieder antritt, wird er wieder dabei sein. Das ist alles kein Problem."

Einen Comebackplan gibt es allerdings noch nicht. Janssen, bis Sommer Trainer der niederländischen Dressurequipe, will erst im Januar zusammen mit Matthias Rath über einen Turnierplan für 2013 entscheiden. Bis dahin wolle er sich komplett auf die Arbeit mit seinem Schützling konzentrieren und keine Wasserstandsmeldungen abgeben, machte er jüngst intern klar.

Trainingseinheiten in aller Stille

Außerdem plädiert Janssen dafür, den Hype um Totilas zu reduzieren. Schon im Juli sagte er der Berliner Morgenpost: "Du solltest dich nie selbst als Favorit bezeichnen, das bringt Unglück. Ich absolviere lieber in aller Stille meine Trainingseinheiten. Das habe ich schon immer so gemacht, und jetzt habe ich viele gute Pferde." Es ist ein Ratschlag, den die Familie Rath, die einst Olympiagold in London als Ziel ausgab, schon früher hätte befolgen sollen, dann wären ihr viel Kritik und die gigantische Erwartungshaltung erspart geblieben.

Eine von Janssens Methoden ist in Deutschland dagegen extrem umstritten, und mit ihr beschäftigt sich nun die Justiz. Bei der Rollkur, einer vom Reitsport-Weltverband FEI erlaubten Trainingsübung, zieht der Reiter den Kopf des Pferdes unnatürlich weit auf die Brust; das Tier soll dadurch besser gehorchen. Kritiker sagen, es erleide Höllenqualen.

Die Tierschutzorganisation Peta hat Rath, seinen Vater und die Totilas-Besitzer Schockemöhle und Ann-Kathrin Linsenhoff, die Stiefmutter des Reiters, wegen Tierquälerei angezeigt, weil Totilas von Janssen trainiert wird und die Familie selbst zugegeben hat, das Pferd nun der Rollkur auszusetzen. Weitere Gründe für die Strafanzeige sind die isolierte Haltung des Tieres und die Vermutung, dass ihm "kein freier Weidegang" zur Verfügung steht.

Gutachterin macht sich selbst ein Bild

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt nun ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Die hessische Landestierschutzbeauftragte hatte nach Sichtung der Unterlagen erklärt, dass strafbare Handlungen vorliegen könnten. "Wir hätten auch auf Ermittlungen verzichten können, haben uns aufgrund der Einschätzung der Landestierschutzbeauftragten aber dagegen entschieden", sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. Demnach werde sich eine Gutachterin in Kürze selbst ein Bild von der Totilas-Haltung auf dem Schafhof in Kronberg machen, außerdem sollen die Beschuldigten, deren Anwalt in diesen Tagen Akteneinsicht erhält, vernommen werden.

Klaus Rath bringt das nicht aus der Ruhe: "Kein Pferd in Deutschland stand in den vergangenen zwei Jahren so sehr unter Beobachtung wie Totilas. Alle wissen, wie gut es ihm geht. Daher können wir bei dieser Sache beruhigt sein."

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