03.12.12

Sportwort das Jahres

Wundliegen, Halbangst, Vettrick – Stimmen Sie ab!

Ein ereignisreiches Sportjahr neigt sich dem Ende entgegen. Fußball-EM, Olympia, Formel-1-WM, viel war los, viel wurde geredet. Zeit, das Sportwort des Jahres zu wählen. Wir haben fünf Vorschläge.

Von Sven Flohr
Foto: WDR/Herby Sachs/AFP

Wundliegen ist für die "Welt.de"-Leser das Sportwort des Jahres 2012: Während der EM erhob TV-Experte Mehmet Scholl (l.) schwere Vorwürfe gegen Mario Gomez.

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Wundliegen, das.

Lat.: Dekubitus. Lokale Schädigung der Haut und des darunter liegenden Gewebes, die oft durch Druck entsteht, weil Menschen zu lange auf derselben Stelle liegen. Der Dekubitus kann aber offenbar auch bei Nationalstürmern auftreten, deren Aktionsradius sehr eingeschränkt ist. So sah es jedenfalls Fernsehexperte Mehmet Scholl, der nach dem EM-Spiel gegen Portugal (1:0) ausgerechnet über den Torschützen Mario Gomez sagte: "Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss." Scholl selbst lag sich in der Folge gewiss nicht wund. Er wendete sich aus dem Gestrüpp von Anschuldigungen und Anfeindungen heraus und lobte Gomez nach dem nächsten Spiel als "Weltklasse".

Vettrick, der.

Epochale Leistung in der Formel 1 – drei Weltmeistertitel hintereinander, was vor Sebastian Vettel nur zwei anderen Fahrern gelungen war. Während diesen Piloten aber uneingeschränkter Respekt gezollt wurde, gibt es beim Vettrick eine Besonderheit: Die Konkurrenz redete die Leistung herunter und protestierte noch weit nach der WM gegen die Wertung des letztens Rennens ("Jammer-Alonso"). Vettel war es zu Recht egal. Zu seinem Vettrick sagte er: "Wenn du versuchst, das Ganze in Relation zu setzen zu dem, was andere erreicht haben, dann ist das schon außergewöhnlich." Ganz genau.

Seebühne, die.

Laut Duden in einem See errichtete Freilichtbühne. Vom ZDF also falsch verwendeter Begriff, da die eigene Seebühne ins Meer gebaut wurde. Und zwar vor Usedom. Katrin Müller-Hohenstein, Oliver Kahn und ein Mädchen mit eigenem Twitter-Account erklärten uns von dort, 300 Kilometer und eine Landesgrenze entfernt vom deutschen Mannschaftsquartier, die Europameisterschaft. Begutachtet von ein paar Rentnern, die in Liegestühlen vor der ZDF-Mini-Bohrinsel am Strand dösten. Der Spott war den Öffentlich-Rechtlichen gewiss. "Mit dem Zweiten sieht man Wasser", dichtete die "Bild", "eine Art AOK-Kongress", erkannte die "SZ", und der "Stern" nannte die Veranstaltung: "Nachmittagstee für Senioren mit der Altenpflegerin Müller-Hohenstein". Nur die See- (oder Meer)bühne wird nicht mehr gepflegt. Seit der EM modert sie vor sich hin.

Halbangst, die.

Althergebrachtes Fußballphänomen. Fans freuen oder ärgern sich derart über den Vortrag ihrer Mannschaft, dass es sie nicht mehr auf ihren Sitzen hält und sie auf den Platz rennen. Manchmal sogar zu Tausenden. So geschehen im Sommer in Düsseldorf, als die heimischen Zuschauer im Relegationsspiel gegen Hertha den Aufstieg mit selbst gepflückten Elfmeterpunkten im romantischen Bengaloschein auf dem Rasen feierten. Leider war das Spiel noch gar nicht abgepfiffen. Es gab ein großes Chaos, die Spieler gingen in die Kabinen, die Zuschauer mussten den Platz räumen, damit die Partie nach 20-minütiger Unterbrechung noch einmal aufgenommen werden konnte. Mit dem endgültigen Abpfiff war das Spiel aber längst nicht beendet, es gab ein juristisches Nachspiel.

Nach dem Skandalspiel von Düsseldorf zog Hertha vor Gericht, da das Spiel aus der Sicht der Berliner irregulär zu Ende gegangen war. Anwalt Christoph Schickhardt sprach davon, dass die Spieler auf dem Platz und in den Katakomben Todesangst ausgestanden hätten. Eine Tatsache, die von Trainer Otto Rehhagel während eines großen Auftritts vor Gericht allerdings relativiert wurde. Er habe "Halbangst" gehabt, berichtete der Altmeister und lieferte die Begründung gleich mit: "Ich habe 1943 in einem Keller im Ruhrgebiet gesessen, als uns die Amerikaner bombardiert haben." Dies sei echte Angst gewesen. Am Ende ging die Sache für Hertha nicht gut aus. Viele Spieler wurden gesperrt, da sie trotz ihrer Ängste den Schiedsrichter attackiert hatten. Der Klub stieg ab.

Traumschiffparty, die.

Es war bei weitem nicht alles schlecht aus deutscher Sicht bei Olympia. Die Hockey-Männer beispielsweise ließen es richtig krachen. Erst auf dem Kunstrasen, dann auf der Tanzfläche. Die Mannschaft feierte ihre Goldmedaille bis tief in die Nacht auf der MS Deutschland. Das Traumschiff lag in London während der Spiele vor Anker und diente Sportlern wie VIP's als Hotel- und Partylocation. Die Hockeyspieler aber trieben es offenbar zu bunt. Etliches ging zu Bruch, die Reederei stellte Forderungen von 500.000 Euro auf. Unter anderem soll es Brandlöcher in der wertvollen Teakholzverkleidung gegeben haben. Der Hockeybund wies alle Schuld von sich, bis heute ist der Fall nicht geklärt.

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    Halbangst

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    Traumschiffparty

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