31.12.2012, 13:14

Sportjahr Vettel gelingt WM-Hattrick, Schumacher tritt ab

Schneller als Sebastian Vettel ist keiner. Mit erst 25 Jahren feiert er seinen dritten WM-Titel in der Formel 1 und Michael Schumacher hört auf. Das Radsport-Denkmal Lance Armstrong stürzt vom Sockel.

Für Sebastian Vettel lautet das Motto: Aller guten Dinge sind drei. Mit Platz sechs beim Saisonfinale in Sao Paulo wird der Red Bull-Pilot aus Heppenheim im Alter von 25 Jahren zum dritten Mal nacheinander Formel-1-Weltmeister.

Er hält den Spanier Fernando Alonso in der Fahrerwertung um nur drei Punkte auf Distanz und wird als jüngster Dreifach-Champion in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse feiern.

Die Karriere des erfolgreichsten Formel-1-Piloten endet still und leise. Nach wochenlangen Spekulationen gibt der Rennstall Mercedes bekannt, dass der Vertrag mit dem siebenfachen Weltmeister Michael Schumacher am Saisonende nicht verlängert wird.

Der Brite Lewis Hamilton erhält das Cockpit des Kerpeners, dem seit seinem Comeback 2010 kein Rennsieg mehr gelang. Kurz darauf verkündet Schumacher das Ende seiner Motorsport-Karriere zum Saisonschluss. Sein letztes Rennen in Brasilien beendet er als respektabler Siebter.

Eine andere Sport-Legende steht vor den Trümmern seiner Karriere. Wegen systematischen Dopings erkennt der Radweltverband UCI Lance Armstrong alle sieben Siege bei der Tour de France ab. Zudem wird der Amerikaner auf Lebenszeit gesperrt.

"Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport"

"Lance Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport", verkündet UCI-Präsident Pat McQuaid. Die Tour-Titel werden nicht neu vergeben. Jan Ullrich, der dreimal als Zweiter hinter Armstrong in Paris angekommen war, hatte schon vorher betont, sich nicht mit fremden Federn schmücken zu wollen.

Der Wahl-Schweizer ist freilich selbst ein Sünder. Der Internationale Sportgerichtshof spricht ihn im Februar wegen Dopings schuldig. Ullrichs Verbindung zum spanischen Arzt Eufemiano Fuentes ist nach Ansicht der Cas-Richter erwiesen. Die sportlichen Schlagzeilen des Jahres schreibt Bradley Wiggins, der als erster Brite die Frankreich-Rundfahrt gewinnt. Zweifel bleiben.

Wahre Magdalena-Neuner-Festspiele erleben Zehntausende von Fans bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding. Die Bayerin beendet mit dem Gewinn des zwölften WM-Titels ihre einzigartige Karriere. Eine Woche später krönt sie ihr Finale mit dem dritten Sieg im Gesamtweltcup und zieht sich anschließend ins Privatleben zurück.

Borussia Dortmund verteidigt Titel

Im nationalen Fußball bleibt Borussia Dortmund das Maß aller Dinge. Die Westfalen gewinnen in der Bundesliga beide Duelle gegen die Münchner Bayern, lassen den Erzrivalen in der Tabelle um acht Punkte hinter sich und holen ihre insgesamt achte Meisterschaft. Mit dem 5:2 im Pokal-Finale fügt Jürgen Klopps Rasselbande den Bayern die dritte Schmach in einer Saison zu und feiert ausgelassen das Double.

Damit aber nicht genug der Niederlagen für die Bayern: Gegen einen fast nur aufs Zerstören bedachten FC Chelsea geht auch noch das Finale "dahoam" in der Champions League verloren. Bastian Schweinsteiger trifft im Elfmeterschießen den Pfosten, auf der Gegenseite versenkt Didier Drogba den Ball zum 4:3 für die Londoner. Aus dem Traum ist ein Trauma für Hoeneß, Heynckes und Co. geworden.

Ein solches erlebt auch die Nationalmannschaft im letzten EM-Qualifikationsspiel des Jahres. Erstmals in der 104-jährigen Länderspielgeschichte wird gegen Schweden ein 4:0-Vorsprung aus der Hand gegeben. Das 4:4 in Berlin hinterlässt fassungslose Beobachter.

Skandal im Relegationsspiel

Für Negativschlagzeilen im Fußball sorgen erneut Krawallmacher in den Arenen. Millionen Fernsehzuschauer glauben am 15. Mai ihren Augen nicht zu trauen, als Sekunden vor Ende des Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Tausende den Platz stürmen. Schiedsrichter Wolfgang Stark unterbricht die Partie für rund 20 Minuten. Dann erst werden die fehlenden Sekunden nachgespielt.

Nach einem längeren juristischen Tauziehen um die Wertung der 2:2 ausgegangenen Partie steht fest: Fortuna steigt auf, Hertha muss runter. Der DFB bestraft beide Clubs mit dem Teilausschluss von Fans für die neue Saison und brummt Berlins Profi Levan Kobiaschwili eine Rekordsperre auf. Weil er den Unparteiischen im Kabinengang tätlich angegriffen hat, muss der Georgier bis zum Jahresende zuschauen.

EM 2020 als gesamteuropäisches Erlebnis

Als eine Revolution wird die Entscheidung des Fifa-Regelkomitees gefeiert, technische Hilfsmittel im Fußball zuzulassen. Nach dem Willen der Regelhüter sollen künftig sowohl die Torkamera als auch der Chip im Ball zum Einsatz kommen, wenn es um die strittige Frage geht, Tor oder nicht Tor? Im November rudert die DFL zurück. Die neue Technologie wird nicht wie geplant schon 2013 eingeführt. Man will zunächst die Tests bei der Klub-WM im Dezember in Japan und beim Confed-Cup in Brasilien abwarten.

Was zunächst wie eine verrückte Idee von Uefa-Präsident Michel Platini klingt, wird Wirklichkeit: die Fußball-EM 2020 als gesamteuropäisches Erlebnis. Erstmals soll ein EM-Turnier in mehr als zwei Ländern stattfinden. Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) segnet Platinis Vorschlag im Dezember ab. Auch Deutschland darf auf EM-Spiele und ein neues Sommermärchen hoffen.

(dpa/fb)
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