Vorbereitung in Berlin
Für die Leichtathletik-WM beginnt die heiße Phase
Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin (15. bis 23. August) trägt Michael Mronz im Organisationskomitee die Verantwortung für Marketing und Sponsoring. Zwei Monate vor Beginn der Titelkämpfe im Olympiastadion sprach Morgenpost Online mit dem 42-Jährigen.
Von Alexandra Gross
Morgenpost Online: Herr Mronz, es sind noch zwei Monate bis zur WM. Ist mit dem Internationalen Stadionfest (Istaf) am vergangenen Sonntag die Leichtathletik in der Stadt angekommen?
Michael Mronz: Das Istaf war eine tolle Werbung für die anstehende WM, sowohl die Atmosphäre als auch die sportlichen Leistungen waren spitze, allen voran der Deutsche Rekord von Hochspringerin Ariane Friedrich. Bei der WM kommen darüber hinaus noch viele internationale Stars hinzu, wie z.B. der dreifache Olympiasieger Usain Bolt. In diesem Zusammenhang sind wir neben dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und dem DLV-Präsidenten Dr. Clemens Prokop auch dem Hauptgesellschafter des Istaf, Werner Gegenbauer, sehr dankbar für seinen geleisteten Anteil, dass die Titelkämpfe hier nach Berlin vergeben wurden.
Morgenpost Online: Was sagen Sie dazu, dass die neue Diamond League von 2010 an ohne deutsche Beteiligung stattfindet?
Michael Mronz: Der Fokus sollte jetzt erst einmal auf der WM liegen. Danach werden sich mit Sicherheit der Deutsche Leichtathletik-Verband und die IAAF mit den Ergebnissen an einen Tisch setzen. Deutschland hat weltweit mit die größte Wirtschaftskraft, ein Markt mit 80 Millionen potenziellen Zuschauern ist wichtig für die Leichtathletik weltweit.
Morgenpost Online: In den vergangenen Monaten wurde immer wieder Kritik laut, weil die Weltmeisterschaften nicht präsent genug in der Stadt war. Viele Menschen wussten gar nicht, dass die Titelkämpfe im August im Olympiastadion steigen.
Michael Mronz: Jetzt beginnt die heiße Phase der Vorbereitung, aber wir sind super im Plan, haben bereits über 225.000 von den insgesamt 500.000 Eintrittskarten für die WM verkauft. Das sind deutlich mehr Tickets als bei den früheren Welttitelkämpfen in Paris oder Osaka zum gleichen Zeitpunkt. Zudem hat eine Umfrage ergeben, dass 64 Prozent der Berliner wissen, dass die WM 2009 hier stattfindet. Die Handball-WM hatte zwei Wochen vor dem Anwurf gerade einmal einen Bekanntheitsgrad von acht Prozent, und letztendlich haben 20 Millionen Zuschauer das Finale live miterlebt.
Morgenpost Online: Bereuen Sie, sich mit dem Ziel von 500.000 verkauften Karten zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben?
Michael Mronz: Keinesfalls, wenngleich es ambitioniert ist. Aber wir scheuen uns nicht davor, hohe Ziele zu setzen. Auch in anderen Bereichen haben wir uns hohe Ziele gesetzt: Die Akquise von fünf namhaften Nationalen Partnern im wirtschaftlichen Bereich oder in der Fernseh-Übertragung von ARD und ZDF in HDTV (High Definition Television/d. Red.). Ursprünglich wollte das Fernsehen dies erst 2010 umsetzen, jetzt klappt es doch schon zur WM. Schrittweise stellt sich in Berlin WM-Stimmung ein. Wir sind zuversichtlich, alle unsere Ziele vollumfänglich zu erreichen.
Morgenpost Online: Wo gibt es noch Nachholbedarf?
Michael Mronz: Momentan müssen wir noch stärker herausstellen, welche Disziplinen am welchem Tag stattfinden, wie z.B. das 100-Meter-Finale der Männer gleich am ersten Sonntag, den 16. August. Die beste Werbung ist erfolgreicher Sport. Mit Ariane Friedrich, Zehnkämpfer Michael Schrader und Hammerwerferin Betty Heidler, um nur einige zu nennen, haben wir aussichtsreiche Athleten in der deutschen Mannschaft. Jetzt hoffe ich von Herzen, dass Diskuswerferin Franka Dietzsch noch gesund wird, um ihren Titel verteidigen zu können.
Morgenpost Online: Wie schlägt die internationale Wirtschaftskrise auf die WM durch?
Michael Mronz: Weltmeisterschaften sind immer etwas Besonderes. Berlin und Deutschland können sich im August als wirtschaftsstarke Nation der Weltöffentlichkeit präsentieren. Immerhin wird die WM in 190 Ländern ausgestrahlt. Die Wirtschaftskrise hat bisher keine unmittelbaren Auswirkungen für die WM mit sich gebracht.
Morgenpost Online: Berlin hat sein internationales Frauen-Tennisturnier verloren, auch das Reitturnier CHI gibt es nicht mehr. Werden Sie mit Ihren Erfahrungen den Reitsport in der Hauptstadt wieder beleben?
Michael Mronz: Von der Aachener-Reitturnier GmbH gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Pläne. Wir sind aber immer für Gespräche offen.
Morgenpost Online: Der Reitsport erlebt nach den Dopingvorwürfen schwere Zeiten. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat die Leistungskader in den olympischen Disziplinen Springreiten, Dressur und Vielseitigkeit aufgelöst. Jetzt soll eine unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes für Klärung sorgen. Wie beurteilen Sie die Situation?
Michael Mronz: Die Auflösung der Spitzenkader halte ich für richtig, denn es geht erstens darum, einen Status quo zu ermitteln, und zweitens für die Zukunft klare Regeln zu formulieren. Man wird die Vergangenheit nicht lückenlos aufklären können, aber es geht darum, dass jeder Reiter sein Verständnis im Umgang mit dem Pferd darlegt und dann ein Neuanfang gemacht wird. Die Reiter sind ja nicht ganzheitlich angeklagt. Um jetzt wieder nach vorne schauen zu können, wäre es daher klug, wenn sich alle Reiter der Kommission zur Verfügung stellen. Dabei ist die Unabhängigkeit dieser Kommission ist unabdingbar.
Morgenpost Online: Werden Sie die Anti-Doping-Maßnahmen beim CHIO in Aachen in diesem Jahr verstärken?
Michael Mronz: Ja, wir haben die Anzahl der Stewards, die bei Turnieren für die Kontrollen zuständig sind, erhöht. Sie kontrollieren die Stallungen 24 Stunden lang, denn gerade im Stall fanden ja die Fälle von Missbrauch statt. Außerdem führen wir eine Thermobildkamera ein. Damit können wir das Pferd nach dem Wettkampf auf Hitzestellen kontrollieren. Besteht der Verdacht, dass manipuliert wurde, wird umgehend ein Veterinär hinzugenommen, der dann weitere Untersuchungen vornimmt. Diese sind im Gegensatz zur Thermobildkamera justiziabel. Es ist doch nur gut, wenn ein Fall von Doping oder Tierquälerei aufgedeckt wird. Das bedeutet, dass das Kontrollsystem funktioniert. Je mehr aufgedeckt wird, desto eher werden Reiter überlegen, ob sie etwas Unerlaubtes machen.
Morgenpost Online: Hat der Reitsport sich selbst zerstört?
Michael Mronz: Nein, in einer Niederlage liegt immer auch der Charme der Chance. Der Pferdesport hat diese jetzt, er kann einen Neuanfang machen. Es braucht klare Regeln, und die Strafen müssen durch eine unabhängige Kommission verhängt werden, nicht vom Verband. Im Falle eines Vergehens muss das Pferd genauso gesperrt werden wie der Reiter. Die Aktiven müssen sich zusätzlich überlegen, wie viele Starts sie ihrem Pferd im Jahr zumuten wollen. Ein guter 100-Meter-Läufer nimmt auch nicht an 30 Wettkämpfen im Jahr teil, er kann maximal zehn bis zwölf Mal Top-Leistungen abliefern. Da muss bei den Reitern ein Umdenken stattfinden.
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