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Leichtathletik

Berlins Istaf steigt aus der ersten Liga ab

Die Stars der internationalen Leichtathletik lobten am Sonntag noch einmal in den höchsten Tönen das Olympiastadion und die Stimmung beim Istaf. Nur einen Tag danach die Nachricht: Die 68. Auflage des Istaf dürfte das letzte große deutsche Meeting in der ersten Liga der Leichtathletik in der Olympia-Arena gewesen sein.

Starker Sport vor großer Kulisse: Künftig dürfte die Meeting-Karawane allerdings am Berliner Olympiastadion vorbeiziehen
Foto: dpa/DPA
Starker Sport vor großer Kulisse: Künftig dürfte die Meeting-Karawane allerdings am Berliner Olympiastadion vorbeiziehen

Bis Ende Juni müssen Veranstalter sich für die neue, ab 2010 installierte Diamond League bewerben, die 13 bis 15 Meetings weltweit umfassen soll und die Golden League (sechs Stationen, darunter Berlin) ablöst. Die Istaf-Macher werden dies wohl nicht tun – und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), der vor wenigen Tagen deshalb kurzfristig ein Interesse signalisiert hatte, bekam am Montag einen Korb von der Gesellschafterversammlung der neu gegründeten AG, die die Diamond League veranstaltet.

Haupthindernis dürfte dabei nicht unbedingt die Tatsache gewesen sein, dass der DLV im Zweifelsfall nicht die geforderte, mindestens dreijährige Meeting-Erfahrung hat vorweisen können. Die in der Schweiz ansässige AG, in der der Weltverband IAAF mit 49 Prozent Minderheitsgesellschafter ist, wollte sich von vornherein nicht auf eine Fristverlängerung einlassen. Denn auf diese hatte der deutsche Verband gehofft. „Doch ohne Garantien vom Fernsehen war ein Einstieg in die Serie – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – offenbar nicht akzeptabel“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop der Morgenpost. Alles hängt von der Fernsehpräsenz ab.

Nicht nur die Diamond League will Klarheit, was sein wird, auch für potenzielle Sponsoren ist es entscheidend, zu wissen, ob die öffentlich-rechtlichen Sender ARD/ZDF in den kommenden Jahren live zumindest von einem Diamond-League-Meeting in Berlin berichten werden oder nicht.

Doch das Fernsehen entscheidet erst nach der Weltmeisterschaft im Berliner Olympiastadion (15. bis 23. August), ob und in welcher Form der Ende des Jahres auslaufende Fernsehvertrag in Sachen Leichtathletik verlängert wird. Dieses Problem hatte die das Istaf veranstaltende LVG um Geschäftsführer Gerd Janetzky und Hauptgesellschafter Werner Gegenbauer schon seit langem erkannt. „Erst danach kann man doch mit der Diamond League und Sponsoren wirklich intensive Gespräche führen“, erklärt Janetzky.

Prokop legte Wert darauf, „dass wir nicht dem Istaf schaden wollen“. Das Angebot des DLV gelte ja nur dann, wenn sich das Istaf definitiv nicht für die Diamond League bewirbt.

Janetzky seinerseits kündigte an, im Laufe der Woche die Zukunftspläne der LVG vorzustellen. Das Thema Istaf im Olympiastadion scheint sich erledigt zu haben, es steht ein Meeting in abgespeckter Form im Jahnsportpark (Fassungsvermögen etwa 20,000 Zuschauer) im Raum.

Doch zieht im verwöhnten Berlin überhaupt ein Angebot ohne diamantenen Top-Status? Ein kleines, wenn auch feines Istaf in Prenzlauer Berg benötigt ebenfalls Sponsoren, die genauso gleich nach der TV-Präsenz fragen. Doch spielt das öffentlich-rechtliche Fernsehen da mit? Wären dann Sponsoren auch mit bewegten Bildern in einem Spartensender zufrieden? Für Janetzky steht zumindest fest: „Wegen der Weltmeisterschaft sahen wir auch eine moralische Verpflichtung, das Istaf im Olympiastadion durchzuführen. Ab jetzt gelten wirtschaftliche Faktoren.“

Das Istaf hat am Sonntag einige wichtige Faktoren erfüllt. Die Einschaltquote war sehr erfreulich: 1,13 Million Menschen sahen im Schnitt die 70-minütige ZDF-Übertragung. Das entsprach einem Marktanteil von 9,8 Prozent und einer fast 35-prozentigen Steigerung der Zuschauerzahl im Vergleich zum Vorjahr. Das Interesse an der Leichtathletik steigt im Jahr der Weltmeisterschaft.

Beste Werbung für die WM

Und so war das stimmungsvolle Meeting zudem „eine gute Vorlage und die beste Werbung, die man für eine WM haben kann“ (Janetzky). „Die fantastische Stimmung beim Istaf gibt uns Rückenwind“, sagte der im WM-Organisationskomitee für Marketing und Sponsoring zuständige Michael Mronz. Zumal die ZDF-Übertragung immer wieder mit WM-Trailern gespickt gewesen sei.

Alles hängt zusammen: Eine tolle Weltmeisterschaft mit erfolgreichen deutschen Athleten lässt die Quoten hochschnellen. Was dann wiederum das Fernsehen pro Leichtathletik entscheiden ließe. Darauf hofft auch der DLV-Präsident: „Wir bleiben mit dem Weltverband und den Diamond-League-Veranstaltern auf alle Fälle im Gespräch.“ Eines steht für ihn fest: „Wir brauchen das Berliner Olympiastadion als Leichtathletik-Standort in Deutschland.“

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