20.11.12

Flitzer in Berlin

Jimmy Jump kündigt nächsten Besuch bei Hertha an

Seit drei Monaten lebt der weltberühmte Flitzer Jimmy Jump in Berlin, beim Zweitliga-Spiel Hertha gegen St. Pauli kam er zum Einstandsbesuch ins Olympiastadion. "Es war ein großer Spaß", sagte er.

Es gibt Menschen in Berlin, die sich intensiv mit dem Fußball sowie seinen Randerscheinungen beschäftigen und sich bereits mehrfach die Frage stellten, wann denn dieser verrückte Spanier mal irgendwo auftauchen wird. Immerhin war er schon im August in die Stadt gezogen und hatte sich im Bürgeramt Steglitz-Zehlendorf angemeldet, aber gehört und gesehen hat man ihn nicht. Bis Montagabend.

Dann rannte Jimmy Jump, seines Zeichens berühmtester Flitzer der Welt, auf den Rasen des Berliner Olympiastadions. Gleichzeitig wurde die Zweitliga-Partie zwischen Hertha BSC und dem FC St. Pauli ausgetragen, 39.127 Zuschauer waren vor Ort, über eine Millionen schauten via TV zu, das macht ja den Reiz aus: ein paar Sekunden Aufmerksamkeit zu bekommen. Oder wie Jimmy Jump selbst zu sagen pflegt: "Ich habe eine Mission: die Menschen zum Lachen zu bringen."

Auch wenn tatsächlich einige schmunzeln, bleibt Jimmy Jump ein Störenfried, ein Risikofaktor. Dementsprechend grimmig schaute auch der Sicherheitsmann, dem Jimmy Jump bei seinem Lauf quer über den Platz entwischt war, ehe ihn dessen Kollege stellte.

Seit 2003 als Flitzer aktiv

Jimmy Jump, der eigentlich Jaume Marquet heißt, 36 Jahre alt ist, weder Frau noch Kinder hat und aus Barcelona stammt, ist derlei Situationen gewohnt. Seit 2003 spurtet er bei sportlichen und gesellschaftlichen Events ins Rampenlicht, meist sieht das spektakulär aus.

Beim Formel-1-Rennen in Barcelona im Jahr 2004 etwa täuschte er auf der Tribüne einen Schwächeanfall vor und wurde von Sanitätern zur Behandlung in die Nähe der Boxengasse gebracht. Dann sprang er auf und sprintete auf die Rennstrecke, die Boliden mussten ihm ausweichen. Im gleichen Jahr schaffte er es beim Fußball-EM-Finale in Portugal auf den Rasen, beim Eurovision Song Contest 2010 mogelte er sich bei der Darbietung der Spanier auf die Bühne und tanzte mit. Zwei Monate später legte er beim Fußball-WM-Finale 2010 in Südafrika einen strammen Lauf in Richtung Siegerpokal hin und versuchte, dem Pott eine rote Barretina aufzusetzen.

Die Barretina, nach Jimmy Jumps Einlage am Montagabend von einigen Medien als die Mütze des Weihnachtsmanns bezeichnet, ist eine katalanische Kopfbedeckung, die der Flitzer immer mal wieder einem Prominenten überstülpt. Jimmy Jump will nicht nur Clown sein, er setzt sich auch für die Unabhängigkeit Kataloniens ein.

Man kann von ihm halten, was man will, aber zu gewisser Berühmtheit hat er es gebracht: Mehr als 230.000 Fans hat er bei Facebook, die Videos seiner Flitzerei haben auf Youtube Millionen angesehen, eine Doku über sein Leben, "One Minute of Glory", läuft weltweit bei Filmfestspielen.

"Ich komme auf jeden Fall wieder"

"Beim Hertha-Spiel bin ich anlässlich meines zehnjährigen Jubiläums als professioneller Flitzer aufgetreten. Ich mag den Verein", erzählte Marquet am Dienstagmittag der Berliner Morgenpost: "Es war ein großer Spaß. Die Leute haben mich bejubelt. Ich komme auf jeden Fall wieder."

Die Tatsache, dass er nach seiner Aktion festgenommen wurde, das Spiel nicht anschauen durfte und nach Herthas Anzeige erst kurz vor Mitternacht nach Hause fahren durfte, interessiert ihn nicht. Auch dass in Deutschland die Klubs und ihre Fans gerade über einen Sicherheitskodex diskutieren, tangiert ihn nicht. "Die Polizisten waren sehr nett zu mir, man kennt mich ja", erzählt Marquet, dem nun auch eine Geldstrafe droht. Außerdem hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) umgehend ein bundesweites Stadionverbot bis 2016 gegen den Spanier verhängt.

An die Folgen seiner Auftritte hat er sich gewöhnt. In mehr als einem Dutzend Länder darf er Fußball nicht mehr im Stadion gucken, beim "Clásico" zwischen Barcelona und Real Madrid wird er im Vorfeld schon in der Stadt gesucht und bis Spielende festgehalten. Trotzdem trickst er die Sicherheitskräfte immer wieder irgendwie aus, ans Aufhören denkt er trotz zahlreichen Strafbefehlen in Höhe von insgesamt 200.000 Euro, von denen er nur die wenigsten bezahlt hat, nicht.

"Flitzen ist mein Leben. Ich werde immer mehr von Jaume Marquet zu Jimmy Jump", sagt er, der für seine Passion vor einigen Jahren sogar seinen Job als Buchverkäufer aufgab. Nun will er sein eigenes Modelabel gründen, Jimmy-Jump-Shirts, Jimmy-Jump-Schuhe. "Ich weiß nicht, ob das wirklich klappt", sagt er: "Erst einmal brauche ich jetzt einen ganz normalen Job in Berlin." So langsam, sagt er, werde das Geld knapp.

Reich wird man als Flitzer heute nicht.

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