18.11.12

Reiten

Born to jump – Springsteens Tochter begeistert

Sport statt Rock 'n' Roll: Die 20-jährige Jessica Springsteen, Tochter von Rockstar Bruce Springsteen, schickt sich an, eine großartige Springreiterin zu werden. Heute startet sie in Stuttgart.

Foto: pa/Pressefoto Ba/Pressefoto Baumann
Jessica Springsteen
Will hoch hinaus: Jessica Springsteen auf ihrer Stute Wish

Die Stone Hill Farm liegt ein Stückchen die Stage Coach Road hinauf in Clarksburg, New Jersey. Die riesigen Märkte in der Umgebung locken in diesen Tagen viele Amerikaner mit ihren Kürbisangeboten. Nebenan, auf der Farm, schwingt sich ein Mann mit blauem Hemd und Sonnenbrille in den Sattel. Bruce Springsteen, der vielleicht amerikanischste Musiker der USA, lebt den Wilden Westen vor, wo er eigentlich nie einer war.

Er reitet zwar gern, aber nur gelegentlich. Und wenn er ehrlich ist, sieht er seiner Tochter viel lieber dabei zu, weil sie das in etwa so gut beherrscht wie er das mit der Musik ("Born in the USA"). Erst kürzlich in Wien gewann Jessica Springsteen, 20, die Global Champions Tour der Springreiter und stellte dabei viele Stars, darunter die Deutschen Ludger Beerbaum und Marcus Ehning, in den Schatten. Jetzt reitet sie beim German Masters in Stuttgart und ist dort am Sonntag eine der großen Attraktionen.

Mit dem Papa auf der Bühne

"Ich habe keine Begabung als Sängerin und spiele auch nicht Gitarre", sagt Jessica Springsteen. Ihr Talent liege auf dem Rücken der Pferde. Eine zurückhaltende junge Frau ist sie, wirkt fast ein bisschen schüchtern. Ganz anders als der berühmte Daddy, über den sie nicht ausschließlich definiert werden möchte. Wenngleich er ihre Karriere begleitet hat, nicht zuletzt beim Kauf des niederländischen Wallachs "Vindicat", mit dem der Brite Peter Charles in London Mannschaftsgold gewonnen hat. Da griff der Vater statt zur Gitarre mal ganz tief in die Tasche und legte eine hohe sechsstellige Summe hin.

Das Verhältnis zu ihrem Vater könne nicht besser sein, betont Jessica Springsteen denn auch. Darüber konnten sich die Besucher eines Konzerts im Mai in Paris-Bercy überzeugen. Da bat "The Boss", wie Springsteen respektvoll genannt wird, seine Tochter auf die Bühne und legte mit ihr zum Hit "Dancing in the Dark" einen Tanz aufs Parkett. Das Publikum war begeistert.

Sport statt Studium

Jessica ist die Tochter aus Springsteens zweiter Ehe. Nach der Trennung von Fotomodel Juliane Phillip heiratete Bruce 1991 die Sängerin Patti Scialfa, die unter anderem mit den Rolling Stones tourte. Aus dieser Ehe gingen die drei Kinder Evan James, 22, Jessica Rae, 20, und Sam Ryan, 19, hervor. Jessica kam über ihre Mutter schon als Fünfjährige zum Reiten. Später durchlief sie das anspruchsvolle System der amerikanischen Talentförderung und stand mit 16 Jahren im siegreichen US-Team bei den nordamerikanischen Meisterschaften der jungen Springreiter. 2010 kam sie als Mitglied der US-Juniorennationalmannschaft zum ersten Mal nach Deutschland, nahm an einem Reitturnier in Hagen teil und hatte zwei Jahre später ihren ersten Start in einem Nationenpreis.

Seit drei Jahren studiert sie Psychologie an der Duke University in Durham/North Carolina. Nun unterbrach sie es für ein Semester, um ganz aufs Pferd zu setzen. "Deshalb bin ich mit meinen drei Pferden nach Europa gekommen", sagt sie. Das nötige Know-how bringt ihr Laura Kraut bei. Die erfahrene Team-Olympiasiegerin begleitet sie als Trainerin und hat selbst drei Pferde mitgebracht.

Springsteen gegen Michaels-Beerbaum

In Stuttgart zeigen sich die großen Fortschritte ihres Schützlings. Beim Eröffnungsspringen für ausländische Reiter belegte Jessica auf ihrer elfjährigen Stute "Cincinatti" Platz fünf und wurde mit dem zweiten Pferd, der neunjährigen holländischen Stute "Wish", Siebte. "Jessica nimmt ihren Sport sehr ernst. Sie trainiert hart und sehr professionell", lobt die Mentorin, und die Schülerin gibt das Kompliment artig zurück: "Laura hat ein unglaubliches Auge. Sie weiß besser, wie ich reite, als ich selber."

Ihrem Spitzenpferd "Vindicat" gönnte sie zu Hause eine wohlverdiente Erholungspause. Beim "Großen Preis von Stuttgart" steht die Reiterin mit dem berühmten Namen heute dennoch im Mittelpunkt. Eine Mammutaufgabe für die attraktive junge Frau, denn die Startliste liest sich wie das "Who's who" des Reitsports: Meredith Michaels-Beerbaum, Michael Whitaker, Kevin Staut, Rodrigo Pessoa, Steve Guerdat, Michael Jung, der zweimalige Olympiasieger von London.

Der viel beschäftigte Bruce Springsteen kann seine Tochter leider nicht vor Ort unterstützen. In den vergangenen Wochen hat er mit spektakulären Auftritten den wiedergewählten US-Präsidenten Barack Obama im Wahlkampf unterstützt. Samstagabend gab er ein Konzert in Kansas City, Sonntag führt ihn seine Tournee nach Kanada weiter. Er wird "Working on a Dream", einen seiner großen Erfolge, singen, während seine Tochter daran arbeitet, ihren Traum tatsächlich zu verwirklichen.

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