11.11.12

Box-Champion

Die schmerzenden Hände des Wladimir Klitschko

Der Pole Mariusz Wach verblüfft mit gewaltigen Nehmerfähigkeiten und bringt Weltmeister Wladimir Klitschko sogar einmal ins Wanken. Der droht nach dem Punktsieg in Hamburg seinen nächsten Gegnern.

Von Gunnar Meinhardt
Foto: dapd

Deutlicher Sieg für Box-Weltmeister Wladimir Klitschko: Er hat seine drei WM-Titel erfolgreich verteidigt ...

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Die Insignien seines Ruhms zierten den Tisch. Hintereinander aufgereiht lagen die bunten Gürtel der Boxverbände WBA, WBO und IBF, die Wladimir Klitschko (36) als Weltmeister führen. Doch der stolze Besitzer der Bauchbinden ließ auf sich warten, seine linke Augenbraue musste noch genäht werden. Eine gute halbe Stunde nach dem Verlierer des Abends erschien dann auch der alte und neue Champion. Als Klitschko am frühen Sonntagmorgen den stickigen Presseraum der Hamburger Arena betrat, verabschiedete sich sein Rivale aus Polen höflich.

Mariusz Wach (32) hatte bereits alles erzählt, was es aus seiner Sicht nach dem packenden Schwergewichtskampf zu erzählen gab. Klitschko sei einfach in allen Belangen zu gut, gab der Unterlegene ehrlich zu: "Ich bin einfach langsamer als er, deshalb bin ich nicht richtig an ihn rangekommen. Doch ihr werdet in Zukunft noch von mir hören", versprach Wach, auf dessen Schoß sein zweijähriger Sohn Oliver saß.

Couragierter Kampf bis zum Schluss

Das ist dem bislang nur in Insiderkreisen bekannten Hünen durchhaus zu glauben. Im Gegensatz zu den meisten seiner Vorgänger, die sich aufgaben, wenn sie mit Klitschko im Ring standen, kämpfte Wach couragiert und entschlossen bis zum Schluss. Er steckte jede noch so harte Hand von Klitschko weg, die teilweise wie ein Dampfhammer in seinem kantigen Gesicht einschlugen. Er wankte nicht mal, sondern hatte nur "Angst, dass ein Trainer irgendwann das Hundtuch wirft. Ich hätte nie aufgeben", beteuerte der Unbeugsame.

Erstmals bei der Verteidigung seiner Weltmeistertitel musste Klitschko zu einem Konkurrenten aufschauen. Vier Zentimeter war er kleiner als sein 2,02 Meter großer Herausforderer aus dem Nachbarland. Die körperliche Unterlegenheit bereitete dem Champion jedoch keine Probleme. Zur Verzweiflung trieben ihn vielmehr Wachs Nehmerfähigkeiten, die auf Dauer für dessen Gesundheit nicht förderlich sein können.

"Ein Rätsel, wie er das durchstehen konnte"

Möglicherweise im ersten Duell mit Samuel Peter, seinem Schicksalskampf vor neun Jahren in New York, habe er genauso viel getroffen wie diesmal, versuchte sich Klitschko einer ähnlichen Situation zu erinnern: "Doch dass Wach so viel wegstecken konnte, habe ich beim besten Willen nicht erwartet. Es ist mir ein Rätsel, wie er das durchstehen konnte." Ein gleichsam ungläubiges wie respektvolles Kopfschütteln begleitete die Worte des Weltmeisters. Ihm selbst bereiteten nach dem Kampf seine Hände die größten Schmerzen.

Obwohl Klitschko seine 13. Titelverteidigung dominierte, was sich in einem deutlichen Punkteurteil niederschlug (120:107, 120:107 und 119:109), blieb der Kampf der Giganten bis zur letzten Sekunde spannend. Wach war jederzeit in der Lage, mit einem sogenannten Lucky Punch das von ihm prophezeite "Wunder von Hamburg" wahr werden zu lassen.

Wach glaubte an den "vernichtenden Schuss"

Am Ende der fünften Runde war er sogar nah dran. Nach einem rechten Haken mit anschließendem Schlaghagel geriet Klitschko ernsthaft ins Taumeln. Der Getroffene widersprach zwar und behauptete, er sei in der Szene ausgerutscht. Dennoch konnte er sich glücklich schätzen, als der Gong die Runde beendete. In diesem Moment, sagte Wach, sei ihm der Gedanke durch den Kopf geschossen, als Weltmeister nach Hause zu fahren. Überhaupt habe er bis zum Schluss daran geglaubt, den "vernichtenden Schuss" setzen zu können.

Dass es auch Klitschko nicht gelang, seinen 62. Kampf mit dem 52. K.o.-Sieg vorzeitig zu krönen, schmälert seine Leistung nicht im Geringsten. Nicht nur Hollywood-Schauspieler Sylvester Stallone, der extra an die Alster gekommen war, um das von Wladimir und Vitali Klitschko mitproduzierte Musical "Rocky" eine Woche vor der Uraufführung in Hamburg zu bewerben, war von der Vorstellung des jüngeren Klitschko-Bruders beeindruckt. "Das war eines echten Champions würdig", befand der "Rocky"-Darsteller. Luan Krasniqi, einstmals eine große deutsche Schwergewichtshoffnung, bescheinigte dem Titelträger gar, einen seiner besten Kämpfe gemacht zu haben.

Rührende Worte für Steward

Sicher wäre auch Emanuel Steward mit seinem Schützling zufrieden gewesen. Gleichwohl hätte Klitschko seinem vor zwei Wochen verstorbenen Trainer, unter dem er sich seit seiner letzten Niederlage im April 2004 gegen den Amerikaner Lamon Brewster zum Abonnement-Weltmeister entwickelt hatte, gern einen vorzeitigen Erfolg gen Himmel gesendet. Im Moment des Triumphes gedachte er noch einmal mit rührenden Worten seines Boxlehrers: "Emanuel, wir denken an dich, wir vermissen dich und lieben dich. Du bist immer bei uns." Ob Stewards Schüler Johnathon Banks, der erstmals in Klitschkos Ringecke stand, auch künftig den Lehrmeister ersetzen wird, lässt Wladimir offen.

Am Montag fliegt er mit Vitali, der bis zum 17. Dezember über eine Fortsetzung seiner Karriere entscheiden will, nach Detroit, um einen Tag später an der Trauerfeier für Steward teilzunehmen. Auf dem Weg dorthin bleibt genügend Zeit für das Schmieden von Zukunftsplänen. Fest steht, dass Wladimir Klitschko im Frühjahr seine nächste Titelverteidigung bestreitet. Interessante Gegner gäbe es einige, sagte Manager Bernd Bönte, der Alexander Powetkin und Marco Huck aber nicht zu diesem Kandidatenkreis zählte. "Wer immer es ist: Ich bin bereit und möchte noch sehr lange Weltmeister bleiben", sagte Klitschko. Es war durchaus als Drohung zu verstehen.

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