10.11.12

Freitod Robert Enke

Teresa Enke und ihr Kampf gegen die Depression

Vor drei Jahren beging Fußballer Robert Enke Selbstmord. Seine Frau Teresa engagiert sich seitdem unermüdlich gegen Depressionen im Sport.

Foto: pa/dpa
Teresa Enke, Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, hilft suizidgefährdeten Menschen
Teresa Enke, Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, hilft suizidgefährdeten Menschen

Teresa Enke kämpft weiter. Tag für Tag, trotz aller Schicksalsschläge. Den Kampf gegen die Depression im Spitzensport hat die Frau, die binnen fünf Jahren Tochter, Ehemann und Bruder verloren hat, in den Mittelpunkt ihres Wirkens gestellt.

Sie hilft unermüdlich, auch, weil es ihr selbst guttut. Ihr Engagement ist Theraphie für die 36-Jährige, deren Mann sich am 10. November 2009 in einer Verzweiflungstat vor einen Zug geworfen hatte. Seitdem hat sie mit der Robert-Enke-Stiftung schon Dutzenden Sportlern in verzweifelter Situation einen Ausweg gezeigt.

"Etwas Positives werde ich seinem Tod nie abgewinnen können. Ich kann nur versuchen, das Negative in etwas Positives zu wandeln. Sein Tod bedeutet eine Chance, anderen zu helfen. Ich werde es nie verarbeiten, sondern lerne lediglich, damit zu leben", sagte sie dieser Tage in einem Interview.

Und wenn es mal wieder ganz trübe in ihr aussah, dann half ihr auch dieser Gedanke: "Ich habe eine kleine Tochter, ich muss mich zusammenreißen."

Sehr schnell war nach Robert Enkes Tod klar geworden, welch starke Frau Teresa Enke ist. Ihre ergreifenden Worte bei der Pressekonferenz nach dem Suizid ihres Mannes bleiben unvergessen. Auch die Londoner "Times" war so beeindruckt, dass sie das Foto der tapferen Witwe großformatig auf der Titelseite druckte. 2010 wurde Teresa Enke vom hannoverschen Presseklub der Leibniz-Ring verliehen für den couragierten Auftritt in schwerster Stunde.

Der Tod von Tochter Lara (2), die 2007 an einem Herzfehler starb, war für sie und ihren Mann bereits ein brutaler Schicksalsschlag, der seinen Anteil hatte an den Depressionen und dem Suizid des Nationaltorhüters. Doch nach dem Tod ihres Mannes verlor Teresa Enke vor knapp einem Jahr auch noch ihren Bruder.

Der promovierte Sport- und Wirtschaftswissenschaftler Florian Reim (43), bayerischer Landestrainer im Modernen Fünfkampf, erlitt wenige Tage vor Weihnachten 2011 nach einer Lungenembolie einen Herzstillstand.

Gedenken im Internet

Zu diesem Zeitpunkt hatte Teresa Enke schon das umgebaute Bauernhaus bei Hannover verlassen ("Ich brauchte einen Neustart"). Seit 2011 lebt sie zusammen mit daer adoptierten Leila (3) in Köln - erst am Stadtrand, inzwischen in zentraler Lage, wieder mehr im Leben. Über die Witwenrente ist sie weitgehend abgesichert. Für ihre Stiftung arbeitet die Vorstandsvorsitzende unentgeltlich.

Die Fahrten nach Hannover und das Grab in Empede seien schwer für sie, sagte Teresa Enke dem Magazin "Stern". "Hannover ist mit vielen schönen Erinnerungen verbunden, aber auch mit vielen traurigen. Pures Glück und tiefe Trauer vermischen sich."

Fußballspiele meidet sie noch immer. "Das ist zu schmerzlich. Hoffentlich kann ich irgendwann unbekümmert damit umgehen", sagte Teresa Enke in der Zeitung "Bild". Sie hat Kontakt zu DFB-Manager Oliver Bierhoff ("Er ruft mich an") und Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Von Zwanziger bekomme ich bis heute SMS. Er hat mich in die Kommission für Nachhaltigkeit des DFB berufen."

Teresa Enke tritt nur in die Öffentlichkeit, wenn es um die Stiftung geht, die zum dritten Todestag des Nationaltorhüters in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Aachen eine Telefon-Hotline vorstellte, die Sportlern mit psychischen Problemen helfen soll. In Zusammenarbeit mit der Initiative "MentalGestärkt" an der Sporthochschule Köln wurde binnen eines Jahres schon mehr als einem Dutzend Fußballern der 1. und 2. Bundesliga sowie ähnlich vielen Sportlern anderer Sparten geholfen.

Des Mannes, für den alle Hilfe zu spät kam, wird heute via Internet durch Teresa Enke und Tausende Fans bei einer virtuellen Veranstaltung auf der Facebook-Seite der Robert-Enke-Stiftung gedacht. Mehr als 43.000 Nutzer des sozialen Netzwerks haben sich der Gruppe "ROBERT gedENKEn" angeschlossen.

Darunter ist auch Torwart Rene Adler vom Hamburger SV. "Morgen vor drei Jahren ging ein guter Mensch und Kollege von uns. Helft zusammen mit gegen die Krankheit Depression", schrieb der Nationalspieler. Teresa Enke hatte im Oktober zum Beitritt der Gruppe aufgerufen und als Ziel 100.000 Teilnehmer ausgegeben: "Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen. Für Robert und Millionen Menschen."

Teresa Enke wird sich heute mit Freunden treffen. Sie sagt: "Jeder wird individuell für sich trauern."

Quelle: dpa/dapd/mim
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