10.11.12

LA Lakers

Bryant träumt vom Comeback seines Lehrmeisters

Nach der überraschend frühen Entlassung von Coach Brown bei den Los Angeles Lakers hat die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Heißester Kandidat für die Nachfolge ist der Rekordtrainer der NBA.

Foto: pa/dpa
Bald wieder ein Team? Phil Jackson (l.) mit Superstar Kobe Bryant
Bald wieder ein Team? Phil Jackson (l.) mit Superstar Kobe Bryant

Als Jerry Buss die Los Angeles Lakers 1979 im Paket mit dem Eishockeyteam der LA Kings für gut 67 Millionen Dollar kaufte, war das die größte Transaktion, die die Sportwelt je gesehen hatte. Später reduzierte der Immobilienmilliardär sein Engagement auf die Basketballspieler; in die Regentschaft des 78-Jährigen fallen zehn Meistertitel und der Aufstieg der Lakers zu einer der profitabelsten Sportmarken auf dem Planeten.

Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie Amerikaner sie lieben. Sie handelt von Fleiß, Ehrgeiz und Vertrauen in seine Weggefährten. 2010 übergab Buss die Geschäfte an seine Kinder Jim und Jeannie, um mehr Zeit für sein Lieblingshobby Pokern zu haben. Spätestens seit Freitagabend wird ihm das wie ein Fehler vorkommen.

Da verkündeten die Lakers der verdutzten Journalistenschar, dass sie soeben Cheftrainer Mike Brown gefeuert hatten – nach gerade einmal fünf von 82 Saisonspielen. Zwar hatte Brown, der im vergangenen Jahr geholt worden war und dann früh im Play-off scheiterte, nur eine dieser Partien gewonnen und damit die Erwartungen an das spektakulär verstärkte Team dramatisch untererfüllt.

Doch eine Entlassung zu einem solch frühen Zeitpunkt hat die nordamerikanische Profiliga NBA in diesem Jahrtausend noch nicht erlebt – unter dem Strategen Jerry Buss wäre ein solcher Schnellschuss erst recht undenkbar gewesen.

Verehrung für Phil Jackson

"Wir waren alle überrascht und erschüttert", sagte Superstar Kobe Bryant: "Wir haben Mike sehr geschätzt. Ich persönlich hoffe, weiter einen guten Kontakt zu ihm zu behalten." Brown war vor allem vorgeworfen worden, das Spiel von Ausnahmekönnern wie Bryant, Pau Gasol, Steve Nash und Dwight Howard nicht harmonisiert zu haben.

Stattdessen soll der 42-Jährige, der als Profi keine nennenswerten Erfolge feiern konnte, ungewohnt viel Wert auf die Defensive gelegt und die Profis in ein zu kompliziertes Angriffssystem gezwängt haben. In dem auf Show und Spektakel gepolten Zirkus NBA kann das schnell zum Verhängnis werden.

Keine drei Stunden nach Browns Entlassung führte Kapitän Bryant sein wie befreit wirkendes Team zu einem klaren 101:77 über die Golden State Warriors. Vor allem der neue Centerspieler Howard wirkte wie ausgewechselt. Der 2,11-Meter-Koloss war mit viel Mühe und Millionen vom Ligarivalen Orlando losgeeist worden und prompt zum Gesicht des Fehlstarts geworden. "Ich werde zu Trainerfragen nichts sagen", wiegelte er nach der Partie ab: "Das Thema ist mir zu heiß." Nicht nur Howard hofft nun auf eine Rückkehr von Trainerguru Phil Jackson.

Erfolge schon mit Jordan und Pippen

Der 67-Jährige ist mit elf Meisterschaften der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der NBA. Weil fünf davon auf seine Zeit bei den Lakers entfallen, verehren sie ihn in der Stadt der Engel als Zen-Meister des Basketballs. "Er ist auf unserer Liste. Für uns ist jetzt wichtig, möglichst schnell einen Nachfolger zu finden", sagt Geschäftsführer Mitch Kupchak. Es soll zwar noch zwei, drei andere Kandidaten geben, doch alle wissen: Hat Jackson Lust zur Rückkehr aus dem Ruhestand, wird er schon bald als Nachfolger seines Nachfolgers auf der Bank sitzen.

In Los Angeles ermöglichte er den verfeindeten Alphatieren Bryant und Shaquille O'Neal ein erfolgreiches Zusammenspiel, in Chicago hatte er zuvor die überdimensionierten Egos von Michael Jordan, Scottie Pippen und Dennis Rodman zum Kooperieren gebracht. Wenn einer mit einer Ansammlung von Stars umgehen kann, dann Jackson.

Und noch etwas spricht für ein Comeback des Zen-Meisters. Seit Jahren geht er mit Jeannie Buss aus, der Schwester des wankelmütigen Besitzers Jim. Auf diesem Wege könnte die Installation seiner Kinder doch noch etwas Gutes haben für den einst so mächtigen Lakers-Patron Jerry.

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