08.11.12

Eisschnellauf

Pechstein startet Saison in Berlin - und will ARD verklagen

Auch mit 40 Jahren gehört Claudia Pechstein bei der Deutschen Meisterschaft zum Favoritenkreis. Von der Sportschau wird sie sich fernhalten.

Von Marcel Stein
Foto: dpa

Gruß an die Missgünstigen: Claudia Pechstein wehrt sich wieder
Gruß an die Missgünstigen: Claudia Pechstein wehrt sich wieder

Am Wochenende geht es wieder los, die Eisschnelllauf-Saison beginnt mit der Deutschen Meisterschaft in Berlin. Und eine der Fragen, die sich davor stellen, ist diejenige, ob es den jungen Athletinnen gelingen wird, Claudia Pechstein ein wenig unter Druck zu setzen. Die ist zwar mittlerweile 40 Jahre alt, Konkurrenz erwächst ihr auf ihren langen Spezialstrecken dennoch einzig von Stephanie Beckert. Im Team der deutschen Frauen bleibt die Berlinerin weiterhin eine zentrale Figur. Für die ARD könnte das noch problematisch werden.

Pechstein, 2012 immerhin WM-Dritte, vergisst nicht einfach so, das weiß inzwischen jeder. Seit ihrer zweifelhaften Dopingsperre wegen erhöhter Blutwerte kämpft sie unbeirrbar gegen die, die ihr das angetan haben. Da sah es nicht gut aus, als sie Anfang dieses Jahres, gut zwölf Monate nach Ablauf der Sperre, schon wieder mit Doping in Verbindung gebracht wurde. Ein Fernsehbeitrag der ARD beschwor einen der größten deutschen Sportskandale herauf, der später nur noch als "Causa Erfurt" firmierte. Seit ein paar Tagen ist klar, dass bei der Blut-Reinjektion vor 2011 kein Dopingverstoß vorliegt. So entschied das Deutsche Sportschiedsgericht (DIS).

Vorwürfe gegen Antidopingexterten Seppelt

Auf dieses Urteil hat die fünfmalige Olympiasiegerin gewartet, auch auf die Reaktion der Nationalen Antidopingagentur (Nada). "In diesem richtungsweisenden Fall haben wir jetzt Klarheit über die Rechtslage vor 2011 und richten daran nun unser weiteres Vorgehen aus", so Nada-Chefjustiziar Lars Mortsiefer. In Erfurt behandelte der Mediziner Andreas Franke das Blut zahlreicher Sportler mit UV-Licht, Kleinstmengen wurden dazu entnommen und reinjiziert. In der Verbotsliste der Weltantidopingagentur (Wada) war diese Methode bis zu einer Präzisierung 2011 nicht erfasst.

Die ARD behauptete anderes und brachte Pechsteins Namen ins Spiel. "Gegen mich lief nie ein Verfahren, ich wurde noch nicht einmal von der Staatsanwaltschaft als Zeugin befragt. Trotzdem hat mich der sogenannte Antidopingexperte der ARD, Hajo Seppelt, in der Sportschau öffentlich denunziert", sagt Pechstein. Ihre Einwände interessierten offenbar nicht: "Auf Anfrage habe ich erklärt, dass ich nie gedopt, nie etwas Verbotenes getan habe. Gesendet wurde das nicht. Ich hatte das Gefühl, Seppelt wollte auf Teufel komm raus einen neuen Skandal, also wurde nur das ausgestrahlt, was ihm in den Kram passte."

Keine Interviews für die Sportschau

Die erste Konsequenz, die Pechstein nun zieht, mag harmlos sein. "Von mir bekommen die Sportschau-Reporter so lange kein Interview mehr, bis ich eine Entschuldigung gehört habe. Nur wenn sie ihren Fehler eingestehen, können wir wieder ins Gespräch kommen." Wenn Pechstein weiter starke Leistungen zeigt, bringt das die Berichterstattung der ARD sicher um ein wichtiges Element. Aber es tut nicht weh. Das könnte anders werden mit der zweiten Reaktion, die Pechstein nach dem DIS-Urteil anstrebt. "Der Schund von Seppelt hat mich Sponsoreneinnahmen gekostet. Die, die das zu verantworten haben, werden auf jeden Fall die Rechnung dafür bekommen. Meine Anwälte arbeiten bereits daran, den Schaden geltend zu machen", sagt die Berlinerin. Also wird eine Klage vorbereitet.

Von der ARD gibt es dazu derzeit keine Stellungnahme. Der Sender hatte vor der Ausstrahlung des Beitrags über Erfurt sogar noch eine lange Dokumentation über Pechsteins Kampf gegen die vorherige Sperre gedreht. "Auch die DOSB-Spitze, die Nada und zahlreiche Experten wurden befragt. Das alles hat viel Zeit und Gebühren gekostet. Ausgestrahlt wurde bislang keine Minute", so Pechstein, die den Film als einen sie entlastenden Beitrag betrachtet. Unverzüglichen Ärger muss die ARD nun nicht zwangsläufig von Pechstein erwarten. Die im Herbst 2011 angekündigte Klage gegen den Weltverband ISU ist bisher auch nicht eingereicht. Aber bis zum Jahresende soll sie fertig sein.

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